Kettner Edelmetalle
31.08.2026
13:45 Uhr
KI-generiert

Trumps Öl-Coup in Caracas: 65 Milliarden Barrel – und viele offene Fragen

Trumps Öl-Coup in Caracas: 65 Milliarden Barrel – und viele offene Fragen
Symbolbild: KI-generiert

Es ist der Deal, über den die Rohstoffwelt seit Tagen spricht: Die USA sichern sich für 25 Jahre Zugriff auf rund ein Fünftel der venezolanischen Ölreserven. Präsident Donald Trump verkündete die Vereinbarung am Freitag über soziale Medien, Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez bestätigte sie am Samstagabend im Staatssender VTV. Doch Juristen und Energieexperten zerlegen das Abkommen bereits – Punkt für Punkt.

Mehr Öl, als die USA selbst besitzen

Die Dimensionen sind gewaltig. Der Pakt umfasst 65 Milliarden Barrel förderbares Rohöl – deutlich mehr als die 46 Milliarden Barrel nachgewiesener Reserven der Vereinigten Staaten. Trump sprach davon, dass ein Großteil dieser Vorkommen künftig unter „mehrheitlich US-amerikanischer Kontrolle" stehe. Deutsche Medien zitierten ihn zudem mit der Formulierung, es handle sich um den größten Öl-Deal der Weltgeschichte.

Rodríguez nannte die Vereinbarung „historisch" und betonte, sie stehe im Einklang mit dem venezolanischen Kohlenwasserstoffgesetz. Ihren Angaben zufolge sollen 100 Milliarden Dollar an Investitionen fließen, dazu 209,3 Milliarden Dollar an Steuern und Abgaben.

„Dieses bilaterale 25-Jahres-Projekt sieht die Entwicklung von 17 strategischen Ölfeldern mit einem Produktionsziel von mehr als 1,5 Millionen Barrel pro Tag vor."

Kein Bieterverfahren, keine Namen, keine Antworten

Was Fachleute misstrauisch macht: Die Verhandlungen liefen im Geheimen, ein Wettbewerbsverfahren gab es nicht. Auch welche Unternehmen die Felder betreiben sollen, ist bislang unbekannt – Trump sprach lediglich von einer Partnerschaft mit der Privatwirtschaft.

Eine Forscherin der Columbia University warnte gegenüber Reuters, Washington könnte mit dem Geschäft genau das Gegenteil des Gewollten erreichen und den ohnehin fragilen institutionellen Rahmen Venezuelas weiter schwächen. Der Dekan der Juristischen Fakultät der Zentraluniversität von Caracas erklärte, das Abkommen könne trotz formeller US-Anerkennung später vor Gericht angefochten werden. Das Weiße Haus verwies Anfragen an das Energieministerium – eine Antwort blieb aus. Auch das venezolanische Ölministerium und der Staatskonzern PDVSA schwiegen.

Kanada „auf Bewährung"

Pikant ist das Timing. Nur Tage nach dem Scheitern der Handelsgespräche zwischen Washington und Ottawa stellte Trump klar, der Venezuela-Deal setze Kanada „auf Bewährung". Kanadisches Schweröl könnte künftig Barrel für Barrel gegen venezolanisches konkurrieren. Wer glaubt, Handelspolitik werde in dieser Amtszeit mit Samthandschuhen betrieben, dürfte sich täuschen – ein Signal, das auch europäische Regierungen beunruhigen sollte.

Vom Papier zum Barrel ist es weit

Die Rechnung könnte an der Realität scheitern. Eine Analyse der Beratungsfirma Gas Energy Latin America beziffert die nachgewiesenen Reserven der Felder auf 63,7 Milliarden Barrel – allerdings auf Basis eines Entölungsgrades von 20 Prozent, der bislang nie erreicht wurde. Manche Experten halten mehr als 25 Jahre für nötig, um diese Mengen tatsächlich zu fördern.

Der Grund: Im Orinoco-Gürtel lagert überwiegend extraschweres Rohöl, rund um den Maracaibo-See rostet eine seit Jahren unterfinanzierte Infrastruktur vor sich hin. Ein Ökonom des Baker Institute kritisierte zudem auf Social Media, die angekündigten Steuereinnahmen seien erstaunlich niedrig.

Hintergrund des Drucks: Trump erklärte, zusätzliche Fässer könnten die strategische Ölreserve der USA auffüllen. Diese fiel in diesem Monat auf 290 Millionen Barrel – nahe dem tiefsten Stand seit 44 Jahren.

Was Anleger daraus lernen können

Energiepolitik ist längst Machtpolitik. Wer Rohstoffe kontrolliert, kontrolliert Preise, Handelsströme und am Ende die Inflationserwartungen ganzer Kontinente. Für Sparer bleibt die nüchterne Erkenntnis: In einer Welt, in der Reserven neu verteilt und Verträge im Hinterzimmer geschlossen werden, sind physische Edelmetalle ein bewährter, staatsunabhängiger Stabilitätsanker in einem breit gestreuten Vermögen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen ab. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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