Kettner Edelmetalle
04.03.2026
19:46 Uhr

Nahost-Eskalation bedroht Ukraines Luftverteidigung: Wenn Patriot-Raketen zur Mangelware werden

WĂ€hrend die Welt gebannt auf den eskalierenden Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran blickt, zeichnet sich tausende Kilometer weiter nördlich eine stille Katastrophe ab. Die Ukraine, ohnehin seit Jahren im Abwehrkampf gegen russische Raketenangriffe, könnte bald vor leeren Raketensilos stehen – weil die begehrten Patriot-Abfangraketen nun an mehreren Fronten gleichzeitig gebraucht werden.

Die bittere Arithmetik des Krieges

Seit die Vereinigten Staaten und Israel am vergangenen Samstag Angriffe auf den Iran starteten, hat Teheran mit Hunderten ballistischer Raketen und Drohnen auf Golfstaaten reagiert. Die meisten dieser Geschosse seien abgefangen worden – unter anderem mit genau jenen PAC-3 Patriot-Abfangraketen, auf die auch die Ukraine zur Verteidigung ihrer Energie- und MilitĂ€rinfrastruktur angewiesen ist. Es ist, wie Serhii Kuzan vom Kiewer Zentrum fĂŒr ukrainische Sicherheit und Zusammenarbeit es formulierte, die „ganz einfache Mathematik des Krieges".

Und diese Mathematik sieht dĂŒster aus. Lockheed Martin produziert derzeit rund 600 PAC-3-Raketen pro Jahr. Das reiche schon jetzt nicht aus, um den Bedarf der USA und ihrer VerbĂŒndeten am Golf zu decken – geschweige denn den der Ukraine, so Kuzan. Das französisch-italienische SAMP/T-Luftverteidigungssystem, das ĂŒber Ă€hnliche FĂ€higkeiten verfĂŒge, habe seine Produktion nicht schnell genug hochgefahren, um als Alternative zu dienen.

Russland kennt keine Atempause

Moskau hat derweil nicht die geringste Absicht, seine Angriffe auf ukrainische StĂ€dte zu drosseln. Im Gegenteil: Russland, das massiv in seine RĂŒstungsproduktion investiert hat, habe allein wĂ€hrend der diesjĂ€hrigen Winterkampagne mehr als 700 Raketen auf die ukrainische Energieinfrastruktur abgefeuert, so Kiew. In einer einzigen Nacht im vergangenen Monat seien 32 ballistische Raketen eingeschlagen. Man muss sich diese Zahl auf der Zunge zergehen lassen: 32 Raketen in einer Nacht – und jede einzelne muss abgefangen werden, wenn Menschenleben gerettet werden sollen.

Die ĂŒberwiegende Mehrheit der an die Ukraine gelieferten Patriot-Raketen stammt von europĂ€ischen Nationen im Rahmen der sogenannten PURL-Initiative – einer NATO-gefĂŒhrten Beschaffungsmaßnahme fĂŒr US-amerikanische Waffen zugunsten der Ukraine. Seit dem letzten Treffen Mitte Februar hĂ€tten die VerbĂŒndeten die Lieferung von 37 PAC-3-Raketen zugesagt, berichtete eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle. Italien habe ausgeschlossen, Kiews Luftverteidigung zugunsten der Golfstaaten zu schwĂ€chen.

ProduktionsengpÀsse als tickende Zeitbombe

Doch die Sorge wĂ€chst. Sollte sich der Iran-Krieg in die LĂ€nge ziehen, könnten sich die Lieferverzögerungen im Rahmen der PURL-Initiative verschĂ€rfen, da die USA ihre eigenen BestĂ€nde aufbrauchen wĂŒrden, warnten zwei europĂ€ische Diplomaten. Ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter bestĂ€tigte bereits produktionsbedingte Verzögerungen in der Vergangenheit und rĂ€umte ein, dass sich die EngpĂ€sse bei einem langwierigen Krieg gegen den Iran verschlimmern könnten. „Wir können nur eine bestimmte Menge auf einmal produzieren", so der Beamte mit entwaffnender Ehrlichkeit.

Besonders brisant: Die USA können jederzeit und aus jedem Grund ihr Recht geltend machen, Lieferungen an andere LĂ€nder vorzuziehen. Zwar skaliere Lockheed Martin die PAC-3-Produktion im Rahmen eines im Januar angekĂŒndigten Deals auf 2.000 StĂŒck jĂ€hrlich hoch – doch das komme zu spĂ€t, um etwaige EngpĂ€sse in diesem Jahr zu beheben.

