Kettner Edelmetalle
19.03.2026
19:58 Uhr

Lanxess im freien Fall: Chemie-Riese streicht hunderte Stellen – ein Symptom des deutschen Niedergangs

Lanxess im freien Fall: Chemie-Riese streicht hunderte Stellen – ein Symptom des deutschen Niedergangs

Es ist ein weiteres Kapitel in der traurigen Chronik der deutschen Deindustrialisierung: Der Spezialchemiekonzern Lanxess verzeichnet einen verheerenden Jahresverlust von 577 Millionen Euro und greift nun zum Rotstift. Bis Ende 2028 sollen 550 ArbeitsplĂ€tze wegfallen – zwei Drittel davon in Deutschland, vornehmlich an den Verwaltungsstandorten Köln und Leverkusen. Was sich hinter nĂŒchternen Bilanzzahlen verbirgt, ist nichts weniger als ein Alarmsignal fĂŒr den gesamten Wirtschaftsstandort.

Ein Verlust, der sich verdreifacht hat

Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Im Vergleich zum Vorjahr, als Lanxess bereits ein Minus von 177 Millionen Euro verbuchte, hat sich der Verlust mehr als verdreifacht. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern sackte um knapp 17 Prozent ab, der Umsatz schrumpfte um fast elf Prozent. Die Gewinnmarge erodierte von 9,6 auf magere 9 Prozent. Konzernchef Matthias Zachert sprach bei der Bilanzvorstellung von einem „extrem harten" Jahr – nicht nur fĂŒr Lanxess, sondern fĂŒr die gesamte Chemieindustrie.

Doch wer glaubt, hier handele es sich um ein konjunkturelles Gewitter, das vorĂŒberzieht, der irrt gewaltig. Die Produktionsanlagen des Konzerns liefen 2025 nur noch zu 65 Prozent ihrer KapazitĂ€t – zum Jahresende sogar darunter. Normalwerte liegen bei 80 bis 85 Prozent. Das ist keine Delle. Das ist ein struktureller Einbruch.

Die wahren Ursachen: Hausgemachte Standortnachteile

Zachert benennt die GrĂŒnde erstaunlich offen: anhaltend schwache Nachfrage, aggressiver Preisdruck aus Asien sowie – und hier wird es politisch brisant – die europĂ€ische CO₂-Bepreisung und exorbitant hohe Energiepreise. Besonders das Segment Advanced Intermediates, also Zwischenprodukte fĂŒr Lacke und Kunststoffe, wurde regelrecht zermalmt. Der operative Gewinn brach dort um 39 Prozent ein. Ausgerechnet dieses Segment ist stark in Deutschland verortet.

Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um die ZusammenhĂ€nge zu erkennen. WĂ€hrend asiatische Wettbewerber mit gĂŒnstiger Energie produzieren und ihre Marktanteile ausbauen, erstickt die deutsche Industrie unter einer ideologisch motivierten Energiepolitik, die den Standort systematisch verteuert. Die CO₂-Bepreisung, einst als Instrument des Klimaschutzes gepriesen, entpuppt sich zunehmend als Sargnagel fĂŒr die industrielle WettbewerbsfĂ€higkeit Europas – und Deutschlands im Besonderen.

SozialvertrĂ€glicher Abbau – ein frommer Wunsch?

Zachert betonte, der Stellenabbau solle „möglichst sozialvertrĂ€glich" vonstatten gehen. Man wolle vorrangig auf natĂŒrliche Fluktuation und demografische Effekte setzen. Seit der Abspaltung von Bayer im Jahr 2004 habe Lanxess nie betriebsbedingte KĂŒndigungen ausgesprochen. Man werde auch diese Krise „gemeinsam mit Gewerkschaften und BetriebsrĂ€ten meistern", versicherte der CEO.

Klingt beruhigend. Doch die RealitĂ€t sieht anders aus. TarifbeschĂ€ftigte haben bereits einer Reduzierung auf eine 35-Stunden-Woche mit entsprechender Gehaltsanpassung zugestimmt – de facto ein Gehaltsverzicht. Außertarifliche Mitarbeiter erhalten eine Nullrunde. Insgesamt bedeutet das einen Verzicht von rund 20 Millionen Euro bis Jahresende. Die Belegschaft zahlt also bereits jetzt den Preis fĂŒr eine Krise, die sie nicht verursacht hat.

