Kettner Edelmetalle
04.03.2026
11:33 Uhr

Pekings eiserne Faust: Weitere SpitzenfunktionÀre bei Chinas Machttreffen verschwunden

Was in westlichen Demokratien einen Skandal epischen Ausmaßes auslösen wĂŒrde, gehört im kommunistischen China offenbar zum politischen TagesgeschĂ€ft: Zwei hochrangige Mitglieder des mĂ€chtigen PolitbĂŒros der Kommunistischen Partei sind bei der Eröffnung der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes (PKKCV) – einem der bedeutendsten politischen Ereignisse des Jahres – schlicht nicht aufgetaucht. Einfach so. Spurlos.

Chinas ranghöchster General unter Ermittlungen

Unter den 24 PolitbĂŒro-Mitgliedern, die am Mittwoch in Peking zusammenkamen, fehlte demnach Zhang Youxia, Chinas ranghöchster General und einstiger Vize-Vorsitzender der Zentralen MilitĂ€rkommission. Zhang sei bereits im Januar unter Untersuchung gestellt worden. Ebenfalls abwesend: Ma Xingrui, der ehemalige höchste Parteivertreter in der sensiblen Region Xinjiang. Ma soll seit Ende Oktober vergangenen Jahres nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten sein – ein in der hermetisch abgeriegelten Welt der chinesischen Machtpolitik unmissverstĂ€ndliches Zeichen.

Wer in Peking von der BildflĂ€che verschwindet, der kommt selten zurĂŒck. Das wissen die Chinesen, das weiß die Welt. Und doch schaut man im Westen mit einer Mischung aus Faszination und GleichgĂŒltigkeit zu, wie Xi Jinping seinen Machtapparat mit chirurgischer PrĂ€zision von potenziellen Rivalen und unbequemen Stimmen befreit.

Eine beispiellose SÀuberungswelle im MilitÀr

Die Abwesenheit der beiden FunktionĂ€re ist dabei nur die jĂŒngste Episode einer weitreichenden SĂ€uberungskampagne, die Chinas militĂ€rische FĂŒhrungsebene in den vergangenen Jahren regelrecht dezimiert hat. Bereits im Oktober 2025 wurde He Weidong, der andere Vize-Vorsitzende der Zentralen MilitĂ€rkommission, entlassen. Durch den Sturz beider GenerĂ€le schrumpfte das oberste militĂ€rische FĂŒhrungsgremium von sieben auf gerade einmal zwei Mitglieder zusammen. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: FĂŒnf von sieben SpitzenmilitĂ€rs – weg.

Die Liste der Gefallenen ist lang. Der frĂŒhere Verteidigungsminister Li Shangfu wurde 2024 ausgeschlossen, der hochrangige Offizier Miao Hua folgte 2025. Zahlreiche weitere Kommandeure sollen entlassen worden sein, darunter FĂŒhrungskrĂ€fte der fĂŒr die nukleare Abschreckung zustĂ€ndigen Raketentruppen. Ein Aderlass ohnegleichen – und das ausgerechnet in einer Phase, in der China seine StreitkrĂ€fte massiv modernisiert und aufrĂŒstet.

Die Taiwan-Frage schwebt wie ein Damoklesschwert

Besonders brisant: Zhang Youxia galt Beobachtern zufolge als einer der letzten echten Kampfveteranen in der Volksbefreiungsarmee und als zentraler EntscheidungstrĂ€ger fĂŒr militĂ€rische Planungen – auch und gerade mit Blick auf Taiwan. Dass ausgerechnet er nun unter Ermittlungen steht, wirft unbequeme Fragen auf. Bereitet Xi Jinping seine Armee auf einen Konflikt vor, bei dem er nur absolut loyale Gefolgsleute an seiner Seite duldet? Oder geht es schlicht um Korruption, wie Peking stets beteuert?

Die geopolitischen Implikationen sind jedenfalls enorm. WĂ€hrend die USA unter PrĂ€sident Trump durch ihre Konfrontation mit dem Iran und die massiven Zollerhöhungen gegen China zunehmend an mehreren Fronten gebunden sind, nutzt Peking die Gunst der Stunde. Die amerikanische PrĂ€senz im asiatisch-pazifischen Raum könnte durch die Eskalation im Nahen Osten geschwĂ€cht werden – ein Umstand, der China strategisch in die HĂ€nde spielen dĂŒrfte.

Was der Westen daraus lernen sollte

FĂŒr Europa und insbesondere fĂŒr Deutschland sollten diese Entwicklungen ein Weckruf sein. WĂ€hrend man sich hierzulande mit ideologischen Debatten und einem aufgeblĂ€hten Staatsapparat beschĂ€ftigt, baut China seine militĂ€rische Schlagkraft systematisch aus – und rĂ€umt intern jeden aus dem Weg, der diesem Kurs im Wege stehen könnte. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz wĂ€re gut beraten, die sicherheitspolitischen RealitĂ€ten endlich ernst zu nehmen, statt sich in Sonntagsreden ĂŒber die regelbasierte Weltordnung zu ergehen.

Eines steht fest: In Peking wird mit harter Hand regiert. Die SĂ€uberungen im MilitĂ€r sind kein Zeichen von SchwĂ€che, sondern ein brutales Instrument der Machtkonsolidierung. Und wer glaubt, dass ein derart straff gefĂŒhrtes Regime auf Dauer friedlich bleibt, der hat aus der Geschichte nichts gelernt.

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