
Pflegeversicherung soll teurer werden â was funktioniert eigentlich noch?
Gesundheitsminister Karl Lauterbach beteuert, die Pflegeversicherung sei nicht pleite, die Einnahmen nur âunbefriedigendâ. Diese Aussage erinnert an die FormulierungskĂŒnste von Robert Habeck, der Ă€hnliche Wortspiele bei der Diskussion um drohende Insolvenzen verwendete.
Mit der Anhebung der Löhne fĂŒr PflegekrĂ€fte auf Tarifniveau jubelte der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ĂŒber das neue Gesetz (GVWG) von 2021. Es sollte den Pflegeberuf attraktiver machen und PflegebedĂŒrftige sowie ihre Familien entlasten. Doch das Gegenteil trat ein: Die Kosten blieben einseitig auf den Patienten und ihren Angehörigen lasten. Die Zuzahlungen wurden schlichtweg zu hoch, sodass viele sich die Pflege nicht mehr leisten konnten.
Pflegeversicherung im Februar pleite? Lauterbach verneint
Nun gerĂ€t Lauterbach erneut in ErklĂ€rungsnöte. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland vermeldete, dass die Pflegeversicherung schon im Februar pleite sein könnte. Grund seien unter anderem nicht erstattete Kosten aus der Corona-Pandemie, wie etwa fĂŒr Corona-Tests und Boni fĂŒr das Personal in Höhe von sechs Milliarden Euro.
Der Gesundheitsminister bestritt jedoch vehement die drohende Insolvenz und versicherte, die Bundesregierung werde die versprochenen Gelder bereitstellen. Die Einnahmenseite sei derzeit unbefriedigend, was Lauterbach mit der âschlechten konjunkturellen Entwicklungâ erklĂ€rte. Diese Aussagen erinnern stark an die Wortspiele von Wirtschaftsminister Robert Habeck, der Insolvenzen durch gestiegene Energiepreise herunterspielte.
Was ist eine Pflegeversicherung wert, die viel zu wenig zahlt?
Die Pflegeversicherung in Deutschland ist lediglich eine Teilkaskoversicherung. Im Pflegefall deckt sie nur einen kleinen Teil der tatsĂ€chlichen Kosten ab. Den Rest mĂŒssen die Patienten oder ihre Angehörigen selbst tragen. Die Zuzahlung fĂŒr ein Pflegeheim kostet im Schnitt knapp 3000 Euro im Monat pro Patient, und auch die hĂ€usliche Pflege ist oft nicht gĂŒnstiger.
Die Ausweitung der Pflegeversicherung auf eine Vollversicherung wird seit Jahren von Experten gefordert, da immer mehr Patienten durch die steigenden Pflegekosten in finanzielle Not geraten. Doch die Politik bleibt seit Jahrzehnten planlos in Fragen der Pflege.
Immer weniger Leistung, immer höhere Preise?
Hinzu kommt der sich seit Jahrzehnten vergröĂernde Pflegenotstand. Angehörige sehen sich dem Dilemma gegenĂŒber, dass die Pflege in Einrichtungen kaum zu bewĂ€ltigen ist, obwohl dafĂŒr tausende Euro monatlich privat zugezahlt werden mĂŒssen. Kein Wunder, dass mittlerweile fast 85 Prozent der PflegebedĂŒrftigen zuhause gepflegt werden, die meisten von ihren Angehörigen.
Die Politik mutet dieses Desaster den Patienten zu, obwohl die DaseinsfĂŒrsorge zu den staatlichen Leistungen zĂ€hlt. Und wenn nun die SozialbeitrĂ€ge in einem AusmaĂ erhöht werden könnten, wie seit ĂŒber 20 Jahren nicht mehr, dann kann man der Regierung nur attestieren: Mutig! FĂŒr so wenig Leistung die Preise immer weiter zu erhöhen, das muss man sich auch erst mal trauen.
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