
Söders Kampfansage: Verbrenner-Verbot als industriepolitisches Harakiri Europas
Es ist ein Schauspiel, das man in der deutschen Politik leider allzu gut kennt: WĂ€hrend die Uhr tickt und eine wegweisende Abstimmung im EU-Rat nĂ€her rĂŒckt, ringt die Bundesregierung in Berlin um eine gemeinsame Position â und findet sie nicht. CSU-Chef Markus Söder hat nun bei einem Besuch im weltgröĂten BMW-Werk im amerikanischen Spartanburg die Tonlage verschĂ€rft und die SPD mit unmissverstĂ€ndlichen Worten unter Druck gesetzt.
Deutschland droht, sich selbst zu demontieren
Bayerns MinisterprĂ€sident fand drastische Worte fĂŒr das, was sich in Berlin abspielt. Eine deutsche Enthaltung bei der anstehenden EU-Abstimmung zum Verbrenner-Aus wĂ€re nichts weniger als eine âindustriepolitische BankrotterklĂ€rung", so Söder. Deutschland sei nach wie vor der wichtigste Automobilstandort Europas â und genau dieser Status stehe auf dem Spiel. Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen: Wer sich bei einer derart existenziellen Frage enthĂ€lt, der hat bereits verloren.
Die Ausgangslage ist dabei so vertrackt wie bezeichnend fĂŒr die Mechanismen der GroĂen Koalition. CDU und CSU lehnen die VorschlĂ€ge der EU-Kommission als unzureichend ab und fordern eine vollstĂ€ndige Technologieoffenheit â also die dauerhafte Zulassung von Hightech-Verbrennungsmotoren in der EU. Die SPD hingegen hat sich bislang nicht klar positioniert. Das Ergebnis dieser Uneinigkeit wĂ€re nach geltendem Verfahren eine Enthaltung Deutschlands. Und eine Enthaltung, das weiĂ jeder, der sich mit EU-Abstimmungsmechanismen auskennt, wirkt de facto wie eine Gegenstimme.
Die EU-Kommission rudert zurĂŒck â aber nicht weit genug
Immerhin hatte BrĂŒssel im Dezember vergangenen Jahres einen bemerkenswerten Kurswechsel vollzogen und vorgeschlagen, auch nach 2035 Neuwagen mit Verbrennungsmotor in der EU zuzulassen. Eine Abkehr vom ursprĂŒnglich ausgehandelten Verbrenner-Aus, die man durchaus als stilles EingestĂ€ndnis werten darf, dass die ideologiegetriebene Verkehrswende in ihrer radikalen Form gescheitert ist. Doch der Union gehen diese Detailregeln noch lange nicht weit genug â und das zu Recht.
Denn was nĂŒtzt eine halbherzige Lockerung, wenn gleichzeitig Flottenlimits und andere bĂŒrokratische Fesseln die Innovationskraft der europĂ€ischen Automobilindustrie weiterhin erdrosseln? Söder brachte es auf den Punkt: âEin Verbrennerverbot aufrechtzuerhalten, wird das gröĂte industriepolitische Eigentor der europĂ€ischen Geschichte." Ein Satz, der sitzt â und der die ganze Tragweite dieser Entscheidung offenlegt.
ArbeitsplĂ€tze, Zulieferer, Wohlstand â alles steht auf dem Spiel
Was viele BefĂŒrworter des Verbrenner-Aus in ihrer grĂŒnen Euphorie gerne ĂŒbersehen: Es geht hier nicht nur um die groĂen Automobilkonzerne. Es geht um ein ganzes Ăkosystem aus Zulieferern, MittelstĂ€ndlern und Handwerksbetrieben, die am Verbrennungsmotor hĂ€ngen. Hunderttausende ArbeitsplĂ€tze stehen auf dem Spiel â in Bayern, in Baden-WĂŒrttemberg, in Niedersachsen, ĂŒberall dort, wo das industrielle Herz Deutschlands noch schlĂ€gt. Söder warnte eindringlich vor den Konsequenzen und kĂŒndigte an, die Union werde sich in den kommenden Wochen als âPartner und Anwalt" der Automobilbranche einsetzen.
Besonders pikant ist dabei der geopolitische Kontext. WĂ€hrend Europa sich selbst mit ideologischen Verboten knebelt, rĂŒsten chinesische Hersteller massiv auf â nicht nur bei Elektrofahrzeugen, sondern zunehmend auch bei konventionellen Antrieben fĂŒr SchwellenlĂ€nder. Wer den europĂ€ischen Herstellern die HĂ€nde bindet, der schenkt Peking ganze MĂ€rkte auf dem Silbertablett. Eine strategische Dummheit sondergleichen.
Auch Trumps Zollpolitik im Visier
Söder nutzte seinen Besuch in South Carolina auch, um gemeinsam mit dem designierten BMW-Chef Milan NedeljkoviÄ die aggressive Zollpolitik der Trump-Administration zu kritisieren. Die 25 Prozent Zölle auf Automobilimporte, die Washington verhĂ€ngt hat, treffen deutsche Premiumhersteller empfindlich. Protektionismus sei grundsĂ€tzlich schlecht fĂŒr den Handel, betonte Söder. Als Exportnation brauche Deutschland freien Handel â eine Binsenweisheit, die man in Washington offenbar nicht mehr hören möchte.
Doch so berechtigt die Kritik an den US-Zöllen auch sein mag â das eigentliche Versagen findet in Europa statt. Es ist geradezu grotesk, dass Deutschland, die fĂŒhrende Automobilnation des Kontinents, nicht in der Lage ist, bei einer derart fundamentalen Weichenstellung mit einer Stimme zu sprechen. Die finale Abstimmung im EU-Rat steht im Juni an. Bis dahin muss die Bundesregierung ihre internen GrabenkĂ€mpfe beilegen â oder sie wird als Zuschauerin dabei zusehen, wie andere ĂŒber die Zukunft der deutschen SchlĂŒsselindustrie entscheiden.
Friedrich Merz, der als Bundeskanzler einst versprach, die Wirtschaft wieder in den Mittelpunkt zu rĂŒcken, steht nun vor einer BewĂ€hrungsprobe. Wird er seinen Koalitionspartner SPD auf Linie bringen können? Oder wird die GroĂe Koalition einmal mehr beweisen, dass sie in entscheidenden Momenten zur HandlungsunfĂ€higkeit verdammt ist? Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Deutschland noch den Willen hat, seinen industriellen Wohlstand zu verteidigen â oder ob es ihn auf dem Altar einer verfehlten Klimapolitik opfert.










