
Trump umgeht Kongress: 4,9 Milliarden Dollar Auslandshilfe einfach gestrichen
Ein PrĂ€sident, der sich ĂŒber die Gewaltenteilung hinwegsetzt? Was in funktionierenden Demokratien undenkbar wĂ€re, ist in Washington unter Donald Trump zur neuen NormalitĂ€t geworden. Mit einem simplen Brief an den republikanischen Sprecher des ReprĂ€sentantenhauses, Mike Johnson, hat Trump kurzerhand 4,9 Milliarden Dollar an bereits vom Kongress bewilligten Auslandshilfen blockiert â ein Manöver, das zuletzt vor fast 50 Jahren zum Einsatz kam.
Der Griff in die Mottenkiste der Macht
Was Trump hier aus der Versenkung holt, nennt sich "Pocket Rescission" â ein verstaubtes Instrument aus dem Jahr 1974, das dem PrĂ€sidenten erlaubt, Ausgaben kurz vor Ende des Haushaltsjahres zu blockieren. Der Trick dabei? Wenn der PrĂ€sident seinen Antrag so spĂ€t einreicht, dass der Kongress innerhalb der vorgeschriebenen 45-Tage-Frist nicht mehr reagieren kann, verfĂ€llt das Geld einfach. Zuletzt wagte dies der Demokrat Jimmy Carter im Jahr 1977 â allerdings unter völlig anderen UmstĂ€nden.
Die betroffenen Gelder sollten eigentlich an das AuĂenministerium und die US-Agentur fĂŒr internationale Entwicklung (USAID) flieĂen. Doch Trump macht kurzen Prozess: 3,2 Milliarden Dollar fĂŒr Entwicklungshilfe? Gestrichen. 520 Millionen fĂŒr die Vereinten Nationen? Weg damit. 838 Millionen fĂŒr internationale Friedensmissionen? ĂberflĂŒssig. Weitere 322 Millionen zur Förderung demokratischer Werte weltweit? In Trumps Amerika offenbar nicht mehr nötig.
USAID vor dem Aus â Rubio jubelt
Besonders pikant: AuĂenminister Marco Rubio verkĂŒndete auf X triumphierend, dass USAID sich nun im "Abwicklungsmodus" befinde. Die Behörde sei "schon lange vom Kurs abgekommen", so Rubio. Man könnte meinen, internationale Entwicklungshilfe und die Förderung amerikanischer Werte im Ausland seien plötzlich zu einem Luxus geworden, den sich die Supermacht nicht mehr leisten könne â oder wolle.
Dabei geht es hier um weit mehr als nur um Geld. Es geht um die Frage, wer in Amerika eigentlich das Sagen hat. Die Verfassung ist da eigentlich eindeutig: Der Kongress kontrolliert die Staatsfinanzen. Doch Trump scheint entschlossen, diese lÀstige Gewaltenteilung zu umgehen, wann immer es ihm passt.
Widerstand formiert sich â aber reicht das?
Selbst aus den eigenen republikanischen Reihen regt sich Widerstand. Die Senatorin Susan Collins aus Maine nannte Trumps Vorgehen einen "klaren GesetzesverstoĂ" und erinnerte daran, dass die Verfassung dem Kongress die Kontrolle ĂŒber den Staatshaushalt zuweise. Der demokratische MinderheitsfĂŒhrer im Senat, Chuck Schumer, warnte vor einem "schmerzhaften und völlig unnötigen Regierungsstillstand", sollte Trump weiterhin versuchen, den Kongress zu umgehen.
Die Rechtsexpertin Eloise Pasachoff von der Georgetown University ist eindeutig: Das Gesetz erlaube solche Streichungen nur, wenn der Kongress innerhalb von 45 Tagen zustimme. Trumps einseitiges Vorgehen sei schlichtweg nicht rechtens. Doch wer will es wagen, dem PrÀsidenten in den Arm zu fallen?
Ein gefÀhrlicher PrÀzedenzfall
Was hier geschieht, ist mehr als nur ein Budgetstreit. Es ist ein frontaler Angriff auf die amerikanische Gewaltenteilung. Wenn der PrÀsident nach Belieben vom Kongress bewilligte Gelder blockieren kann, wozu braucht es dann noch eine Legislative? Die Trump-Administration hat bereits Bundesangestellte gefeuert, historische Zölle ohne Kongressbeteiligung verhÀngt und versucht nun, die UnabhÀngigkeit von Institutionen wie der Federal Reserve und den Centers for Disease Control zu untergraben.
Ein Regierungsmitarbeiter, der anonym bleiben wollte, weigerte sich zu sagen, wie oft die Administration dieses Instrument in Zukunft einsetzen könnte. Man sei zuversichtlich, eventuelle rechtliche Herausforderungen zu gewinnen. Diese Arroganz der Macht sollte jeden Demokraten â im Sinne der Staatsform, nicht der Partei â alarmieren.
Amerika zieht sich zurĂŒck
Die Streichung der Auslandshilfen fĂŒgt sich nahtlos in Trumps "America First"-Politik ein. Bereits im Februar hatte die Administration angekĂŒndigt, fast alle USAID-VertrĂ€ge zu beenden und insgesamt 60 Milliarden Dollar an Auslandshilfen zu streichen. WĂ€hrend China seinen globalen Einfluss systematisch ausbaut, zieht sich Amerika aus der Welt zurĂŒck â ein geopolitisches Eigentor sondergleichen.
Besonders zynisch: Gerade mal im Juli hatte der Kongress auf Trumps DrĂ€ngen hin bereits 9 Milliarden Dollar an KĂŒrzungen zugestimmt. Doch das reicht dem PrĂ€sidenten offenbar nicht. Er will mehr Macht, mehr Kontrolle, weniger lĂ€stige demokratische Prozesse.
Was bleibt, ist die bange Frage: Wenn ein PrĂ€sident ungestraft die Gewaltenteilung aushebeln kann, was kommt als NĂ€chstes? Die amerikanische Demokratie steht an einem Scheideweg. Entweder findet der Kongress â Republikaner wie Demokraten â den Mut, sich diesem Machtmissbrauch entgegenzustellen, oder Amerika verabschiedet sich schleichend von seinen demokratischen Grundprinzipien. Die GrĂŒndervĂ€ter wĂŒrden sich im Grabe umdrehen.
- Themen:
- #Steuern










