
OrbĂĄn dreht Ukraine den Gashahn zu: Budapests knallharte Antwort auf Kiews Energie-Erpressung
Was sich derzeit zwischen Budapest und Kiew abspielt, hat das Zeug zu einer veritablen Energiekrise mitten in Europa. Ungarns MinisterprĂ€sident Viktor OrbĂĄn hat in einer Videobotschaft unmissverstĂ€ndlich klargemacht: Solange die Ukraine kein russisches Ăl ĂŒber die Druschba-Pipeline nach Ungarn durchlĂ€sst, werde Budapest seinerseits keine Gaslieferungen mehr an Kiew zulassen. Eine Ansage, die es in sich hat â und die in BrĂŒssel fĂŒr erhebliche NervositĂ€t sorgen dĂŒrfte.
Tit for Tat: Ăl gegen Gas
Der Hintergrund ist schnell erzĂ€hlt. Kiew hat vor rund einem Monat den Transit russischen Ăls ĂŒber die noch aus Sowjetzeiten stammende Druschba-Pipeline gestoppt. FĂŒr Ungarn, das in erheblichem MaĂe von diesen Lieferungen abhĂ€ngt, ist das ein empfindlicher Schlag. OrbĂĄn bezeichnete das Vorgehen der Ukraine als âErpressung" â und reagiert nun mit der gleichen MĂŒnze. Die umgeleiteten Gasmengen sollen stattdessen in die heimischen Reserven flieĂen, um Ungarns eigene Versorgungssicherheit zu stĂ€rken.
DarĂŒber hinaus warf der ungarische Regierungschef Kiew vor, auch die sĂŒdliche Gasroute ĂŒber den TurkStream-Korridor zu attackieren, ĂŒber die Ungarn ebenfalls versorgt wird. âWir werden Ungarns Energiesicherheit, den geschĂŒtzten Benzinpreis und die reduzierten Gaspreise verteidigen", erklĂ€rte OrbĂĄn kĂ€mpferisch. Man habe sich bislang âerfolgreich gegen die ukrainische Erpressung gewehrt".
Die Ukraine trifft es hart
FĂŒr die Ukraine könnte dieser Schritt gravierende Folgen haben. Nach Angaben der ukrainischen Energieberatung EXPRO bezog das Land im vergangenen Jahr rund 45 Prozent seiner gesamten Gasimporte ĂŒber Ungarn. Bis Januar sei dieser Anteil zwar bereits auf 38 Prozent gesunken, doch ein vollstĂ€ndiger Lieferstopp wĂŒrde Kiew in eine Ă€uĂerst prekĂ€re Lage bringen â gerade mit Blick auf den kommenden Winter. Eine offizielle Reaktion aus Kiew blieb zunĂ€chst aus.
OrbĂĄn blockiert EU-Hilfen fĂŒr die Ukraine
Doch der Energiestreit ist nur die Spitze des Eisbergs. OrbĂĄn hat vergangene Woche bei einem EU-Gipfel unmissverstĂ€ndlich erklĂ€rt, sĂ€mtliche Entscheidungen zugunsten der Ukraine zu blockieren, bis die Ăllieferungen wieder aufgenommen werden. âIch werde niemals irgendeine Entscheidung hier unterstĂŒtzen, die zugunsten der Ukraine ist", stellte er klar. Konkret blockierte Budapest bereits einen geplanten 90-Milliarden-Euro-Kredit fĂŒr die Ukraine sowie neue Sanktionspakete gegen Moskau.
Die Reaktionen in BrĂŒssel fallen erwartungsgemÀà gereizt aus. Die EU schrĂ€nkt offenbar bereits den Zugang Ungarns zu vertraulichen Dokumenten ein, und Treffen finden zunehmend in kleineren Gruppen statt â ohne Budapest. Polens MinisterprĂ€sident Donald Tusk warnte vor dem âlangjĂ€hrigen Verdacht", dass OrbĂĄns Regierung Informationen an Russland weitergebe. FĂŒnf europĂ€ische Diplomaten bestĂ€tigten gegenĂŒber Medien, dass man besorgt sei ĂŒber das Risiko, dass Budapest sensible Informationen an den Kreml durchsteche. Eine formelle EU-Reaktion auf diese VorwĂŒrfe werde es allerdings vorerst nicht geben â man wolle die ungarischen Wahlen am 12. April nicht beeinflussen.
Ein unbequemer, aber konsequenter Kurs
Man mag zu Viktor OrbĂĄn stehen, wie man will â doch eines muss man dem ungarischen MinisterprĂ€sidenten lassen: Er stellt die Interessen seines eigenen Volkes konsequent ĂŒber die Erwartungen BrĂŒssels. WĂ€hrend andere europĂ€ische Regierungen bereitwillig die eigene Energiesicherheit auf dem Altar der Ukraine-SolidaritĂ€t opfern und ihre BĂŒrger mit explodierenden Energiepreisen belasten, verteidigt OrbĂĄn gĂŒnstige Benzin- und Gaspreise fĂŒr seine Landsleute. Das ist genau jene Art von pragmatischer Realpolitik, die man sich auch in Berlin wĂŒnschen wĂŒrde â wo man stattdessen jahrelang ideologiegetrieben Kernkraftwerke abschaltete und sich in eine fatale EnergieabhĂ€ngigkeit manövrierte, deren Folgen die deutschen BĂŒrger bis heute in Form astronomischer Stromrechnungen zu spĂŒren bekommen.
Die VorwĂŒrfe aus BrĂŒssel, OrbĂĄn spiele Moskaus Spiel, sind dabei so vorhersehbar wie durchsichtig. Wer in der EU nationale Interessen vertritt, wird reflexartig zum Kreml-Agenten erklĂ€rt. Dass ein souverĂ€ner Staat schlicht seine Energieversorgung sicherstellen will, scheint in den BrĂŒsseler Denkfabriken nicht als legitimes Motiv zu gelten. Dabei zeigt der Konflikt vor allem eines: Die europĂ€ische Energiepolitik ist ein TrĂŒmmerfeld, und die Sanktionsspirale hat lĂ€ngst nicht nur Russland, sondern auch die europĂ€ischen Verbraucher in Geiselhaft genommen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Machtkampf weiterentwickelt. Sicher ist nur: Die Energiefrage wird Europa noch lange spalten â und OrbĂĄn wird nicht mĂŒde werden, den unbequemen Mahner zu geben.









