Kettner Edelmetalle
02.05.2026
15:59 Uhr

Pekings langer Arm reicht bis nach Afrika: Taiwans PrÀsident trotzt chinesischem Druck

Pekings langer Arm reicht bis nach Afrika: Taiwans PrÀsident trotzt chinesischem Druck

Es ist eine Szene, die mehr ĂŒber die geopolitische RealitĂ€t des 21. Jahrhunderts verrĂ€t als jede Sonntagsrede in BrĂŒssel oder Berlin: Taiwans PrĂ€sident Lai Ching-te musste seine Reise in das kleine afrikanische Königreich Eswatini wie eine konspirative Geheimoperation organisieren. Tagelange verdeckte Vorbereitungen, mehrere Teams im Hintergrund – und das alles, weil das kommunistische Regime in Peking offenbar in der Lage ist, halbe Kontinente unter Druck zu setzen, damit ein demokratisch gewĂ€hlter Staatschef nicht einmal ĂŒber deren Hoheitsgebiet fliegen darf.

Eine Reise wie ein Spionagethriller

Wie Lai am Samstag auf Facebook mitteilte, sei er „nach Tagen geheimer Vorbereitungen" erfolgreich in Eswatini eingetroffen. Der ursprĂŒngliche Termin im April hatte platzen mĂŒssen, weil gleich mehrere LĂ€nder – die Seychellen, Mauritius und Madagaskar – ihre bereits erteilten Überfluggenehmigungen plötzlich und ohne Vorwarnung zurĂŒckgezogen hĂ€tten. Lai selbst wurde deutlich: Der wahre Grund seien massiver Druck und wirtschaftlicher Zwang aus Peking gewesen.

Man stelle sich das einmal vor: Ein souverĂ€ner Staatschef wird de facto am Reisen gehindert, weil eine kommunistische Diktatur tausende Kilometer entfernt mit dem Finger schnippt. Wer immer noch glaubt, China sei lediglich ein wirtschaftlicher Partner unter vielen, dem dĂŒrfte spĂ€testens jetzt der kalte Atem der RealitĂ€t ins Gesicht wehen.

Eswatini – einer der letzten loyalen VerbĂŒndeten

Anlass der Reise sei der 40. Jahrestag der Thronbesteigung von König Mswati III. Eswatini, das ehemalige Swasiland, ist das einzige afrikanische Land und eines von nur noch zwölf Staaten weltweit, die Taiwan offiziell als unabhĂ€ngige Nation anerkennen. König Mswati hatte seinerseits 2024 an Lais AmtseinfĂŒhrung in Taipeh teilgenommen – ein Bekenntnis zur Freundschaft, das in Pekings Augen bereits einer Provokation gleichkommt.

Die Reaktion aus China ließ erwartungsgemĂ€ĂŸ nicht lange auf sich warten. Das Außenministerium in Peking sprach von einer „Farce" und beharrte darauf, Taiwan sei Teil Chinas. Eine Position, die das demokratische Inselreich mit seinen 23 Millionen Einwohnern seit Jahrzehnten zurĂŒckweist – mit gutem Grund, denn Taiwan war nie auch nur einen einzigen Tag unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas.

Was lernt der Westen daraus?

WĂ€hrend sich Berliner Politiker in moralischen Selbstvergewisserungen ergehen und glauben, mit KlimaplĂ€nen die Welt retten zu können, demonstriert China auf der BĂŒhne der Realpolitik, wie unverhĂŒllt Macht heute ausgeĂŒbt wird. Wer ökonomisch abhĂ€ngig ist, der fĂŒgt sich. Drei afrikanische Inselstaaten haben es vorgemacht – und die Frage drĂ€ngt sich auf, wie es um die SouverĂ€nitĂ€t europĂ€ischer LĂ€nder bestellt wĂ€re, sollte Peking eines Tages mit gleicher HĂ€rte auftreten.

Die Bundesrepublik hat sich in den vergangenen Jahren in eine geradezu strĂ€fliche AbhĂ€ngigkeit von China manövriert: Seltene Erden, Solarpaneele, Pharmavorprodukte, IndustriegĂŒter – die Liste ist lang und peinlich. Wer glaubt, dass dies folgenlos bleibe, sollte sich das Beispiel Madagaskar genau ansehen. Erpressbarkeit ist die WĂ€hrung, in der das Regime in Peking am liebsten bezahlt wird.

Demokratie unter Druck

Lais erfolgreicher, wenn auch verspĂ€teter Besuch in Eswatini ist mehr als eine diplomatische Fußnote. Er ist ein Symbol des Widerstands eines kleinen, aber mutigen demokratischen Staates gegen den expansiven Anspruch einer autoritĂ€ren Großmacht. WĂ€hrend sich Taiwan tapfer schlĂ€gt, sollte sich der Westen – und insbesondere Deutschland – fragen, ob die eigene Werte- und Freiheitsrhetorik noch durch Taten gedeckt ist oder lĂ€ngst zur leeren Formel verkommen.

In unsicheren geopolitischen Zeiten, in denen GroßmĂ€chte zunehmend mit harten Bandagen agieren und ganze Lieferketten als Druckmittel eingesetzt werden, gewinnt eine alte Wahrheit neue Brisanz: Wer wirtschaftlich verwundbar ist, ist politisch erpressbar. Vor diesem Hintergrund erinnern viele Beobachter daran, dass physische Edelmetalle wie Gold und Silber seit Jahrtausenden als krisenfeste Vermögenssicherung dienen – ein bewĂ€hrter Baustein in einem breit gestreuten Portfolio, gerade wenn die Welt in Bewegung gerĂ€t.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die hier geĂ€ußerten EinschĂ€tzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigenstĂ€ndig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.

Wissenswertes zum Thema

Magazin
21.03.2025
13 Min.

Wer ist: Daniele Ganser

Der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser hat sich mit seinen kritischen Analysen zu NATO-Geheimarmeen und illegalen Kriegen international einen Namen gemacht. Mit Bestsellern