
TodesschĂŒsse beim Rave in Aarau: Polizei jagt Phantome

Eine 22-jĂ€hrige Italienerin ist tot, fĂŒnf Menschen wurden verletzt â darunter eine Deutsche. In der Nacht zum Sonntag fielen auf dem GelĂ€nde der Pferderennbahn im Aarauer Stadtteil Schachen zahlreiche SchĂŒsse. Die TĂ€ter sind bis heute unbekannt, das Motiv liegt völlig im Dunkeln.
Zwei Waffen, zwei Standorte, keine Spur
Die Fakten, die die Kantonspolizei Aargau bestĂ€tigt hat, sind dĂŒrr â und gerade deshalb beunruhigend. Geschossen wurde laut Polizeiangaben von zwei verschiedenen Orten auf dem Areal, gefunden wurden PatronenhĂŒlsen zweier unterschiedlicher Kaliber: Pistolenmunition sowie Munition einer Langwaffe, etwa eines Sturmgewehrs.
Ob ein einzelner SchĂŒtze zwei Waffen fĂŒhrte oder mehrere TĂ€ter beteiligt waren, lieĂen die Ermittler ausdrĂŒcklich offen. Die Behörden sprechen von einer âgrösseren Anzahl von SchĂŒssenâ. Medienberichten zufolge sollen die sichergestellten HĂŒlsen auf ein Sturmgewehr vom Typ AK-74 hindeuten â die kleinkalibrige Weiterentwicklung der berĂŒchtigten Kalaschnikow AK-47. Amtlich bestĂ€tigt ist diese Zuordnung bislang nicht.
Drei Hypothesen â und keine davon beruhigt
Kantonspolizei-Kommandant Michael Leupold nannte am Sonntagabend drei Arbeitsannahmen: Terroranschlag, Amoklauf oder eine kriminelle Tat, etwa eine Abrechnung im Milieu. Von den Opfern geht die Polizei bislang als Zufallsopfern aus.
Die Getötete, eine in der Schweiz wohnhafte 22-JÀhrige aus Italien, erlag ihren Verletzungen noch am Tatort. Vier Schweizer MÀnner und eine deutsche Staatsangehörige im Alter zwischen 24 und 31 Jahren kamen mit leichten bis schweren Verletzungen in SpitÀler. Lebensgefahr bestehe nach Polizeiangaben bei niemandem.
Die âAarau Rave VOL. 7â war zum Zeitpunkt der SchĂŒsse bereits beendet. Die Musik verstummte gegen 2.30 Uhr, nur noch rund hundert Menschen befanden sich auf dem GelĂ€nde. Ein Augenzeuge schilderte dem Regionalsender M1, man habe die KnallgerĂ€usche zunĂ€chst fĂŒr Feuerwerk gehalten â bis Umstehende riefen, es werde geschossen. Einige suchten Deckung hinter dem KĂŒhlschrank der Bar.
GroĂaufgebot bis ĂŒber die Grenze
Was danach folgte, war ein Aufgebot, wie es die beschauliche Schweiz selten sieht: nahezu alle verfĂŒgbaren Aargauer Polizisten, UnterstĂŒtzung aus anderen Kantonen, das Kantonale Katastrophen-Einsatzelement, die Sondereinheit Argus â und ein Super-Puma-Helikopter der Armee.
Auch die deutsche Polizei beteiligte sich an der Fahndung. Das PolizeiprĂ€sidium Freiburg bestĂ€tigte die Mitwirkung, bezeichnete sie jedoch als Routine im Rahmen der grenzĂŒberschreitenden Zusammenarbeit. Von Aarau bis zur deutschen Grenze sind es nach Polizeiangaben rund 40 Autominuten.
Italien reagierte umgehend: AuĂenminister Ignazio Cassis sprach seinem Amtskollegen Antonio Tajani telefonisch das Beileid aus, MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni kondolierte den Angehörigen. Rom entsandte Botschaftsvertreter und einen Verbindungsbeamten der Staatspolizei an den Tatort.
Was diese Tat ĂŒber Europas Sicherheit verrĂ€t
Spekulationen ĂŒber die TĂ€terschaft verbieten sich, solange die Ermittler selbst keine Erkenntnisse haben. Eines aber lĂ€sst sich schon jetzt festhalten â und das ist die EinschĂ€tzung unserer Redaktion: Wer in einem europĂ€ischen Kleinstadtidyll mit Kriegswaffen in eine Menschenmenge feuern kann, fĂŒhrt die Sicherheitsarchitektur des Kontinents vor.
Sturmgewehre gehören nicht in PrivathĂ€nde. Dass solche Waffen dennoch ĂŒber den Schwarzmarkt zirkulieren, ist seit Jahren bekannt â Kritiker mahnen seit Langem, dass verschĂ€rfte Waffengesetze fĂŒr rechtstreue BĂŒrger den illegalen Handel keinen Tag lang aufgehalten haben. FĂŒr die Angehörigen einer 22-JĂ€hrigen ist das ein bitterer Befund.
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