
Rekord-Waffendeal mit Taiwan wackelt: Trump knickt vor Pekings DrohgebÀrden ein
Was ist das Versprechen eines amerikanischen PrĂ€sidenten wert, wenn ein Telefonat mit Xi Jinping genĂŒgt, um milliardenschwere Sicherheitszusagen ins Wanken zu bringen? Diese Frage drĂ€ngt sich auf, nachdem bekannt wurde, dass ein historisches Waffenpaket im Wert von 11,1 Milliarden US-Dollar fĂŒr Taiwan offenbar auf Eis liegt â und zwar nicht wegen technischer HĂŒrden, sondern wegen diplomatischer RĂŒcksichtnahme auf Peking.
Xis rote Linien und Trumps Balanceakt
Bereits wĂ€hrend eines Telefonats am 4. Februar hatte Chinas Staatschef Xi Jinping unmissverstĂ€ndlich klargemacht, wo fĂŒr Peking die Schmerzgrenze verlĂ€uft. Taiwan sei âdie wichtigste Frage in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen", so Xi. China werde es niemals zulassen, dass Taiwan von China abgetrennt werde. Worte, die in Washington offenbar nicht ungehört verhallten â ganz im Gegenteil.
Denn wie nun berichtet wird, schwanken Trumps Berater bei der Entscheidung ĂŒber das im Dezember vergangenen Jahres angekĂŒndigte Waffenpaket hin und her. Ein US-Beamter, der mit den Details des RĂŒstungsgeschĂ€fts vertraut sei, betonte zwar, Trump lasse sich von China nicht herumschubsen. Doch die RealitĂ€t zeichnet ein anderes Bild. Der PrĂ€sident wolle den mĂŒhsam ausgehandelten Handelswaffenstillstand mit Xi bewahren, hieĂ es aus Regierungskreisen. Das Timing einer Entscheidung ĂŒber die Waffenlieferungen werde daher hinter verschlossenen TĂŒren Ă€uĂerst sorgfĂ€ltig abgewogen.
Sojahandel statt Sicherheitsgarantien?
Der eigentliche Skandal liegt im Subtext dieser Entwicklung. WĂ€hrend Taiwan auf dringend benötigte Patriot-Abfangraketen und andere Waffensysteme wartet, scheint Washington lieber ĂŒber Sojabohnen zu verhandeln. Trump selbst bezeichnete seine GesprĂ€che mit Xi als âsehr positiv" und verkĂŒndete stolz, China erwĂ€ge, seine SojabohnenkĂ€ufe von 12 auf 20 Millionen Tonnen zu erhöhen. Die Sojabohnen-Futures stiegen prompt. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Werden hier die Sicherheitsinteressen eines demokratischen Partners gegen Agrarexporte aufgewogen?
Der US-Kongress wurde bislang nicht offiziell ĂŒber neue WaffenverkĂ€ufe informiert, obwohl dies lĂ€ngst erwartet worden war. Ein Kongressmitarbeiter bestĂ€tigte, dass das Paket unter anderem Patriot-Raketenabwehrsysteme hĂ€tte umfassen sollen. Stattdessen herrscht nun diplomatisches Schweigen.
Trumps geplanter Peking-Besuch als Druckmittel
Im Kern geht es um Trumps mit Spannung erwarteten China-Besuch, der fĂŒr April geplant war. Der PrĂ€sident wolle Peking schlicht nicht verĂ€rgern, um dieses Treffen nicht zu gefĂ€hrden, so die EinschĂ€tzung informierter Kreise. Auf die direkte Frage von Journalisten zum Taiwan-WaffengeschĂ€ft antwortete Trump vielsagend ausweichend: âIch spreche mit ihm darĂŒber. Wir hatten ein gutes GesprĂ€ch und werden ziemlich bald eine Entscheidung treffen." Und fĂŒgte hinzu: âWir haben eine sehr gute Beziehung zu PrĂ€sident Xi."
Ein gefÀhrliches Signal an die Welt
Was hier geschieht, sollte auch in Europa â und insbesondere in Deutschland â aufmerksam verfolgt werden. Wenn die Vereinigten Staaten bereit sind, zugesagte Waffenlieferungen an einen demokratischen Partner auf Druck einer autoritĂ€ren GroĂmacht zu verzögern oder gar zu blockieren, dann hat das weitreichende Konsequenzen fĂŒr die gesamte westliche Sicherheitsarchitektur. Wer garantiert, dass Ă€hnliche ZugestĂ€ndnisse nicht auch gegenĂŒber anderen VerbĂŒndeten gemacht werden?
FĂŒr Deutschland, das sich unter der neuen Regierung von Friedrich Merz gerade erst mĂŒhsam um eine realistischere Sicherheitspolitik bemĂŒht, ist diese Entwicklung ein Weckruf. Die AbhĂ€ngigkeit von amerikanischen Sicherheitsgarantien war schon immer ein zweischneidiges Schwert. Doch wenn Washington seine Zusagen je nach geopolitischer Wetterlage beliebig verschiebt, wird die Notwendigkeit europĂ€ischer EigenstĂ€ndigkeit in Verteidigungsfragen umso drĂ€ngender.
Die Taiwanfrage ist kein abstraktes geopolitisches Planspiel. Sie ist der Lackmustest dafĂŒr, ob der Westen bereit ist, seine Werte auch dann zu verteidigen, wenn der wirtschaftliche Preis dafĂŒr unbequem wird. Derzeit sieht es so aus, als wĂŒrde man in Washington lieber den bequemen Weg wĂ€hlen â und Sojabohnen-Futures den Vorzug vor Sicherheitsprinzipien geben. Ein Armutszeugnis, das in Taipeh, aber auch in Berlin, Tokio und Seoul mit Sorge registriert werden dĂŒrfte.










