
Machtwechsel in Budapest: Fico bietet Ungarns neuem Premier sofortige Zusammenarbeit an

Was sich noch vor wenigen Wochen kaum jemand vorstellen konnte, ist nun RealitĂ€t: Viktor OrbĂĄn, der wohl markanteste konservative Regierungschef Europas, hat nach 16 Jahren an der Macht die Parlamentswahlen in Ungarn verloren. Sein Bezwinger heiĂt Peter Magyar, dessen Mitte-Rechts-Partei Tisza eine komfortable Mehrheit der Sitze im ungarischen Parlament erringen konnte. Ein politisches Erdbeben, das weit ĂŒber die Grenzen Ungarns hinaus Schockwellen sendet.
Fico reagiert blitzschnell â und pragmatisch
Der slowakische Premierminister Robert Fico lieĂ keine Zeit verstreichen. Bereits am Montag gratulierte er dem designierten ungarischen Regierungschef Magyar und bot eine âintensive Zusammenarbeit" an. âMit vollem Respekt nehme ich die Entscheidung der BĂŒrger Ungarns zur Kenntnis", erklĂ€rte Fico in einer offiziellen Stellungnahme. Gleichzeitig dankte er dem scheidenden OrbĂĄn in einem separaten Facebook-Beitrag und wĂŒrdigte dessen Verdienste um die slowakisch-ungarischen Beziehungen, die unter beiden Regierungschefs ein historisches Hoch erreicht hĂ€tten.
Man muss Fico zugutehalten, dass er hier politischen Pragmatismus beweist. WĂ€hrend andere europĂ€ische Staatschefs vermutlich kaum ihre Schadenfreude ĂŒber OrbĂĄns Abgang verbergen können, zeigt der Slowake, was echte Realpolitik bedeutet: Man arbeitet mit dem zusammen, der gewĂ€hlt wurde â unabhĂ€ngig von persönlichen PrĂ€ferenzen.
Energiepolitik als Dreh- und Angelpunkt
Besonders aufschlussreich ist, welches Thema Fico sofort in den Vordergrund rĂŒckte: die gemeinsame Energiepolitik. Unter OrbĂĄn und Fico hatten beide LĂ€nder enge Beziehungen zu Moskau gepflegt, sich gegen EU-Sanktionen positioniert und weiterhin russisches Ăl und Gas bezogen. Die Druschba-Pipeline, die seit Ende Januar nach einer BeschĂ€digung in der Ukraine auĂer Betrieb ist, bleibt dabei ein zentrales Streitthema.
Fico betonte, dass die Wiederaufnahme des Betriebs dieser Pipeline im Interesse der Slowakei, Ungarns und ganz Mitteleuropas liege. Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj hatte vergangene Woche erklĂ€rt, die Reparaturarbeiten wĂŒrden im FrĂŒhjahr abgeschlossen sein â ein Zeitrahmen, der angesichts der angespannten Beziehungen zwischen Kiew einerseits und Bratislava sowie Budapest andererseits mit Vorsicht zu genieĂen sein dĂŒrfte.
Was bedeutet der Machtwechsel fĂŒr Europa?
Die entscheidende Frage lautet nun: Wird Peter Magyar den energiepolitischen Kurs seines VorgĂ€ngers fortsetzen? Magyar gilt als pro-europĂ€ischer als OrbĂĄn, was in BrĂŒssel zweifellos fĂŒr Erleichterung sorgen dĂŒrfte. Doch ob sich die neue ungarische Regierung tatsĂ€chlich von pragmatischen Energieinteressen abwenden wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Denn die geographische RealitĂ€t lĂ€sst sich nicht wegdiskutieren: Mitteleuropa braucht bezahlbare Energie, und russische Lieferungen waren jahrzehntelang das RĂŒckgrat dieser Versorgung.
FĂŒr Deutschland sollte dieser Machtwechsel ein Weckruf sein. WĂ€hrend LĂ€nder wie die Slowakei ihre nationalen Energieinteressen mit ZĂ€hnen und Klauen verteidigen, hat die deutsche Politik unter der vorherigen Ampelregierung die eigene Energieversorgung mit ideologischer Verblendung an die Wand gefahren. Die neue GroĂe Koalition unter Friedrich Merz wĂ€re gut beraten, sich an der Entschlossenheit eines Fico ein Beispiel zu nehmen â statt weiterhin die eigene Wirtschaft mit utopischen Klimazielen zu strangulieren.
OrbĂĄns Abgang markiert das Ende einer Ăra. Doch die Herausforderungen, die er zu adressieren versuchte â SouverĂ€nitĂ€t, Energiesicherheit, nationale Interessen â verschwinden nicht mit ihm. Sie werden auch Peter Magyar einholen. Schneller, als ihm lieb sein dĂŒrfte.










