Kettner Edelmetalle
24.03.2026
06:33 Uhr

Netanjahu gibt sich kompromisslos: Israel weitet Angriffe auf Iran und Libanon aus

Netanjahu gibt sich kompromisslos: Israel weitet Angriffe auf Iran und Libanon aus

WĂ€hrend in Washington diplomatische Nebelkerzen gezĂŒndet werden, sprechen in Jerusalem die Waffen. Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hat nach einem Telefonat mit US-PrĂ€sident Donald Trump unmissverstĂ€ndlich klargemacht, dass sein Land die militĂ€rischen Operationen sowohl im Iran als auch im Libanon fortsetzen werde – „unter allen UmstĂ€nden". Eine Formulierung, die an Deutlichkeit nichts zu wĂŒnschen ĂŒbrig lĂ€sst und die fragile Hoffnung auf eine baldige diplomatische Lösung wie ein Kartenhaus zusammenfallen lĂ€sst.

Verwirrspiel zwischen Washington und Teheran

Die Lage im Nahen Osten gleicht einem geopolitischen Irrgarten, in dem selbst die Hauptakteure den Überblick zu verlieren scheinen. Donald Trump verkĂŒndete vollmundig, die USA hĂ€tten sich mit dem Iran bereits in rund 15 Punkten einer möglichen Vereinbarung geeinigt. „Sie werden nie Atomwaffen haben. Sie haben dem zugestimmt", erklĂ€rte der US-PrĂ€sident vor Reportern in Florida. Doch kaum waren die Worte gesprochen, dementierte Teheran jegliche Verhandlungen. Es gebe keinerlei direkte Kontakte zu Trump, auch nicht ĂŒber Vermittler, hieß es aus Kreisen der mĂ€chtigen Revolutionsgarden.

Wer sagt hier die Wahrheit? Die iranische Nachrichtenagentur Fars zitierte eine anonyme Quelle, wonach Trump zurĂŒckgerudert sei, nachdem er erfahren habe, dass sĂ€mtliche Kraftwerke in Westasien Ziele iranischer VergeltungsschlĂ€ge werden könnten. Das iranische Staatsfernsehen feierte die Entwicklung gar als Erfolg des Regimes: „US-PrĂ€sident macht nach Irans deutlicher Warnung einen RĂŒckzieher", war dort zu lesen. Propaganda oder RealitĂ€t? In diesem Krieg verschwimmen die Grenzen zwischen beidem zunehmend.

Israels MilitÀrschlÀge kennen keine Pause

Ungeachtet aller diplomatischen WinkelzĂŒge setzt Israel seine Offensive mit unverminderter HĂ€rte fort. Netanjahu betonte in einer Videobotschaft, die anhaltenden Angriffe wĂŒrden das iranische Raketen- und Atomprogramm „zerstören" und der proiranischen Hisbollah-Miliz „schweren Schaden" zufĂŒgen. Besonders brisant: „Erst vor wenigen Tagen haben wir zwei weitere iranische Atomwissenschaftler eliminiert, und das ist noch nicht das Ende", so der israelische Regierungschef mit einer KaltblĂŒtigkeit, die selbst hartgesottene Beobachter aufhorchen lĂ€sst.

Die israelische Armee bestĂ€tigte zudem einen Angriff auf einen von der Basidsch-Miliz genutzten StĂŒtzpunkt der Revolutionsgarden mitten in Teheran. Dieser sei Teil einer „operativen Phase", die darauf abziele, die zentralen SicherheitsfĂ€higkeiten des iranischen Regimes weiter zu schwĂ€chen. Erst kĂŒrzlich hatte Israel den Chef der Basidsch-Miliz, Gholamresa Soleimani, getötet. Die Eskalationsspirale dreht sich unaufhaltsam weiter.

Annexionsforderungen aus dem israelischen Kabinett

Als wĂ€re die Situation nicht bereits explosiv genug, goss Israels Finanzminister Bezalel Smotrich zusĂ€tzlich Öl ins Feuer. Der ultranationalistische Politiker forderte die Annexion des SĂŒdlibanon bis zum Fluss Litani – rund 30 Kilometer nördlich der israelischen Grenze. „Der Litani muss unsere neue Grenze werden", proklamierte Smotrich vor Abgeordneten seiner Mafdal-Partei und zog Parallelen zu den israelischen Grenzen im Gazastreifen und auf den Golanhöhen. Eine Forderung, die das Völkerrecht mit FĂŒĂŸen tritt, aber die innenpolitische Dynamik in Israel schonungslos offenlegt.

Iran droht mit „neuen Überraschungen"

Auf der anderen Seite gibt sich auch das iranische Regime alles andere als kleinlaut. Die StreitkrĂ€fte feuerten dem Staatsfernsehen zufolge eine neue Salve von Raketen auf Israel ab, die angeblich „mehrere israelische Luftabwehrsysteme durchdrungen" hĂ€tten. Die israelische Armee erklĂ€rte hingegen, sie arbeite daran, die anfliegenden Geschosse abzufangen. Bei einem vorherigen Angriff war bereits ein GebĂ€ude im Norden Israels getroffen worden – glĂŒcklicherweise ohne Todesopfer.

Besonders beunruhigend klingen die Worte von Abdullah Hadschi-Sadeghi, einem religiösen Vertreter der Revolutionsgarden: „Der Feind soll wissen, dass neue Überraschungen auf dem Weg sind." Die Islamische Republik habe ihre militĂ€rischen KapazitĂ€ten noch lĂ€ngst nicht ausgeschöpft. „Wir sind in einer Schule erzogen worden, die Kapitulation als Erniedrigung betrachtet", fĂŒgte er hinzu. Worte, die nach Durchhalteparolen klingen – oder nach einer ernstzunehmenden Drohung.

