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24.04.2026
16:29 Uhr

Nord Stream: Berlins ohrenbetÀubendes Schweigen zur ukrainischen Staatsspitze

Nord Stream: Berlins ohrenbetÀubendes Schweigen zur ukrainischen Staatsspitze

Es ist ein Schauspiel, das sich mittlerweile in einer RegelmĂ€ĂŸigkeit wiederholt, die an Choreografie grenzt: Fragt ein Journalist in der Bundespressekonferenz nach der Causa Nord Stream, setzt die Bundesregierung ihre altbewĂ€hrte Nebelkerzen-Maschinerie in Gang. Verweis auf laufende Ermittlungen, Hinweis auf die UnabhĂ€ngigkeit der Justiz, Beschwörung der Vertraulichkeit interner GesprĂ€che. Fertig ist das rhetorische Feigenblatt. Auch in dieser Woche prĂ€sentierte Regierungssprecher Steffen Meyer wieder jene einstudierten Formeln, als die OAZ konkrete Antworten zu neuen EnthĂŒllungen forderte.

Brisante Recherchen belasten Kiew

Anlass der unbequemen Nachfragen waren die Rechercheergebnisse von Bojan Pancevski, Chefkorrespondent des Wall Street Journal, der am 17. April bei „Markus Lanz“ im ZDF öffentlich machte, was in Washington und Berlin lĂ€ngst hinter vorgehaltener Hand kursiere. Demnach soll ausgerechnet der damalige Oberbefehlshaber der ukrainischen StreitkrĂ€fte – Walerij Saluschnyj, heute Botschafter in London – die Sprengung der Pipelines persönlich angeordnet haben. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj habe der Operation zunĂ€chst zugestimmt. Erst als die CIA im Sommer 2022 Wind von der Sache bekam und Kiew warnte, habe Selenskyj angeblich versucht, die Aktion noch zu stoppen. Vergeblich.

Eine klare Frage, eine wolkige Antwort

Die an Regierungssprecher Meyer gerichtete Frage hĂ€tte eigentlich keinen Interpretationsspielraum gelassen: Was weiß der Bundeskanzler? Waren die oberste MilitĂ€rfĂŒhrung der Ukraine und ihr PrĂ€sident in den Anschlag auf zivile deutsche Infrastruktur verwickelt – ja oder nein? Die Antwort war so knapp wie entlarvend: Die Ermittlungen liefen, die Justiz agiere unabhĂ€ngig, man kommentiere nicht weiter.

Bemerkenswert ist dabei die schiere Dreistigkeit der Nichtauskunft. Die Frage zielte gar nicht auf den Stand der justiziellen Ermittlungen, sondern auf den politischen Kenntnisstand der Regierung. Berlin verfĂŒgt ĂŒber eigene Nachrichtendienste, erhĂ€lt Erkenntnisse befreundeter Geheimdienste und mĂŒsste – bei einem Sabotageakt gegen Infrastruktur, in die deutsche Konzerne rund fĂŒnf Milliarden Euro versenkt haben – lĂ€ngst ĂŒber einen eigenen, belastbaren Lagebericht verfĂŒgen. Stattdessen wird die Vermengung von Justiz und Politik als Nebelwand missbraucht.

Sechs Haftbefehle – und der Kanzler schweigt?

Auf die Nachfrage, ob Bundeskanzler Friedrich Merz das heikle Thema bei seinem Treffen mit Selenskyj am 14. April ĂŒberhaupt zur Sprache gebracht habe, folgte die nĂ€chste Floskel: Zu internen GesprĂ€chen Ă€ußere man sich grundsĂ€tzlich nicht. Dies solle nichts darĂŒber aussagen, ob etwas angesprochen worden sei oder nicht. Diplomatisch raffiniert – politisch ein Offenbarungseid.

Denn wenn die Bundesregierung sich tatsĂ€chlich hinter laufenden Ermittlungen verschanzt, wĂ€re es doch gerade ein Akt rechtsstaatlicher Konsequenz, das Thema gegenĂŒber Kiew offen anzusprechen. Die Bundesanwaltschaft hat inzwischen Haftbefehle gegen sechs Ukrainer erlassen, allesamt mit engen Verbindungen zu staatlichen Stellen. Vier sind auf der Flucht, zwei ukrainische Offiziere wurden festgenommen. Einer von ihnen, Serhij K., sitzt in Hamburg in Untersuchungshaft. Der Bundesgerichtshof bestĂ€tigte Mitte Januar in einem Beschluss, es habe sich um einen „geheimdienstlich gesteuerten Gewaltakt“ im Auftrag eines fremden Staates gehandelt. Klarer kann eine Gerichtsformulierung kaum ausfallen.

Zwischen Vertuschung und StaatsrÀson

Vor diesem Hintergrund wĂ€re die schlichte Information, ob der Bundeskanzler das Thema bei einem Staatsbesuch ĂŒberhaupt anreißt, von erheblichem öffentlichem Interesse. Zwei Lesarten bleiben: Entweder das Thema wurde nicht angesprochen – was eine eigene politische Brisanz hĂ€tte. Oder es wurde angesprochen – dann mĂŒsste man fragen, warum die deutsche Öffentlichkeit, deren Infrastruktur hier im Ostseegrund verschwunden ist, nichts davon erfahren soll.

