
Links und rechts gegen BrĂŒssel: Zwei Frauen zerlegen die EU-Migrationspolitik

Sie könnten politisch kaum unterschiedlicher sein â und sprechen doch mit einer Stimme: Italiens MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni und DĂ€nemarks Regierungschefin Mette Frederiksen haben am Montag eine gemeinsame ErklĂ€rung zur Migration veröffentlicht. Verbreitet wurde sie ĂŒber soziale Netzwerke. Die Botschaft ist unmissverstĂ€ndlich: Unkontrollierte Zuwanderung nach Europa werde man nicht akzeptieren.
Eine Allianz, die es eigentlich nicht geben dĂŒrfte
Meloni fĂŒhrt die rechte Fratelli d'Italia. Frederiksen ist Sozialdemokratin â in Deutschland wĂ€re sie damit im Lager von Lars Klingbeil verortet. Ausgerechnet diese beiden schreiben nun gemeinsam, ungeachtet aller politischen Unterschiede verbinde sie der Wunsch, Europa und seine Werte zu schĂŒtzen.
Wer in Berlin noch glaubt, eine harte Migrationspolitik sei automatisch ein Projekt der politischen Rechten, dĂŒrfte in Kopenhagen eine unbequeme Lektion finden. DĂ€nemarks Sozialdemokraten haben ihren Kurs seit Jahren verschĂ€rft â und ihre Wahlergebnisse dabei nicht verloren.
KriminalitĂ€t, ĂŒberlastete Behörden, schwindendes Vertrauen
In der ErklĂ€rung fĂŒhren beide Regierungschefinnen laut Medienberichten drei Folgen illegaler Einwanderung an: steigende KriminalitĂ€tsraten, eine wachsende Belastung öffentlicher Dienstleistungen und einen Vertrauensverlust der BĂŒrger in den Staat. Besonders schwer wiege es demnach,
âwenn illegale Migranten, die kein Aufenthaltsrecht in unseren LĂ€ndern haben, Gewaltverbrechen begehen, mit Drogen handeln oder sich sexueller Gewalt schuldig machenâ.
Es sind SĂ€tze, die in Deutschland vermutlich sofort eine Debatte ĂŒber den Tonfall auslösen wĂŒrden â statt ĂŒber die Sache. Aus Sicht unserer Redaktion beschreiben sie schlicht das, was viele BĂŒrger in ihrem Alltag lĂ€ngst wahrnehmen: Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist hierzulande ein Rekordniveau bei der erfassten KriminalitĂ€t und einen deutlichen Anstieg bei Messerangriffen aus.
RĂŒckfĂŒhrungszentren: der Streitpunkt, der Europa spaltet
Konkret fordern Meloni und Frederiksen erneut sogenannte RĂŒckfĂŒhrungszentren auĂerhalb der EU. Dorthin sollen abgelehnte Asylbewerber gebracht werden, um sie von dort in ihre HerkunftslĂ€nder zurĂŒckzufĂŒhren. Deutschland treibt das Thema Berichten zufolge gemeinsam mit den Niederlanden, Ăsterreich, Griechenland und DĂ€nemark in einer Arbeitsgruppe voran.
Auch EVP-Chef Manfred Weber mahnt zur Eile. In einem Zeitungs-Gastbeitrag schrieb der CSU-Politiker, Europa mĂŒsse rasch âReturn-Hubsâ in Afrika verwirklichen; die EU habe mit Handel, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und legaler Migration erhebliche Angebote fĂŒr kooperationsbereite Staaten. Man dĂŒrfe nicht lĂ€nger auf den langsamsten Mitgliedstaat warten.
Ceuta als Weckruf â und der Riss im Schengen-Raum
Ausgelöst wurde die neue Debatte durch die VorgĂ€nge in der spanischen Exklave Ceuta. Ende Juli und Anfang August erreichten dort Berichten zufolge mehrere Zehntausend Menschen von Marokko aus das spanische Territorium â die meisten schwimmend. Die erwachsenen Migranten konnten demnach fast alle rasch zurĂŒckgeschickt werden.
Die politischen Folgen aber wirken weiter: Italien setzte Grenzkontrollen gegenĂŒber Spanien in Kraft, Madrid antwortete mit Kontrollen fĂŒr Reisende aus Italien. So sieht es aus, wenn ein Schengen-Raum ohne funktionierenden AuĂengrenzschutz von innen brĂŒchig wird.
Menschenrechtsorganisationen halten die AuslagerungsplĂ€ne fĂŒr hochproblematisch. UN-Menschenrechtskommissar Volker TĂŒrk erklĂ€rte, EU-Staaten könnten ihre menschenrechtlichen Verpflichtungen nicht an DrittlĂ€nder abgeben; es bestehe ein hohes Risiko von Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der irregulĂ€ren GrenzĂŒbertritte in die EU ist zuletzt deutlich gesunken â im Juni trat zudem der EU-Migrations- und Asylpakt mit strengeren AuĂengrenzkontrollen in Kraft.
Bleibt die Frage, die sich Berlin stellen lassen muss: Warum kommt der entscheidende Impuls aus Rom und Kopenhagen â und nicht aus der gröĂten Volkswirtschaft Europas?
- Themen:
- #Wahlen










