Kettner Edelmetalle
09.04.2026
05:12 Uhr

Putins Trumpfkarte: Wie der Iran-Krieg Russland zum lachenden Dritten macht

WĂ€hrend die Welt gebannt auf die Explosionen am Persischen Golf starrt, reibt sich ein Mann im Kreml die HĂ€nde. Wladimir Putin, der noch vor wenigen Monaten unter dem Druck westlicher Sanktionen und chinesischer Preisdiktate Ă€chzte, erlebt eine geopolitische Wende, die ihm kein Stratege hĂ€tte besser inszenieren können. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die globalen EnergiemĂ€rkte in ein Chaos gestĂŒrzt – und Russland sitzt plötzlich wieder am lĂ€ngeren Hebel.

Vom Bittsteller zum Preisgestalter

Die Ironie der Geschichte könnte kaum bitterer sein. Noch im Februar 2026, kurz vor Beginn der Angriffe auf den Iran, musste Russland sein Öl mit einem Abschlag von zwölf Euro pro Barrel unter dem Brent-Marktpreis an China verscherbeln. Peking hatte die AbhĂ€ngigkeit Moskaus gnadenlos ausgenutzt. Es waren hĂ€ufig nicht einmal die großen staatlichen Raffinerien, die sich trauten, russisches Öl abzunehmen – zu groß war die Angst vor westlichen Sanktionen. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Mit dem Wegfall iranischer Öllieferungen und der Blockade der Straße von Hormus hat sich das Blatt dramatisch gewendet. China, das tĂ€glich ĂŒber 16 Millionen Barrel Öl verbraucht, aber nur gut fĂŒnf Millionen selbst fördert, steht plötzlich vor einem gewaltigen Versorgungsproblem. Die Angst vor Ölknappheit in Peking ist Putins beste Verhandlungswaffe. Dass Donald Trump die Sanktionen gegen Russland vorĂŒbergehend selbst aufgehoben hat, macht die Sache fĂŒr den Kreml noch komfortabler. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass China kĂŒnftig noch einmal bereit wĂ€re, seine Einfuhren aus dem Nachbarland zu drosseln.

Die Pipeline-Diplomatie nimmt Fahrt auf

Im Gassektor zeichnet sich eine noch tiefgreifendere Verschiebung ab. Seit 2019 liefert die Pipeline „Sila Sibiri" – die Kraft Sibiriens – russisches Gas nach China. Eine zweite Pipeline war seit 2020 geplant, doch Unstimmigkeiten ĂŒber die Finanzierung hatten das Megaprojekt jahrelang blockiert. Im September 2025 unterzeichneten beide Regierungen schließlich ein Memorandum zum Bau. Die aktuelle Energiekrise dĂŒrfte dieses Vorhaben nun massiv beschleunigen. FĂŒr China, das ohnehin steigende Gasimporte benötigt und teures FlĂŒssiggas durch gĂŒnstigeres Pipelinegas ersetzen möchte, ist das Projekt attraktiver denn je.

Indien: Der unterschÀtzte Partner

Doch nicht nur China rĂŒckt nĂ€her an Moskau. Indien, das knapp die HĂ€lfte seines Öls ĂŒber die Straße von Hormus bezog, wurde vom Ausfall der Lieferungen aus dem Nahen Osten schwer getroffen. Die Preise fĂŒr Kochgas – in einem Land, in dem Millionen Restaurants davon abhĂ€ngen – sind derart gestiegen, dass viele Betriebe ihre Speisekarten kĂŒrzen oder gleich ganz schließen mussten.

Was im Westen gerne ĂŒbersehen wird: Indien und Russland verbindet eine jahrzehntelange strategische Partnerschaft, die bis in die Zeiten der Sowjetunion zurĂŒckreicht. Beim Indien-Russland-Gipfel im Dezember 2025 vereinbarten Putin und Premierminister Modi eine noch engere wirtschaftliche Kooperation mit dem Ziel, das Handelsvolumen bis 2030 auf 100 Milliarden Dollar zu steigern. Putin habe dabei betont, dass Russland bereit sei, „die kontinuierlichen Öllieferungen fĂŒr die schnell wachsende indische Wirtschaft fortzusetzen". Die gemeinsame Mitgliedschaft in den BRICS-Staaten gibt dieser Zusammenarbeit einen institutionellen Rahmen, der sie gegen Ă€ußeren Druck absichert.

Das Image der Golfstaaten und der USA als zuverlÀssige Energielieferanten ist erheblich angeschlagen. Die indisch-russische Energieachse erscheint vitaler denn je.

Deutschlands selbstverschuldete Energiemisere

Und Europa? Deutschland? Hier offenbart sich das ganze Ausmaß einer ideologiegetriebenen Energiepolitik, die man nur als historisches Versagen bezeichnen kann. WĂ€hrend Indien und China ihre Energiepolitik kĂŒhl an nationalen Interessen ausrichten, hat sich Deutschland systematisch seiner Handlungsoptionen beraubt. Der Ausstieg aus der Atomkraft, der geplante Kohleausstieg bis 2038, die ĂŒberstĂŒrzte Abkehr von russischem Gas – all das hat den Spielraum der Bundesrepublik auf ein Minimum reduziert.

