
Linken-Chef van Aken wirft das Handtuch – Gesundheit als Rückzugsgrund

Die ohnehin gebeutelte Linkspartei verliert ihren Frontmann: Jan van Aken, seit Oktober 2024 gemeinsam mit Ines Schwerdtner an der Spitze der Partei, hat am Mittwoch seinen Rückzug vom Parteivorsitz angekündigt. Als Begründung führt der Bundestagsabgeordnete gesundheitliche Probleme an. Es handele sich jedoch nicht um eine lebensbedrohliche Erkrankung, wie van Aken in einer Stellungnahme betonte. Man darf gespannt sein, ob hinter der offiziellen Begründung nicht doch mehr steckt, als der Öffentlichkeit mitgeteilt wird.
Das Mandat bleibt – natürlich
Bemerkenswert ist, was van Aken nicht aufgibt: sein Bundestagsmandat. Während er sich einerseits „verstärkt um seine Gesundheit kümmern" müsse, sieht er sich andererseits offenbar durchaus in der Lage, weiterhin als Abgeordneter im Deutschen Bundestag zu sitzen – mitsamt aller damit verbundenen Bezüge. Ein Muster, das man in der deutschen Politik nur allzu gut kennt. Man erinnere sich an Kevin Kühnert, der Ende 2024 ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen den SPD-Generalsekretärsposten räumte. Die Parallelen sind frappierend.
Bis zum Bundesparteitag der Linken im Juni werde van Aken sein Amt noch weiterführen, sich dann aber nicht erneut zur Wahl stellen – anders als ursprünglich geplant. Eine erneute Kandidatur komme nicht mehr in Frage. Was danach kommt, bleibt offen. Sicher ist nur: Die monatlichen Diäten fließen weiter.
Die Doppelmoral des politischen Betriebs
Dieser Vorgang wirft einmal mehr ein grelles Scheinwerferlicht auf die groteske Zweiklassengesellschaft im deutschen Arbeitsrecht. Während ein normaler Arbeitnehmer nach sechs Wochen Krankheit ins gekürzte Krankengeld rutscht und um seine Existenz bangen muss, können sich Berufspolitiker bequem aus der Verantwortung zurückziehen – ohne auch nur einen Cent einzubüßen. Der einfache Handwerker, die Krankenschwester, der Fabrikarbeiter: Sie alle würden bei einer vergleichbaren Situation finanziell unter Druck geraten. Für Bundestagsabgeordnete hingegen gilt offenbar ein anderes Naturgesetz.
Van Aken selbst zog in seiner Abschiedserklärung eine durchaus selbstgefällige Bilanz. Die Partei habe bei allen vier vergangenen Wahlen „deutlich zugelegt" und viele neue Mitglieder gewonnen. Tatsächlich führte das Duo van Aken und Heidi Reichinnek die Linke bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 überraschend auf fast neun Prozent – nachdem die Partei jahrelang unter der Fünf-Prozent-Hürde gedümpelt hatte. Was van Aken dabei geflissentlich unterschlägt: Bei den beiden darauffolgenden Landtagswahlen im März scheiterte seine Partei trotz leichter Zugewinne jeweils kläglich an eben jener Fünf-Prozent-Hürde.
Milliardäre abschaffen – die letzte Botschaft
Geradezu symptomatisch für den ideologischen Tunnelblick der Linkspartei mutet van Akens Schlusssatz an. Seine Stellungnahme beendete er mit dem Satz, er sei „noch immer der Meinung, dass es keine Milliardäre geben sollte". Eine Forderung, die er in den vergangenen Monaten gebetsmühlenartig in jedes Mikrofon gesprochen hatte. Während Deutschland mit einer schwächelnden Wirtschaft, explodierenden Energiekosten und einer zunehmend maroden Infrastruktur kämpft, beschäftigt sich der scheidende Linken-Chef lieber mit der Umverteilungsphantasie einer Partei, die historisch betrachtet noch nie ein funktionierendes Wirtschaftsmodell vorgelegt hat.
Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der Posten des Co-Vorsitzenden vermutlich mit einer weiteren Figur aus dem linken Funktionärskader besetzt werden wird – möglicherweise nach den üblichen Quotenregeln, die in dieser Partei seit jeher Kompetenz ersetzen. Ines Schwerdtner steht nun zunächst allein an der Spitze einer Partei, deren Zukunft trotz des Bundestagseinzugs alles andere als gesichert erscheint.
Ein Symptom des politischen Verfalls
Der Rücktritt van Akens ist mehr als eine Personalie. Er ist ein weiteres Symptom jenes schleichenden Verfalls, der die deutsche Parteienlandschaft seit Jahren prägt. Politiker, die kommen und gehen, Ämter niederlegen, aber Mandate behalten, Verantwortung abgeben, aber Privilegien sichern – das ist der Normalzustand einer politischen Klasse, die sich zunehmend vom Alltag der Bürger entfernt hat. Dass ausgerechnet ein Linken-Politiker, der sich stets als Anwalt der „kleinen Leute" inszenierte, dieses Spiel mitspielt, entbehrt nicht einer gewissen bitteren Ironie.
Deutschland braucht keine Politiker, die sich bei voller Bezahlung aus der Verantwortung stehlen. Deutschland braucht Volksvertreter, die mit derselben Härte und Konsequenz arbeiten, die sie von ihren Wählern tagtäglich erwarten. Doch davon scheint die Berliner Republik weiter entfernt denn je.
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