Die Straße von Hormus als wirtschaftliche Achillesferse

Die geopolitischen Verwerfungen schlagen lĂ€ngst auf die Weltwirtschaft durch. Seit die iranischen StreitkrĂ€fte die Straße von Hormus blockieren – jene Meerenge, durch die rund ein FĂŒnftel des weltweiten Öl- und FlĂŒssiggastransports fließt –, befinden sich die EnergiemĂ€rkte im Ausnahmezustand. Der Oman setzt sich zwar fĂŒr eine Sicherung des Schiffsverkehrs ein, doch konkrete Ergebnisse lassen auf sich warten.

Die Ölpreise reagierten derweil wie ein Seismograph auf jede noch so kleine Nachricht aus der Region. Nachdem Trump Verhandlungen mit dem Iran andeutete und die geplanten Angriffe auf iranische Energieanlagen um fĂŒnf Tage verschob, brach der Brent-Preis zeitweise um mehr als 14 Prozent auf 96 Dollar je Barrel ein. Am Abend notierte er immer noch knapp zehn Prozent im Minus bei 99,90 Dollar. Die AktienmĂ€rkte hingegen jubelten: Der DAX legte in der Spitze um 3,6 Prozent zu. Ein Tanz auf dem Vulkan, denn die fundamentale Unsicherheit bleibt bestehen.

Russland als stiller Brandstifter?

Eine weitere besorgniserregende Dimension eröffnete der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj. Sein MilitĂ€rgeheimdienst verfĂŒge ĂŒber „unwiderlegbare Beweise" dafĂŒr, dass Russland dem Iran Geheimdienstinformationen liefere. Moskau nutze seine FĂ€higkeiten zur elektronischen AufklĂ€rung sowie Daten von Partnern aus der Region, um dem Iran prĂ€zisere Angriffe zu ermöglichen. Dies verlĂ€ngere den Krieg im Nahen Osten, so Selenskyj. Russland wies die VorwĂŒrfe als Falschmeldung zurĂŒck – doch die Indizien verdichten sich, dass der Kreml im Hintergrund die FĂ€den zieht und den Konflikt als willkommene Ablenkung vom eigenen Krieg in der Ukraine nutzt.

Merz zwischen Diplomatie und Ohnmacht

Und Deutschland? Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich „dankbar" fĂŒr Trumps Entscheidung, die Angriffe auf iranische Kraftwerke um fĂŒnf Tage zu verschieben. Er habe am Sonntag mit Trump telefoniert und seine „Bedenken" vorgetragen. Bedenken – ein Wort, das die ganze Hilflosigkeit der deutschen Außenpolitik in dieser Krise offenbart. WĂ€hrend Israel Fakten schafft, der Iran mit Vergeltung droht und die USA zwischen Verhandlung und Eskalation pendeln, bleibt Berlin auf die Rolle des besorgten Zuschauers reduziert. Man darf sich fragen, ob ein Land, das gerade ein 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket auf den Weg gebracht hat, ĂŒberhaupt noch die Ressourcen und den politischen Willen besitzt, auf der WeltbĂŒhne eine relevante Rolle zu spielen.

Die Lufthansa hat derweil die Konsequenzen gezogen, die die Politik scheut: Zahlreiche Ziele im Nahen Osten werden bis Oktober nicht mehr angeflogen. Abu Dhabi, Amman, Beirut, Riad, Teheran – die Liste der gestrichenen Destinationen liest sich wie ein Atlas der InstabilitĂ€t. Großbritannien entsendet unterdessen Luftverteidigungssysteme an Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien. Pragmatismus statt BedenkentrĂ€gerei.

Ein Pulverfass ohne Sicherung

Der Nahe Osten steht an einem Scheideweg, und die Zeichen deuten nicht auf Frieden. Netanjahus kompromisslose Haltung, Irans Drohungen mit „neuen Überraschungen", Trumps erratische Pendelbewegungen zwischen Kriegsrhetorik und Verhandlungsangeboten – all das ergibt ein hochexplosives Gemisch. Die Tatsache, dass die USA offenbar den iranischen ParlamentsprĂ€sidenten Mohammad Bagher Ghalibaf als möglichen Partner fĂŒr einen Regimewechsel in Betracht ziehen, zeigt, wie weit die Planspiele bereits gediehen sind.

FĂŒr den deutschen BĂŒrger bedeutet diese Krise vor allem eines: Unsicherheit. Unsicherheit an den EnergiemĂ€rkten, Unsicherheit an den Börsen, Unsicherheit ĂŒber die Zukunft der globalen Ordnung. In solchen Zeiten erweist sich einmal mehr, dass physische Edelmetalle wie Gold und Silber als krisenfeste Wertanlage ihre Berechtigung haben. WĂ€hrend Aktienkurse im Takt der Nachrichtenlage tanzen und Ölpreise Achterbahn fahren, bieten Edelmetalle jene StabilitĂ€t, die in einer Welt am Rande des Abgrunds unbezahlbar ist.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls nach RĂŒcksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. FĂŒr etwaige finanzielle Verluste, die aus Anlageentscheidungen auf Grundlage dieses Artikels resultieren, ĂŒbernehmen wir keinerlei Haftung.

Wissenswertes zum Thema