
Merz' Verbrenner-Versprechen: Viel Rauch, wenig Feuer

Man könnte fast meinen, es handele sich um ein DĂ©jĂ -vu. Wieder einmal tritt Bundeskanzler Friedrich Merz vor die Kameras, wieder einmal fallen groĂe Worte wie âvollstĂ€ndige Technologieoffenheit", und wieder einmal bleibt am Ende wenig mehr als warme Luft ĂŒbrig. Bei der jĂŒngsten Zusammenkunft des Koalitionsausschusses in der Villa Borsig haben sich CDU/CSU und SPD auf angebliche MaĂnahmen zur Rettung der deutschen Automobilindustrie geeinigt. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Das Verbrenner-Aus bleibt im Kern unangetastet.
Kosmetik statt Kurskorrektur
Was genau hat die GroĂe Koalition also beschlossen? ZunĂ€chst einmal fordert man, die geplante VerschĂ€rfung des sogenannten âUtility Factors" auszusetzen. Dieser Faktor bestimmt, wie der elektrische Fahranteil von Plug-in-Hybriden bei der COâ-Berechnung gewichtet wird. Die EU plant, diesen Wert 2027 erneut nach unten zu korrigieren â was fĂŒr deutsche Hersteller empfindliche Strafzahlungen nach sich ziehen könnte. âWir sind uns einig, dass wir diese VerschĂ€rfung ablehnen", erklĂ€rte Merz in gewohnt staatsmĂ€nnischem Tonfall. Schön und gut â doch eine Ablehnung in Berlin ist noch lange keine Ănderung in BrĂŒssel.
DarĂŒber hinaus soll die Kompensationspflicht fĂŒr Mehremissionen oberhalb eines Zielwerts von 90 Prozent etwas gelockert werden. Klingt nach einem ZugestĂ€ndnis? Ist es kaum. Denn die grundsĂ€tzliche Pflicht zur 90-prozentigen COâ-Reduktion bleibt bestehen. Man dreht also an einem RĂ€dchen, wĂ€hrend das gesamte Getriebe in die falsche Richtung lĂ€uft.
E-Fuels: Die Fata Morgana der Automobilpolitik
Besonders bemerkenswert ist der VorstoĂ zu den sogenannten E-Fuels. Fahrzeuge, die ausschlieĂlich mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden, sollen kĂŒnftig als Nullemissionsfahrzeuge angerechnet werden können. Das klingt revolutionĂ€r â wĂ€re da nicht ein kleines Detail: E-Fuels existieren bislang praktisch nur im Labor und in den HochglanzbroschĂŒren der Lobbyisten. Eine industrielle Massenproduktion zu wettbewerbsfĂ€higen Preisen liegt in weiter Ferne. Wer also auf E-Fuels als Rettungsanker fĂŒr den Verbrennungsmotor setzt, der baut sein Haus auf Sand.
Die eigentliche Entlarvung des ganzen Schauspiels lieferte ausgerechnet SPD-BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas, die in der Pressekonferenz unmissverstĂ€ndlich klarstellte: Den âPfad der ElektromobilitĂ€t" werde man nicht verlassen. Deutlicher kann man die Grenzen der vermeintlichen Technologieoffenheit kaum markieren. Was Merz als groĂen Wurf verkauft, entpuppt sich bei nĂ€herer Betrachtung als das, was es ist: ein politisches Beruhigungsmittel fĂŒr eine zunehmend frustrierte WĂ€hlerschaft.
Der WĂ€hler wurde betrogen â schon wieder
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 hat eine Mehrheit der WĂ€hler Parteien ihre Stimme gegeben, die versprochen hatten, das Verbrenner-Aus zurĂŒckzunehmen. Nicht zu lockern, nicht zu entschĂ€rfen â zurĂŒckzunehmen. Was stattdessen geliefert wird, sind homöopathische Dosen symbolischer Politik, garniert mit markigen Worten, die einer ernsthaften ĂberprĂŒfung nicht standhalten.
Es ist ein Muster, das sich durch die gesamte bisherige Amtszeit dieser Koalition zieht. GroĂe AnkĂŒndigungen, minimale Ergebnisse. Ob beim 500-Milliarden-Sondervermögen, das kommende Generationen mit Schulden belastet, oder bei der Industriepolitik, die zwischen BrĂŒsseler Vorgaben und Berliner Lippenbekenntnissen zerrieben wird â der deutsche BĂŒrger bleibt am Ende der Dumme.
Die deutsche Autoindustrie braucht Taten, keine Phrasen
Die Lage der deutschen Automobilindustrie ist ernst. Tausende ArbeitsplĂ€tze stehen auf dem Spiel, ganze Zulieferketten drohen wegzubrechen, und der internationale Wettbewerb â insbesondere aus China â wartet nicht darauf, dass sich Berlin und BrĂŒssel auf halbherzige Kompromisse einigen. Was die Branche brĂ€uchte, wĂ€re eine echte ordnungspolitische Wende: die Abkehr von ideologiegetriebener Regulierung und eine RĂŒckkehr zu marktwirtschaftlichen Prinzipien. Stattdessen bekommt sie Placebos.
Dass ausgerechnet die CDU, die sich einst als Partei der Wirtschaft und des Mittelstands verstand, dieses Spiel mitspielt, ist besonders bitter. Unter Ursula von der Leyen als EU-KommissionsprĂ€sidentin und Manfred Weber als Vorsitzendem der stĂ€rksten EU-Parlamentsfraktion EVP â beide aus den Reihen der Union â wurden jene Regulierungen auf den Weg gebracht, gegen die man nun in Berlin so tapfer zu kĂ€mpfen vorgibt. Die Ironie könnte kaum gröĂer sein.
Der deutsche BĂŒrger, der auf sein Auto angewiesen ist â sei es fĂŒr den Weg zur Arbeit, den Familienausflug oder schlicht die tĂ€gliche MobilitĂ€t im lĂ€ndlichen Raum â hat ein Recht darauf, von seiner Regierung nicht mit leeren Versprechungen abgespeist zu werden. Doch genau das geschieht. Wieder einmal. Und man fragt sich unwillkĂŒrlich: Wie oft noch?









