
Magdeburg-Attentat als Bühnenstück: Wenn die Opfer zu Tätern umgedeutet werden

Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, der sich am vergangenen Samstag im Theater Magdeburg abgespielt hat. Anderthalb Jahre nach dem grauenhaften Anschlag auf den Weihnachtsmarkt der Landeshauptstadt, bei dem am 20. Dezember 2024 neun Menschen ihr Leben verloren und über 300 weitere zum Teil schwer verletzt wurden, feierte das Stück „Wunde Stadt" Premiere. Und wer geglaubt hatte, hier würde der Opfer in würdiger Weise gedacht, der dürfte angesichts der inhaltlichen Schwerpunktsetzung erstaunt die Stirn runzeln.
Wenn das Opfer-Narrativ verschoben wird
Im Zentrum des zweistündigen, pausenlosen Stücks stehen namenlose Figuren, die in einem Stuhlkreis von ihren Erfahrungen nach der Tat berichten. So weit, so nachvollziehbar. Doch eine der prominentesten Rollen ist ausgerechnet jene einer irakischen Krankenschwester, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt und deren Hauptleid nicht etwa der Anschlag selbst sei, sondern die angeblichen Rassismuserfahrungen, die sie danach durchleben müsse. Ihre Szenen werden auf Arabisch gespielt. Im vierten Akt verlässt sie die Stadt – sie überlege, nach Bochum oder gar nach Bagdad auszuwandern, wie die taz berichtet.
Der Satz „Ihr gehört hier nicht hin" wird ihr im Stück entgegengeschleudert. Sie sei wütend, weil sie Deutschland „ihr ganzes Leben geschenkt" habe. Eine bemerkenswerte Akzentverschiebung: Aus einem islamistisch konnotierten Anschlag mit über 300 Verletzten wird auf der Bühne ein Lehrstück über das vermeintliche Rassismusproblem der Deutschen.
Der Täter? Schweigt. Die Tat? Wird ausgeblendet.
Bezeichnend ist, was im Stück nicht vorkommt. Der Täter Taleb al-Abdulmohsen kommt nicht zu Wort. Die Tat selbst wird nicht dargestellt. Stattdessen widmet sich das Werk den „offenen Fragen": „Wie viel Wut kann in Trauer stecken? Wo hört die Wut auf, wo fängt das Ressentiment an?" Mit anderen Worten: Wer als Hinterbliebener fordert, der Attentäter möge erschossen werden – eine solche Figur kommt tatsächlich vor –, der wird gleich in den Verdacht des Ressentiments gerückt.
Autor Kevin Rittberger, vom Theater mit dem Text beauftragt, hat seine Vorlage auf Gesprächen mit Überlebenden und Betroffenen aufgebaut. Das Theater selbst kündigt an, einen Beitrag zur „diversen, solidarischen Stadtgesellschaft" leisten zu wollen. Man möchte fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre: Eine Stadt, in der ein Attentäter neun Menschen ermordet, soll sich gefälligst um ihre Diversität sorgen, statt um die Sicherheit ihrer Bürger.
Geschichtsklitterung mit Anlauf
Besonders dreist erscheint der Versuch, das Attentat in eine Reihe historischer „Wunden" Magdeburgs einzuordnen: dem Dreißigjährigen Krieg, der Pogromnacht 1938, den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs, den Trümmerfrauen. Eine solche Gleichsetzung ist nicht nur historisch fragwürdig, sondern verharmlost letztlich das, was wirklich geschehen ist: Ein Mann fuhr mit einem Auto gezielt in eine Menschenmenge auf einem deutschen Weihnachtsmarkt. Punkt.
Das Stück endet, wie könnte es anders sein, mit einer Utopie aus dem Jahr 2077: Magdeburg habe sich an den Klimawandel angepasst, neue Bäume seien gepflanzt worden, Kulturen aus China und dem Nahen Osten kämen friedlich zusammen. Klimawandel, Multikulti und Versöhnung – die obligatorische Trias jener urbanen Kulturschaffenden, die selbst angesichts eines Anschlags noch ihre ideologischen Hausaufgaben unterbringen müssen.
Wo bleibt das Gedenken an die echten Opfer?
Was bei alldem zu kurz kommt, ist offensichtlich: Die echten Opfer. Die Toten. Die schwer verletzten Familien. Die Kinder, die nie wieder einen Weihnachtsmarkt unbeschwert besuchen werden. Die Witwen, die Waisen. Stattdessen erleben sie auf der Bühne, wie ihr Schicksal instrumentalisiert wird, um eine Erzählung zu bedienen, die längst nicht mehr zur Lebensrealität vieler Deutscher passt.
Denn die Realität sieht anders aus. Die Kriminalitätsstatistik in Deutschland hat Rekordwerte erreicht. Messerangriffe, Auto-Attentate, Übergriffe – sie sind zur traurigen Normalität geworden. Die Bürger fühlen sich nicht sicher, und das aus gutem Grund. Wer in dieser Lage ein Theaterstück produziert, das vor allem das vermeintliche Rassismusproblem Deutschlands thematisiert, statt sich klar an die Seite der Opfer zu stellen, der hat den Ernst der Lage nicht begriffen – oder will ihn nicht begreifen.
Kunst als politisches Werkzeug
Das Theater Magdeburg, eine öffentliche Institution, die mit Steuergeldern der Bürger finanziert wird, hätte die Chance gehabt, ein würdiges Mahnmal zu schaffen. Ein Ort der Trauer, der Erinnerung, der Empathie mit den Opfern. Stattdessen entstand ein Stück, das die Trauer der Hinterbliebenen unter Generalverdacht stellt, sobald sie sich zur Wut wandelt. Ein Stück, das die Sorgen um die innere Sicherheit pathologisiert. Ein Stück, das im Zweifel mehr Mitgefühl für eine fiktive Figur aufbringt, die sich von angeblichen Rassismuserfahrungen bedrängt fühlt, als für die tatsächlichen Verletzten und Toten.
Es ist diese kulturelle Schieflage, gegen die ein wachsender Teil der deutschen Bevölkerung aufbegehrt. Es ist nicht allein die Meinung unserer Redaktion, dass die Prioritäten in diesem Land völlig durcheinandergeraten sind – es ist die Überzeugung eines beträchtlichen Anteils der Bürger, der sich von Politik, Medien und Kultur nicht mehr repräsentiert fühlt. Wer Opfer schützen will, muss zuerst die Täter benennen. Wer Wunden heilen will, darf sie nicht für ideologische Botschaften aufreißen.
In Zeiten, in denen weder die innere Sicherheit noch die kulturelle Souveränität des Landes verlässlich gewährleistet sind, gewinnt für viele Bürger der Gedanke an wertstabile Vermögenssicherung an Bedeutung. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber dienen seit Jahrtausenden als verlässliche Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio – ein stiller Anker in einer Zeit, in der vieles, was selbstverständlich schien, ins Wanken geraten ist.
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