Man muss sich das einmal vor Augen fĂŒhren: Seit den 1970er-Jahren wurde Deutschland von der Sowjetunion und spĂ€ter von Russland zuverlĂ€ssig und zu gĂŒnstigen Preisen mit Erdgas beliefert. Dann kam der Ukraine-Krieg, und der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck von den GrĂŒnen verkĂŒndete im MĂ€rz 2022, dass die Bundesrepublik bis Ende 2022 kein Öl und bis Mitte 2024 kein Gas mehr aus Russland beziehen wolle. Was ethisch nachvollziehbar gewesen sein mag, war energiepolitisch ein schwerer Fehler – einer, dessen Konsequenzen wir heute in voller HĂ€rte spĂŒren.

Denn die russische Seite hatte nach diesem Beschluss keinerlei Interesse mehr an einer verlĂ€sslichen Versorgung Deutschlands. In Asien warteten zahlungskrĂ€ftige Kunden, die zudem langfristige VertrĂ€ge abschließen wollten – Planungssicherheit, die jeder GasverkĂ€ufer zu schĂ€tzen weiß. Über 20 Sanktionspakete hat die EU seither gegen Russland verhĂ€ngt. Den Kreml zu einer VerhaltensĂ€nderung gebracht haben sie nicht. Stattdessen haben nicht wenige Experten recht behalten, die warnten, dass die Sanktionen der deutschen und europĂ€ischen Wirtschaft mehr schaden wĂŒrden als dem russischen Energiesektor.

Ein ZurĂŒck ist kaum möglich – aber ein Teilweg wĂ€re denkbar

Eine RĂŒckkehr zu russischem Gas im Umfang von ĂŒber 50 Prozent aller deutschen Gasimporte, wie noch 2020, erscheint unrealistisch. Doch eine ErgĂ€nzung durch russische Lieferungen im Umfang von zehn bis 15 Prozent wĂ€re zur Diversifizierung durchaus vorstellbar. Allerdings mĂŒsste dazu der von der EU verhĂ€ngte Ausstiegsbeschluss zurĂŒckgenommen oder zumindest ein Moratorium verhĂ€ngt werden. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz lehnt dies derzeit ab. Sollte die fragile Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran jedoch keinen Bestand haben, dĂŒrfte diese Diskussion mit Nachdruck wieder aufflammen.

Beim Erdöl hat Deutschland den Abschied von russischen Lieferungen bereits vollzogen. Norwegen, die USA, Nigeria und Libyen sind die wichtigsten Lieferanten. Irak und Saudi-Arabien stehen nur fĂŒr etwa zehn Prozent der Einfuhren. Bislang hat Deutschland eher ein massives Preis- als ein Versorgungsproblem. Doch eine Fortsetzung des Krieges am Golf könnte auch das Ă€ndern.

Der Globale SĂŒden am Rande des Abgrunds

Die Energiekrise trifft die Ă€rmsten LĂ€nder der Welt am hĂ€rtesten. In Nordafrika rechnen Staaten wie Tunesien und Marokko mit deutlich niedrigeren Wachstumsraten. Besonders gefĂ€hrdet seien LĂ€nder wie Pakistan und Ägypten mit geringen Reserven und schwacher WĂ€hrung. In SĂŒdafrika hat die Regierung zum 1. April Preiserhöhungen fĂŒr Benzin und Diesel um 20 bis 30 Prozent beschlossen. StaatsprĂ€sident Ramaphosa nannte den Angriff auf den Iran „einen Akt imperialistischer Aggression, der die gesamte Weltwirtschaft und internationale Sicherheit erheblich gefĂ€hrdet".

WĂ€hrend der internationale Standard bei Ölreserven laut der Internationalen Energieagentur bei etwa 90 Tagen liegt, verfĂŒgen die meisten afrikanischen LĂ€nder nur ĂŒber Reserven fĂŒr 20 bis 25 Tage. Russische Öllieferungen an Drittstaaten – die Philippinen haben bereits 2,5 Millionen Barrel gekauft, Thailand, Vietnam und Indonesien haben starkes Interesse bekundet – tragen dazu bei, die fragile Lage in diesen Regionen zu stabilisieren. Selbst EU-Staaten, die kein russisches Öl mehr beziehen, dĂŒrften verstĂ€rkte russische Lieferungen in Drittstaaten insgeheim begrĂŒĂŸen.

Die bittere Lektion

Was bleibt als Fazit? Die deutsche Energiepolitik der vergangenen Jahre war ein LehrstĂŒck darin, wie man sich durch ideologische Scheuklappen und moralischen Übereifer selbst in eine Sackgasse manövriert. WĂ€hrend Russland seine Verhandlungsposition ausbaut, neue Allianzen schmiedet und Milliarden an Zusatzgewinnen einstreicht, steht Europa mit leeren HĂ€nden da. Die Dunkelflauten – jene Phasen, in denen weder Wind weht noch Sonne scheint – lassen sich eben nicht mit guten Absichten ĂŒberbrĂŒcken, sondern nur mit verlĂ€sslichen Energiequellen. Und davon hat sich Deutschland gleich mehrere auf einmal abgeschnitten.

In Zeiten derartiger geopolitischer Verwerfungen und explodierender Energiepreise zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine solide Vermögenssicherung ist. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrhunderte als Schutz gegen Inflation, WĂ€hrungsverfall und geopolitische Krisen bewĂ€hrt. Wer sein Portfolio mit realen Werten absichert, steht in stĂŒrmischen Zeiten deutlich stabiler da als jene, die allein auf volatile Papierwerte setzen.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfĂ€ltiger Recherche getroffen werden. Wir ĂŒbernehmen keine Haftung fĂŒr finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden.

Wissenswertes zum Thema