
Peking segnet Shein-IPO ab: Wie der Billig-Gigant zum Politikum der Kommunistischen Partei wurde
Es war ein langes Warten â und ein Warten, das viel ĂŒber die wahren MachtverhĂ€ltnisse im chinesischen Wirtschaftssystem verrĂ€t. Nach ĂŒber einem Jahr zĂ€her PrĂŒfung hat die chinesische Börsenaufsicht China Securities Regulatory Commission (CSRC) endlich grĂŒnes Licht fĂŒr den Börsengang des Fast-Fashion-Konzerns Shein in Hongkong gegeben. Ein MilliardengeschĂ€ft, das nicht etwa an einem freien Markt entschieden wurde, sondern â man höre und staune â bis in die höchsten Zirkel der regierenden Kommunistischen Partei hinaufgereicht haben soll.
Wenn die Partei ĂŒber Aktien entscheidet
Man stelle sich das einmal vor: Ein Unternehmen möchte an die Börse, und die Entscheidung darĂŒber fĂ€llt nicht in einem Aufsichtsrat, sondern angeblich am PolitbĂŒro-Tisch. Einem Insider zufolge sei der Fall auf höchster Parteiebene begutachtet worden. Die FĂŒhrung in Peking, so heiĂt es, habe befĂŒrchtet, dass Shein nach einem Skandal um Sexpuppen in Frankreich sowie Berichten ĂŒber fragwĂŒrdige Arbeitsbedingungen bei chinesischen Zulieferern weitere Peinlichkeiten produzieren könnte.
Kurzum: Es ging nicht um Kennzahlen, sondern um Gesichtswahrung. Wer glaubt, in China entscheide der Markt, der glaubt vermutlich auch, dass WindrÀder das deutsche Stromnetz stabilisieren. Die Wahrheit ist: In einem System, in dem die Partei mitregiert, ist jeder Börsengang zugleich ein staatlicher Akt.
Vom Höhenflug zur ErnĂŒchterung
Blicken wir auf die nackten Zahlen, so zeigt sich ein bemerkenswerter Absturz der Erwartungen. WÀhrend im E-Commerce-Rausch der Corona-Jahre 2022 noch von einer Bewertung bis zu 100 Milliarden Dollar geschwÀrmt wurde, sollen es beim aktuellen Gang aufs Parkett dem Vernehmen nach nur noch 40 bis 50 Milliarden Dollar sein. Eine Finanzierungsrunde im Mai 2023 hatte immerhin noch 66 Milliarden Dollar ergeben.
Die Luft aus der einstigen E-Commerce-Blase ist entwichen â und mit ihr die aufgeblĂ€hten Fantasiezahlen, die Anleger einst blenden sollten.
Wer erinnert sich nicht an den Hype um vermeintlich unbesiegbare Wachstumsraketen, die dann in atemberaubendem Tempo an Boden verloren? New York und London hatten Shein bereits eine Abfuhr erteilt. Nun bleibt eben Hongkong â gewissermaĂen das Auffangbecken fĂŒr alle, die anderswo abgewiesen wurden.
Was Anleger daraus lernen sollten
Der Fall Shein ist ein LehrstĂŒck ĂŒber die FragilitĂ€t moderner Kapitalanlagen. Ein Unternehmen, dessen Schicksal von parteipolitischen Launen abhĂ€ngt, dessen GeschĂ€ftsmodell auf ausbeuterisch gĂŒnstiger Produktion fuĂt und dessen Bewertung sich innerhalb weniger Jahre halbiert â wer hier investiert, sollte sich der Risiken schmerzhaft bewusst sein. Aktien und Ă€hnliche Papiere unterliegen den Stimmungen der MĂ€rkte, den Interessen von Politikern und der schieren WillkĂŒr von Regimen.
Ganz anders verhĂ€lt es sich mit physischen Edelmetallen wie Gold und Silber. Sie brauchen keine Genehmigung einer kommunistischen Partei, keinen Börsenprospekt und keine wohlwollende Aufsichtsbehörde. Ein solider Sachwert kann in keinem Sitzungssaal in Peking oder BrĂŒssel verboten oder wegreguliert werden. Wer sein Vermögen breit streuen und krisenfest aufstellen möchte, ist gut beraten, physische Edelmetalle als stabilisierende Beimischung eines gesunden Portefeuilles in Betracht zu ziehen.
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