Kettner Edelmetalle
25.02.2026
08:38 Uhr

Peru versinkt im politischen Chaos: Vierte Regierungschefin in wenigen Monaten vereidigt

Wer in Deutschland ĂŒber politische InstabilitĂ€t klagt, der sollte einen Blick nach SĂŒdamerika werfen. Peru, einst stolzer Andenstaat mit reicher Geschichte, taumelt von einer Regierungskrise in die nĂ€chste – und das in einem Tempo, das selbst erfahrene Beobachter schwindelig macht. Der frisch ins Amt gehievte ÜbergangsprĂ€sident JosĂ© MarĂ­a BalcĂĄzar hat nun die 49-jĂ€hrige Ökonomin Denisse Miralles zur neuen Regierungschefin ernannt. Eine Überraschung, die kaum jemand auf dem Zettel hatte.

Korruption als Dauerzustand

Miralles, die unter dem gerade erst abgesetzten VorgĂ€nger JosĂ© JerĂ­ als Wirtschaftsministerin gedient hatte, wurde im Regierungspalast von Lima vereidigt. Pikant dabei: Noch wenige Tage zuvor hatte BalcĂĄzar öffentlich angekĂŒndigt, den bekannten ehemaligen PrĂ€sidentschaftskandidaten Hernando de Soto zum Regierungschef machen zu wollen. Doch offenbar Ă€nderten sich die PlĂ€ne ĂŒber Nacht – in Peru mittlerweile keine Seltenheit mehr.

Sechs weitere Minister der vorherigen Regierung dĂŒrfen ihre Posten behalten. Das PrĂ€sidialamt erklĂ€rte, das Land brauche eine „entschlossene WirtschaftsfĂŒhrung" und einen „kompromisslosen Kampf gegen das organisierte Verbrechen". Schöne Worte, gewiss. Doch wie viel davon tatsĂ€chlich in die Tat umgesetzt wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Ein 83-JĂ€hriger als Übergangslösung

Der Hintergrund dieser jĂŒngsten Personalrochade liest sich wie ein politischer Krimi. BalcĂĄzar, ein 83-jĂ€hriger Rechtsanwalt und ehemaliger Richter, war am 18. Februar vom Parlament zum neuen ParlamentsprĂ€sidenten gewĂ€hlt worden, nachdem sein VorgĂ€nger JerĂ­ wegen des Verdachts der Korruption abgesetzt worden war. JerĂ­ soll sich heimlich mit einem chinesischen Unternehmer getroffen haben – ein Vorgang, der in Zeiten wachsender geopolitischer Spannungen zwischen dem Westen und Peking besonders brisant erscheint.

Dass ausgerechnet chinesische Einflussnahme in SĂŒdamerika eine Rolle spielt, sollte auch europĂ€ische Beobachter aufhorchen lassen. WĂ€hrend Bundeskanzler Merz gerade in China „großes Potenzial" in den bilateralen Beziehungen sieht, zeigt der Fall Peru eindrĂŒcklich, wie Pekings wirtschaftliche Tentakel bis in die höchsten Regierungsebenen fremder Staaten reichen können.

RekordverdÀchtige InstabilitÀt

Die Zahlen sprechen eine erschreckende Sprache: Vier der letzten sieben peruanischen PrĂ€sidenten wurden ihres Amtes enthoben. Zwei weitere traten zurĂŒck, um einer Amtsenthebung zuvorzukommen. Nur ein einziger schaffte es, seine gesamte Amtszeit zu ĂŒberstehen. Das ist kein politischer Betrieb mehr – das ist ein DrehtĂŒr-System, bei dem StabilitĂ€t zum Fremdwort geworden ist.

Am 12. April stehen nun PrĂ€sidentschafts- und Parlamentswahlen an. Sage und schreibe 36 Kandidaten bewerben sich um das höchste Amt im Staat. In den kommenden Tagen sollen sie in einer beispiellosen Serie von Fernsehdebatten auftreten. Die schiere Zahl der Bewerber spiegelt die extreme Fragmentierung der politischen Landschaft wider – ein PhĂ€nomen, das auch in Europa zunehmend zu beobachten ist, wenngleich in deutlich abgemilderter Form.

Ein mahnendes Beispiel

Was Peru durchlebt, ist letztlich die Konsequenz jahrzehntelanger institutioneller Erosion, grassierender Korruption und einer politischen Klasse, die sich mehr um den eigenen Machterhalt als um das Wohl der Bevölkerung schert. Am 28. Juli soll ein neuer, demokratisch gewÀhlter PrÀsident sein Amt antreten. Ob dieser dann lÀnger durchhÀlt als seine VorgÀnger, darf bezweifelt werden.

FĂŒr Deutschland bleibt die Lehre: Politische StabilitĂ€t ist kein SelbstlĂ€ufer. Sie erfordert Institutionen, die funktionieren, Politiker, die Verantwortung ĂŒbernehmen, und eine Gesellschaft, die Korruption und Machtmissbrauch nicht toleriert. Wer glaubt, solche ZustĂ€nde könnten nur in fernen LĂ€ndern auftreten, der unterschĂ€tzt die FragilitĂ€t demokratischer Ordnungen gewaltig.

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