
Lauterbach windet sich bei Lanz: Wenn der Ex-Minister zum Komödianten wird
Es gibt Momente im deutschen Fernsehen, die bleiben hĂ€ngen. Nicht wegen ihrer politischen Brisanz, sondern weil sie unfreiwillig komisch sind. Ein solcher Moment ereignete sich am Donnerstagabend bei Markus Lanz, als Karl Lauterbach versuchte, sich aus der AffĂ€re um die Maskendeals seines VorgĂ€ngers Jens Spahn herauszuwinden. Der Moderator konnte sich vor Lachen kaum auf seinem Stuhl halten â und das will bei einem Thema, das den Steuerzahler möglicherweise weitere 3,7 Milliarden Euro kosten könnte, schon etwas heiĂen.
Das groĂe Herumdrucksen beginnt
"Ich bin heute echt nicht in der Sendung, um meine Nachfolgerin zu kritisieren", eröffnete Lauterbach seine Verteidigungsstrategie. Ein Satz, der bereits ahnen lieĂ, wohin die Reise gehen wĂŒrde: in die Welt der politischen WinkelzĂŒge und rhetorischen AusflĂŒchte. Der SPD-Politiker hatte einst selbst den Sonderbericht zu Spahns Maskendeals in Auftrag gegeben. Nun, da dieser Bericht mit mehr SchwĂ€rzungen als ein Geheimdokument der CIA veröffentlicht wurde, wollte er plötzlich nichts mehr damit zu tun haben.
Die Ironie der Situation entging auch Markus Lanz nicht. Als Lauterbach davon sprach, er habe einen Bericht "in klarer Sprache" gewollt, konnte sich der Moderator ein lautes Lachen nicht verkneifen. Klar wie Tinte auf schwarzem Papier, möchte man hinzufĂŒgen. Die zahlreichen SchwĂ€rzungen machten den Bericht etwa so transparent wie ein Kohlenkeller bei Stromausfall.
GedĂ€chtnislĂŒcken Ă la Lauterbach
Besonders pikant wurde es, als Lanz nach Lauterbachs eigener Rolle im Maskenskandal fragte. "Das muss selbst recherchiert werden", antwortete der Ex-Minister ausweichend. Auf die Nachfrage, was denn ĂŒber ihn selbst im Bericht stehe, kam die bemerkenswerte Antwort: "Ich weiĂ gar nicht, ob da so viel ĂŒber mich drinsteht." Dies, obwohl er zuvor noch behauptet hatte, den Bericht gelesen zu haben.
An diesem Punkt rutschte Lanz vor Lachen fast vom Stuhl. "So genau habe ich das auch nicht mehr im GedĂ€chtnis", schob Lauterbach nach. "Merken Sie selber, ne?", konterte Lanz trocken. Ein Schlagabtausch, der mehr ĂŒber den Zustand der deutschen Politik aussagt als jede Sonntagsrede.
Die Ablenkungsmanöver
Wenn die eigene Verteidigung nicht mehr greift, hilft nur noch der Angriff auf andere. Lauterbach versuchte es mit Olaf Scholz: Der Bundeskanzler habe als Minister BetrÀge genehmigt, "wo sich dann nachher herausgestellt hat, dass die Ware, die dagegenstand, das nicht wert war." Ramsch sei geliefert worden, hohe BetrÀge seien bezahlt worden. Doch auf die Frage nach Details kam prompt: "Die Details tun hier nichts zur Sache."
Ein bemerkenswertes VerstĂ€ndnis von Transparenz fĂŒr jemanden, der einst einen Bericht in "klarer Sprache" forderte. Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass weder Spahn noch Scholz, Merkel oder Lauterbach selbst fĂŒr den Bericht befragt wurden. Ein Untersuchungsbericht ohne Befragung der Hauptakteure â das ist ungefĂ€hr so sinnvoll wie eine Verkehrskontrolle ohne FĂŒhrerscheinkontrolle.
Die erschreckenden Zahlen hinter der Komödie
Bei aller unfreiwilligen Komik darf man die ernsten Fakten nicht vergessen: Spahn kaufte die 22-fache Menge an FFP2-Masken und die 20-fache Menge an OP-Masken. Von allen beschafften Masken ist bereits die HĂ€lfte vernichtet oder zur Vernichtung vorgesehen. Weniger als ein Drittel, etwa 1,7 Milliarden StĂŒck, wurden ĂŒberhaupt in Deutschland verteilt â und davon wurde wiederum nur ein Bruchteil tatsĂ€chlich verwendet.
Das Chaos beim sogenannten Open-House-Verfahren fĂŒhrte dazu, dass Spahn LiefervertrĂ€ge im Umfang von 6,4 Milliarden Euro abschloss â geplant waren ursprĂŒnglich 500 Millionen Euro. Eine Steigerung um das Zwölffache, die jeden HĂ€uslebauer in den Wahnsinn treiben wĂŒrde. Doch in der Politik scheint das business as usual zu sein.
Ein Sittenbild der deutschen Politik
Was bleibt von diesem denkwĂŒrdigen Auftritt? Ein Ex-Gesundheitsminister, der sich windet wie ein Aal auf dem Trockenen. Ein Moderator, der vor Lachen fast vom Stuhl fĂ€llt. Und ein Steuerzahler, der möglicherweise weitere Milliarden fĂŒr politische Fehlentscheidungen blechen muss.
Die Ampel-Koalition mag Geschichte sein, doch ihre Hinterlassenschaften beschĂ€ftigen uns noch immer. Die neue GroĂe Koalition unter Friedrich Merz hĂ€tte hier die Chance, endlich fĂŒr Transparenz zu sorgen. Doch wenn selbst die zustĂ€ndige Gesundheitsministerin den Bericht nur in geschwĂ€rzter Form veröffentlicht, scheint der Wille zur AufklĂ€rung begrenzt zu sein.
Lauterbachs Auftritt bei Lanz war mehr als nur ein unterhaltsamer Fernsehabend. Er war ein LehrstĂŒck darĂŒber, wie Politik in Deutschland funktioniert: Verantwortung wird herumgereicht wie eine heiĂe Kartoffel, niemand will gewesen sein, und am Ende zahlt der BĂŒrger die Zeche. WĂ€hrend Lauterbach sich in AusflĂŒchte verstrickte und Lanz sich vor Lachen bog, dĂŒrfte dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken geblieben sein. Denn die Pointe dieses schlechten Witzes sind wir alle â die Steuerzahler, die fĂŒr dieses teure Chaos aufkommen mĂŒssen.