Sparprogramm auf Sparprogramm – und kein Ende in Sicht

Der aktuelle Stellenabbau ist keineswegs die erste Sparmaßnahme. Bereits seit 2023 lĂ€uft das Programm „Forward!", das jĂ€hrlich 150 Millionen Euro einsparen soll. Seit August 2024 kommen Produktionsoptimierungen hinzu, die weitere 50 Millionen Euro pro Jahr bringen sollen. Der nun angekĂŒndigte Personalabbau soll zusĂ€tzliche 100 Millionen Euro einsparen. Zachert formulierte es so: „Wir steuern die Dinge, die wir steuern können."

Dieser Satz ist entlarvend. Denn er impliziert, dass die entscheidenden Stellschrauben – Energiepreise, regulatorische Belastungen, internationale Wettbewerbsbedingungen – eben gerade nicht in der Hand des Unternehmens liegen. Sie liegen in der Hand der Politik. Und genau dort versagt Deutschland seit Jahren auf ganzer Linie.

Die Aktie im Sturzflug

Die Börse quittierte die desaströsen Zahlen mit einem zweistelligen Kurseinbruch. Die Lanxess-Aktie nĂ€hert sich damit den TiefstĂ€nden von 2008 – dem Jahr der globalen Finanzkrise. FĂŒr 2026 erwartet der Konzern einen operativen Gewinn von 450 bis 550 Millionen Euro, was nicht einmal das Niveau von 2015 erreichen wĂŒrde. Der geplante Verkauf des Envalior-Anteils, der die Bilanz entlasten soll, verzögert sich zudem. Zachert gab sich diplomatisch: Es komme nicht auf das „Ob", sondern auf das „Wann" an. SpĂ€testens 2028 wolle man den Abschluss verkĂŒnden und rechne mit dreistelligen Millioneneinnahmen.

Ein Symptom der deutschen Krankheit

Lanxess ist kein Einzelfall. BASF, Bayer, Evonik – die Liste der deutschen Chemiekonzerne, die Stellen abbauen, Standorte verlagern oder ganze GeschĂ€ftsbereiche abstoßen, wird immer lĂ€nger. Die einst stolze deutsche Chemieindustrie, ĂŒber Jahrzehnte ein Garant fĂŒr Wohlstand und Innovation, befindet sich in einer existenziellen Krise. Und die Ursachen sind nicht in fernen MĂ€rkten zu suchen, sondern direkt vor der eigenen HaustĂŒr: in einer Energiepolitik, die Ideologie ĂŒber Pragmatismus stellt, in einer BĂŒrokratie, die jede unternehmerische Initiative im Keim erstickt, und in einer politischen Klasse, die den Ernst der Lage offenbar immer noch nicht begriffen hat.

Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar versprochen, den Wirtschaftsstandort zu stĂ€rken. Doch das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur wird die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten – wĂ€hrend die eigentlichen Probleme, nĂ€mlich die strukturelle Überlastung der Industrie durch Regulierung und Energiekosten, ungelöst bleiben. Solange sich daran nichts Ă€ndert, werden Meldungen wie diese von Lanxess keine Ausnahme bleiben, sondern zur traurigen NormalitĂ€t des deutschen Wirtschaftslebens.

In Zeiten wie diesen, in denen Industriewerte abstĂŒrzen und die Kaufkraft des Euro durch Inflation und Schuldenorgien erodiert, erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als verlĂ€sslicher Anker der Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Bilanzverluste, keine Stellenstreichungen und keine politisch verursachten Standortnachteile. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bieten sie genau jene StabilitĂ€t, die der deutsche Wirtschaftsstandort derzeit so schmerzlich vermissen lĂ€sst.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, sorgfĂ€ltiger Recherche basieren. Wir ĂŒbernehmen keine Haftung fĂŒr finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Beitrags getroffen werden.

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