Kettner Edelmetalle
25.02.2026
20:46 Uhr

Selenskyjs Pipeline-Blockade: Wenn der Bittsteller den Geldgebern die Bedingungen diktiert

Es ist ein Schauspiel, das man sich kaum ausdenken könnte – und doch spielt es sich genau so ab, mitten in Europa, auf Kosten der europäischen Steuerzahler. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj weigert sich, die für die Energieversorgung mehrerer EU-Staaten essenzielle Druschba-Ölpipeline reparieren zu lassen. Sein lakonischer Kommentar auf einer Pressekonferenz in Kiew, flankiert von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa: „Wozu reparieren?"

Man muss sich diese Szene auf der Zunge zergehen lassen. Ein Land, das Milliarden an europäischen Hilfsgeldern empfängt, das ohne westliche Waffenlieferungen und Finanztransfers kaum überlebensfähig wäre, erklärt seinen Geldgebern mit entwaffnender Chuzpe, dass es deren Energieinteressen schlicht für nachrangig hält. Selenskyj begründete seine Haltung damit, dass russische Truppen gezielt Reparaturtrupps angreifen würden und Menschenleben nicht aufs Spiel gesetzt werden dürften. Ein nachvollziehbares Argument – auf den ersten Blick. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich ein Muster, das mittlerweile zum Markenzeichen der ukrainischen Verhandlungsführung geworden ist.

Die Druschba-Pipeline: Lebensader für Mitteleuropa

Die Druschba-Pipeline – auf Deutsch „Freundschaft" – ist eines der ältesten und längsten Pipelinesysteme der Welt. Seit den 1960er Jahren transportiert sie russisches Rohöl durch die Ukraine nach Mitteleuropa. Ungarn, die Slowakei und Tschechien sind in erheblichem Maße von diesen Lieferungen abhängig. Seit einem Drohnenangriff auf Energieanlagen in der westukrainischen Stadt Brody Ende Januar sei der Transit unterbrochen. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten.

Ungarn blockierte daraufhin einen 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU an die Ukraine sowie Diesellieferungen. Auch die Slowakei reagierte mit der Unterbrechung von Dieselexporten in die Ukraine. Ministerpräsident Viktor Orbán, ohnehin seit Jahren im Dauerkonflikt mit Brüssel, sah sich in seiner skeptischen Haltung gegenüber der bedingungslosen Ukraine-Unterstützung bestätigt. Selenskyj empfahl ihm kühl, er solle sich doch beim Kreml um eine „Energiewaffenruhe" bemühen.

Von der Leyens Drohgebärden gegen das eigene Mitgliedsland

Besonders bemerkenswert ist die Reaktion der EU-Kommissionspräsidentin. Statt den ukrainischen Präsidenten unmissverständlich in die Pflicht zu nehmen, richtete von der Leyen ihre Drohungen gegen das eigene EU-Mitglied Ungarn. Sie kündigte an, die von Budapest blockierte Absicherung des Darlehens über den EU-Haushalt notfalls zu umgehen. Wörtlich sagte sie: Man werde den Kredit „so oder so bereitstellen" und habe „verschiedene Optionen".

Hier zeigt sich ein fundamentales Problem der europäischen Politik in erschreckender Deutlichkeit. Ein EU-Mitgliedstaat, der seine legitimen Energieinteressen verteidigt, wird unter Druck gesetzt und an den Pranger gestellt. Ein Nicht-Mitglied hingegen, das Milliarden an Hilfsgeldern empfängt und gleichzeitig die Energieversorgung eben jener Staaten torpediert, die es finanzieren, wird mit Samthandschuhen angefasst. Man fragt sich unwillkürlich: Wer regiert hier eigentlich wen?

Das Muster der Undankbarkeit

Selenskyj verwies darauf, dass Russland die Pipeline mehrfach zerstört habe. Es könne nicht sein, „dass Russland etwas zerstört und die Ukraine es dann repariert". Dieser Satz klingt zunächst einleuchtend. Doch er verschleiert eine unbequeme Wahrheit: Die Ukraine hat in der Vergangenheit wiederholt Energieinfrastruktur als politisches Druckmittel eingesetzt. Man erinnere sich nur an die Gastransitstreitigkeiten der Jahre 2006 und 2009, als Kiew den Gashahn zudrehte und halb Europa fror.

Die europäischen Steuerzahler – allen voran die deutschen – haben seit Beginn des Konflikts astronomische Summen in die Ukraine gepumpt. Waffenlieferungen, humanitäre Hilfe, Wiederaufbaugelder, Energiesubventionen. Und was bekommen sie dafür? Einen Präsidenten, der auf die Frage nach der Reparatur einer für Europa lebenswichtigen Pipeline achselzuckend antwortet: „Wozu?"

Kroatien als Notlösung – Europa improvisiert

Von der Leyen dankte immerhin Kroatiens Ministerpräsident Andrej Plenković für dessen Bemühungen, den Öltransport über die Adria-Pipeline abzusichern und auszubauen. Eine Notlösung, die das eigentliche Problem nicht löst, sondern nur kaschiert. Europa stolpert von einer energiepolitischen Improvisation zur nächsten – und das, obwohl man nach der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines eigentlich hätte gewarnt sein müssen.

Die Abhängigkeit von einzelnen Transitländern und deren politischem Wohlwollen ist ein strukturelles Versagen europäischer Energiepolitik, das sich über Jahrzehnte aufgebaut hat. Statt in Diversifizierung und eigene Energiesouveränität zu investieren, hat man sich sehenden Auges in eine Sackgasse manövriert. Die ideologisch getriebene Energiewende, der überstürzte Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland und die naive Annahme, geopolitische Konflikte würden die Energieversorgung schon nicht tangieren – all das rächt sich nun bitter.

Die Frage, die niemand stellt

Die eigentlich entscheidende Frage in dieser ganzen Debatte traut sich kaum jemand zu stellen: Wie lange kann und will sich Europa diese bedingungslose Unterstützung noch leisten? Die Bürger in Deutschland, Frankreich und anderswo kämpfen mit steigenden Energiepreisen, galoppierender Inflation und einer schleichenden Deindustrialisierung. Und während sie den Gürtel enger schnallen, erklärt der Empfänger ihrer Steuergelder, dass er deren Energieversorgung für nebensächlich hält.

Es wäre an der Zeit, dass die europäische Politik – und insbesondere die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz – eine nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse dieser Beziehung vornimmt. Solidarität ist keine Einbahnstraße. Und wer Milliarden empfängt, sollte zumindest den Anstand besitzen, die grundlegenden Interessen seiner Geldgeber nicht mit einem verächtlichen „Wozu?" abzutun.

In Zeiten wie diesen, in denen geopolitische Verwerfungen die Weltwirtschaft erschüttern und die Energieversorgung ganzer Kontinente auf dem Spiel steht, zeigt sich einmal mehr der Wert krisenfester Anlagen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrtausende als verlässlicher Wertspeicher bewährt – unabhängig von Pipelines, politischen Launen und den Machtspielen einzelner Staatschefs.

Wissenswertes zum Thema