FriedensgesprÀche im Schatten des Nahostkonflikts

Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj warnte am Montag, ein langwieriger und intensiver Krieg im Iran könne die fĂŒr die Ukraine verfĂŒgbaren Luftverteidigungssysteme reduzieren. Gleichzeitig bereite Russland eine neue Angriffswelle auf Infrastruktur, Logistik und Wasserversorgung vor. Selenskyj habe sich als entschiedener UnterstĂŒtzer des US-Angriffs auf den Iran positioniert – im scharfen Kontrast zu Moskau, das die Angriffe auf seinen VerbĂŒndeten verurteilt habe.

Die fĂŒr diese Woche in Abu Dhabi geplante neue Runde der US-vermittelten FriedensgesprĂ€che sei aufgrund der iranischen Angriffe auf Golfstaaten abgesagt worden. Ein neuer Ort wurde bislang nicht benannt. Sollten die GesprĂ€che fortgesetzt werden, könnte Russland versuchen, ein abgelenktes Washington dazu zu bewegen, die Ukraine noch stĂ€rker unter Druck zu setzen, ungĂŒnstige Bedingungen zu akzeptieren, warnte Jewhen Mahda vom Institut fĂŒr Weltpolitik in Kiew.

Die Ukraine muss sich selbst helfen

Angesichts dieser prekĂ€ren Lage drĂ€ngen Experten darauf, dass die Ukraine ihre eigenen offensiven RaketenfĂ€higkeiten ausbaut. Fabian Hoffmann, Doktorand an der UniversitĂ€t Oslo und Raketenexperte, betonte, die Raketenabwehr sei nur als vorĂŒbergehende Maßnahme gedacht, bis man die offensiven KapazitĂ€ten des Gegners degradieren könne. Die Ukraine und ihre VerbĂŒndeten mĂŒssten in RaketenfĂ€higkeiten investieren, da die Nutzlast ukrainischer Langstreckendrohnen zu gering sei, um signifikanten Schaden anzurichten.

Trumps im Oktober geĂ€ußerter Vorschlag, der Ukraine Tomahawk-Marschflugkörper zu liefern, habe sich nach Warnungen aus Moskau nie materialisiert. Die Ukraine meldete jedoch im vergangenen Monat einen Angriff mit ihrer eigenproduzierten FP-5 Flamingo-Marschflugrakete auf eine russische Raketenfabrik – das Wotkinsk-Maschinenbauwerk in der abgelegenen Region Udmurtien, rund 1.400 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

„Am Ende wird die Ukraine in offensive FĂ€higkeiten investieren mĂŒssen", sagte Hoffmann. „Das ist der einzige Weg."

Ein LehrstĂŒck ĂŒber die FragilitĂ€t westlicher Sicherheitsarchitektur

Was sich hier vor unseren Augen abspielt, ist nichts weniger als die Offenlegung einer fundamentalen SchwĂ€che der westlichen Verteidigungsstrategie. Jahrzehntelang haben europĂ€ische Nationen – allen voran Deutschland – ihre RĂŒstungsproduktion heruntergefahren, Friedensdividenden kassiert und sich in der trĂŒgerischen Sicherheit einer von Amerika garantierten Weltordnung gewiegt. Nun, da gleichzeitig in der Ukraine und im Nahen Osten Krieg herrscht, zeigt sich die bittere Wahrheit: Die ProduktionskapazitĂ€ten des Westens reichen schlicht nicht aus, um an mehreren Fronten gleichzeitig zu bestehen.

FĂŒr Deutschland sollte dies ein Weckruf sein. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen auf den Weg gebracht, doch ob dieses Geld tatsĂ€chlich in die richtigen KanĂ€le fließt – nĂ€mlich in eine schlagkrĂ€ftige Bundeswehr und eine leistungsfĂ€hige RĂŒstungsindustrie – bleibt abzuwarten. Die Erfahrung der vergangenen Jahre lehrt uns, dass in Berlin das Geld gerne in ideologische Projekte statt in harte Sicherheitspolitik investiert wird.

Eines steht fest: In einer Welt, in der sich Konflikte multiplizieren und RaketenbestĂ€nde zur strategischen WĂ€hrung werden, ist physische Sicherheit – ob militĂ€risch oder finanziell – unbezahlbar. Wer in unsicheren Zeiten sein Vermögen schĂŒtzen will, tut gut daran, auf bewĂ€hrte Werte zu setzen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrtausende als krisenfester Wertspeicher bewĂ€hrt und verdienen gerade in Zeiten geopolitischer Verwerfungen einen festen Platz in jedem breit aufgestellten Anlageportfolio.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfĂ€ltiger Recherche basieren. Wir empfehlen, vor jeder Anlageentscheidung einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. FĂŒr etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der in diesem Artikel genannten Informationen resultieren, ĂŒbernehmen wir keinerlei Haftung.

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