
Nordstream-Skandal: Warum das Kanzleramt lieber schweigt, als die Wahrheit zu sagen

Es gibt Antworten, die durch ihr Schweigen lauter sprechen als jede Aussage. Und es gibt behördliche Schreiben, deren aufwendige BegrĂŒndung, warum man nicht antworten könne, lĂ€ngst eine Antwort darstellen. Genau ein solches Dokument liegt nun im Zentrum eines der brisantesten VorgĂ€nge, die Berlin in diesen Monaten beschĂ€ftigen: Die Frage, ob das deutsche Kanzleramt vorab von der bevorstehenden Sprengung der Nordstream-Pipelines gewusst hat â und tatenlos zusah.
Drei Seiten kunstvolles Ausweichen
Auf gleich drei sorgfĂ€ltig durchformulierten Seiten erklĂ€rt das Bundeskanzleramt einer Bundestagsabgeordneten, warum ihre Frage nicht beantwortet werden könne. Nicht öffentlich. Nicht als eingestuftes Dokument. Nicht einmal hinterlegt in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages, jenem Hochsicherheitstresor der parlamentarischen Kontrolle. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Das höchste Kontrollinstrument, das unsere Demokratie fĂŒr Geheimdienstangelegenheiten kennt, sei angeblich noch zu offen.
Die zugrunde liegende Frage ist von schlichter Klarheit. Traf beim damaligen Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt (SPD) tatsĂ€chlich ein Hinweis auslĂ€ndischer Nachrichtendienste ĂŒber den geplanten Angriff auf Nordstream ein? Und wenn ja â warum wurde nichts unternommen, um den schwersten Sabotageakt gegen zivile europĂ€ische Infrastruktur seit Jahrzehnten zu verhindern? Keine Patrouillen, keine Ăberwachung, nichts.
Die Recherche, die alles ins Rollen brachte
Die Anfrage stĂŒtzt sich auf eine akribische Recherche, die nachzeichnet, wie der niederlĂ€ndische MilitĂ€rgeheimdienst MIVD im Sommer 2022 die CIA ĂŒber einen konkreten Angriffsplan informiert habe â und wie diese Warnung ĂŒber den BND schlieĂlich auf dem Schreibtisch des Kanzleramtsministers gelandet sei. Schmidt, so heiĂt es, habe die Information als bloĂe âRĂ€uberpistoleâ abgetan.
Wer so aufwendig begrĂŒndet, warum er nicht antworten kann, hat lĂ€ngst geantwortet.
Ein Widerspruch, der sich nicht wegargumentieren lÀsst
Das Pikante liegt in der Logik des Schreibens selbst. Die Regierung beruft sich auf den Schutz der âvertrauensvollen Zusammenarbeit mit auslĂ€ndischen Nachrichtendienstenâ. Doch damit gesteht sie indirekt ein, dass es eine solche Zusammenarbeit in dieser Sache ĂŒberhaupt gab. Denn wo nichts geteilt wurde, gibt es auch nichts, dessen Offenlegung Partner verprellen könnte.
Die anfragende Abgeordnete bringt diesen Widerspruch treffend auf den Punkt: HĂ€tte das Kanzleramt gar keine Vorabinformationen erhalten, wĂ€re die simple Feststellung âWir wussten von nichtsâ keine geheimhaltungsbedĂŒrftige Tatsache. Bei vergleichbaren FĂ€llen â etwa dem US-Kommandoeinsatz gegen Osama bin Laden 2011 oder der Tötung des iranischen Generals Soleimani 2020 â habe Berlin eine fehlende Vorwarnung stets offen und ohne jedes Staatswohl-Argument verneint. Warum ausgerechnet hier nicht?
Personalkarussell mit Beigeschmack
Unterschrieben wurde die bemerkenswerte Nichtantwort vom damaligen Kanzleramtschef Thorsten Frei â eine seiner letzten Amtshandlungen, bevor er von Kanzler Merz und dem CSU-Chef an die Spitze der Unionsfraktion befördert wurde. Mehrere Beobachter hĂ€tten diesen Wechsel als âgesichtswahrende Wegbeförderungâ gedeutet. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Ist das der Umgang, den ein selbsternannter Kanzler der Erneuerung mit heiklen Wahrheiten pflegt? Der groĂe WahlkĂ€mpfer Merz, der einst versprach, alles anders und transparenter zu machen, lĂ€sst hier eine Mauer des Schweigens errichten, die selbst die frĂŒhere Ampel neidisch gemacht hĂ€tte.
Was bleibt, ist ein Verdacht
Am Ende steht ein Auskunftsersuchen, das an der höchsten Geheimhaltungsstufe zerschellt â und eine Regierung in der Sackgasse. Entweder gab es keine Vorwarnung, dann wĂ€re die ganze GeheimniskrĂ€merei gegenstandslos. Oder es gab sie â dann stellt sich die brennende Frage mit voller Wucht: Warum durfte der Anschlag geschehen? Der deutsche Steuerzahler, der die explodierten Milliardeninvestitionen letztlich mittrĂ€gt, hat ein Recht auf klare Antworten. Stattdessen bekommt er drei Seiten elaboriertes Schweigen.
Es ist genau diese Kultur des Vertuschens, die das Vertrauen der BĂŒrger in ihre Institutionen zermĂŒrbt. In unruhigen Zeiten, in denen Regierungen mauern und wirtschaftliche wie geopolitische Verwerfungen zunehmen, besinnen sich viele Menschen wieder auf handfeste, unabhĂ€ngige Werte. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber stehen seit Jahrtausenden fĂŒr BestĂ€ndigkeit â gerade dann, wenn das Vertrauen in politische FĂŒhrungen erschĂŒttert wird. Als solider Baustein eines breit gestreuten Vermögens behalten sie ihren Wert, wĂ€hrend politische Versprechen und ErklĂ€rungen aus dem Kanzleramt allzu oft im Nebel des Ungesagten verschwinden.
Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag gibt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Er ersetzt keine individuelle Beratung. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenstĂ€ndig recherchieren.










