
Moskau-Einladung ausgeschlagen: Selenskyj bezeichnet Putin als "Terroristen"
Die diplomatischen Spannungen zwischen Russland und der Ukraine erreichten einen neuen Tiefpunkt, als der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj eine Einladung des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin nach Moskau brĂŒsk zurĂŒckwies. Putin hatte dem ukrainischen Staatschef persönliche Sicherheitsgarantien fĂŒr Verhandlungen in der russischen Hauptstadt angeboten â ein Angebot, das Selenskyj mit scharfen Worten ablehnte.
Putins ĂŒberraschendes Angebot
WĂ€hrend seines jĂŒngsten Besuchs in Peking signalisierte Putin ĂŒberraschend seine Bereitschaft, Selenskyj zu direkten GesprĂ€chen nach Moskau einzuladen. US-Beamte informierten die ukrainische Seite ĂŒber diese Offerte, die allerdings an die Bedingung geknĂŒpft war, dass zunĂ€chst echte Fortschritte am Verhandlungstisch erzielt werden mĂŒssten. Die persönlichen Sicherheitsgarantien, die Putin dabei anbot, sollten offenbar Bedenken ĂŒber die Sicherheit des ukrainischen PrĂ€sidenten auf russischem Boden zerstreuen.
Bemerkenswert ist, dass Russland in den vergangenen dreieinhalb Jahren des Konflikts durchaus die Möglichkeit gehabt hÀtte, Selenskyj zu eliminieren, dies aber nie getan hat. Diese Tatsache unterstreicht möglicherweise die Ernsthaftigkeit der Sicherheitszusagen Putins.
Selenskyjs harsche ZurĂŒckweisung
Die Reaktion des ukrainischen PrĂ€sidenten fiel eindeutig aus. "Er kann nach Kiew kommen", konterte Selenskyj und fĂŒgte hinzu: "Ich kann nicht nach Moskau gehen, wenn mein Land unter Raketenbeschuss steht, unter tĂ€glichen Angriffen. Ich kann nicht in die Hauptstadt dieses Terroristen gehen." Mit dieser Wortwahl verschĂ€rfte Selenskyj den rhetorischen Ton erheblich und bezeichnete Putin indirekt als Terroristen â eine Eskalation in der ohnehin angespannten Kommunikation zwischen beiden Staatschefs.
Praktische Hindernisse fĂŒr Putins Kiew-Besuch
Aus praktischer Sicht erscheint ein Besuch Putins in Kiew Ă€uĂerst unwahrscheinlich. FĂŒr den Kreml wĂŒrde dies einen Sicherheitsalptraum darstellen, und politisch kĂ€me es einer Unterwerfung unter ukrainische Forderungen gleich. Die Symbolik eines solchen Schrittes wĂ€re verheerend fĂŒr Putins Image als starker FĂŒhrer, der die "Spezialoperation" in der Ukraine leitet.
GerĂŒchte ĂŒber Selenskyjs politische Zukunft
Parallel zu diesem diplomatischen Schlagabtausch mehren sich in russischen Staatsmedien Berichte ĂŒber angebliche westliche PlĂ€ne, Selenskyj zu ersetzen. Als möglicher Nachfolger wird dabei General Waleri Saluschnyj gehandelt, der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen StreitkrĂ€fte, den Selenskyj im vergangenen Jahr entlieĂ und als Botschafter nach London abschob.
Russische Medien, allen voran die Nachrichtenagentur TASS, berichten von einem angeblichen "Triumvirat" bestehend aus Andrij Jermak (Leiter des ukrainischen PrĂ€sidialamtes), Kyrylo Budanow (Chef des MilitĂ€rgeheimdienstes) und General Saluschnyj, das gemeinsam mit den USA und GroĂbritannien an Selenskyjs Ablösung arbeiten soll.
Ukrainische Dementis und westliche UnterstĂŒtzung
Die ukrainischen Medien weisen diese Berichte als russische Kriegspropaganda zurĂŒck. TatsĂ€chlich deutet wenig darauf hin, dass Selenskyjs Position akut gefĂ€hrdet wĂ€re. Sein jĂŒngster Auftritt in Paris bei einer Verteidigungskonferenz an der Seite von PrĂ€sident Macron sowie die Vorbereitung eines Plans fĂŒr "Sicherheitsgarantien" mit NATO-VerbĂŒndeten sprechen eher fĂŒr eine gefestigte Position.
Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass die militĂ€rische Lage der Ukraine seit Saluschnyjs Entlassung schwieriger geworden ist. Berichte des Wall Street Journal und anderer westlicher Medien zeichnen ein dĂŒsteres Bild der ukrainischen Kampfkraft, was durchaus Fragen nach der militĂ€rischen FĂŒhrung aufwirft.
Die Legitimationsfrage als politisches Kampfmittel
Putin hat Selenskyj wiederholt als "illegitim" bezeichnet â eine Rhetorik, die darauf abzielt, die AutoritĂ€t des ukrainischen PrĂ€sidenten zu untergraben. Dennoch scheint er bereit zu sein, mit ihm zu verhandeln, was die WidersprĂŒchlichkeit der russischen Position offenbart.
Die gegenseitigen Einladungen nach Moskau beziehungsweise Kiew erscheinen vor diesem Hintergrund eher als diplomatisches Schattenboxen denn als ernsthafte Verhandlungsangebote. Beide Seiten wissen, dass die jeweils andere die Einladung ablehnen wird, nutzen aber die Gelegenheit, sich als verhandlungsbereit darzustellen.
"Ich kann nicht in die Hauptstadt dieses Terroristen gehen" â mit diesen Worten hat Selenskyj eine rote Linie gezogen, die deutlich macht, wie weit beide Seiten von echten Friedensverhandlungen entfernt sind.
Solange beide PrĂ€sidenten auf maximalistischen Positionen beharren und sich gegenseitig die LegitimitĂ€t absprechen, bleiben die Aussichten auf eine diplomatische Lösung des Konflikts dĂŒster. Die verhĂ€rteten Fronten zeigen sich exemplarisch in diesem gescheiterten Versuch, auch nur einen Ort fĂŒr mögliche GesprĂ€che zu finden.
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