Pikant ist zudem, dass die aktuellen Recherchen alles andere als einheitlich sind. WĂ€hrend Pancevski in seinem Buch „Die Nord-Stream-Sprengung“ die These einer Genehmigung durch Selenskyj vertritt, kommen die deutschen Investigativjournalisten Oliver Schröm und Ulrich Thiele in ihrem zeitgleich erschienenen Werk „Die Sprengung. Deutschlands Verrat an der Ukraine“ zu einem ganz anderen Ergebnis: Die TĂ€ter seien ausgerechnet Gegner Selenskyjs gewesen, die auf eigene Faust gehandelt hĂ€tten. Beide RechercheansĂ€tze widersprechen sich in der zentralen Frage – Wissen und Zustimmung der Staatsspitze. Genau hier wĂ€re eine Bundesregierung gefragt, die ĂŒber eigene Dienste verfĂŒgt. Doch stattdessen: Aussitzen, abwiegeln, abtauchen.

Eine Tradition der AufklÀrungsverweigerung

Bereits die VorgĂ€ngerregierung unter Olaf Scholz hatte sich in der Causa Nord Stream durch eine fast schon demonstrative Desinteressiertheit ausgezeichnet. Der damalige Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt – mittlerweile selbst im Fokus journalistischer Recherchen – soll laut Schröm und Thiele einen ausgewĂ€hlten Zirkel von Journalisten orchestriert haben, um das Narrativ einer unerschĂŒtterlichen deutschen Ukraine-UnterstĂŒtzung medial zu zementieren. Intern, so heißt es, habe dagegen stets die Warnung kursiert, man könne den Ukrainern nicht trauen. „Zeit“-Investigativchef Holger Stark wies diese VorwĂŒrfe umgehend als „teils hanebĂŒchenen, teils strafrechtlich relevanten Unsinn“ zurĂŒck.

Deutsche Steuerzahler als Dumme vom Dienst

Die Causa Nord Stream berĂŒhrt lĂ€ngst nicht mehr nur Fragen der Strafverfolgung. Sie stellt die grundlegende Frage nach außenpolitischer Verantwortung: Wie verhĂ€lt sich eine Bundesregierung gegenĂŒber einem Staat, dessen Akteure nach EinschĂ€tzung des deutschen Generalbundesanwalts fĂŒr einen der grĂ¶ĂŸten Sabotageakte gegen zivile Infrastruktur in der europĂ€ischen Nachkriegsgeschichte verantwortlich sein sollen? Wie bewertet man es, wenn deutsche Investitionen in Milliardenhöhe vernichtet wurden, wĂ€hrend man zeitgleich zweistellige MilliardenbetrĂ€ge an eben jenen Staat ĂŒberweist, der mutmaßlich die Sprengmeister stellte?

Die Bundespressekonferenz liefert auf all diese Fragen keine Antworten. Sie liefert lediglich eine weitere BestĂ€tigung dessen, was sich seit September 2022 abzeichnet: Ein erheblicher Teil der deutschen Politik hat an einer AufklĂ€rung schlicht kein Interesse. Wer die Pipeline sprengte, scheint der Bundesregierung – um es mit den Worten des SPD-Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels auszudrĂŒcken – weiterhin „völlig irrelevant“ zu sein. Dass der deutsche Steuerzahler den Schaden trĂ€gt, dass der industrielle Mittelstand unter explodierenden Energiepreisen Ă€chzt, dass ganze Regionen deindustrialisiert werden – alles egal. Hauptsache, das offizielle Narrativ bleibt unbeschĂ€digt.

Was bleibt dem BĂŒrger?

Wer all dies beobachtet, dem dĂŒrfte schmerzhaft bewusst werden, wie wenig Vertrauen in staatliche AufklĂ€rung und die StabilitĂ€t einer Energieversorgung, die auf politischer Wunschökonomie fußt, gerechtfertigt ist. Wenn selbst ein Akt der Sabotage gegen deutsche Milliardeninvestitionen kein nennenswertes politisches Interesse an AufklĂ€rung auszulösen vermag, stellt sich die Frage, worauf man sich als BĂŒrger dieses Landes noch verlassen kann. In solchen Zeiten, in denen politische Versprechen wie Seifenblasen zerplatzen und die VerlĂ€sslichkeit staatlicher Institutionen bröckelt, rĂŒcken krisenfeste Sachwerte – allen voran physische Edelmetalle wie Gold und Silber – als zeitlos bewĂ€hrter Anker der Vermögenssicherung wieder verstĂ€rkt in den Fokus umsichtiger Anleger. Wer sein Vermögen breit streuen möchte, findet in einer soliden Beimischung physischer Edelmetalle eine klassische ErgĂ€nzung eines ausgewogenen Portfolios.

Hinweis: Der vorliegende Beitrag gibt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Grundlage der verfĂŒgbaren Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben ausdrĂŒcklich weder Anlage- noch Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Leser ist aufgefordert, eigenverantwortlich zu recherchieren und gegebenenfalls qualifizierte Beraterinnen und Berater hinzuzuziehen. FĂŒr Anlageentscheidungen trĂ€gt jeder Leser die alleinige Verantwortung.

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