
Krieg unter dem Deckmantel des Friedens: Wie Washington den Iran systematisch zermĂŒrbt

Wer glaubt, mit ein paar HandschlĂ€gen am Verhandlungstisch und dem freundlichen Diplomatensprech vom âMemorandum of Understandingâ sei der amerikanisch-iranische Konflikt beigelegt, der irrt gewaltig. Denn wĂ€hrend die Kameras auf lĂ€chelnde UnterhĂ€ndler gerichtet sind, lĂ€uft im Hintergrund die Kriegsmaschinerie unvermindert weiter. So jedenfalls die These des ehemaligen US-Marine-Geheimdienstoffiziers und geopolitischen Analysten Brian Berletic, der in einem aktuellen Beitrag ein bemerkenswert unbequemes Bild zeichnet.
Diplomatie als bloĂe Kulisse
Berletics zentrale Botschaft lautet: Die vermeintlichen FriedensbemĂŒhungen seien nichts weiter als eine Vorbereitung des Schlachtfeldes fĂŒr die nĂ€chste Runde der Eskalation. Seit ĂŒber zwei Jahrzehnten, so seine Analyse, betreibe Washington eine kohĂ€rente Strategie der Einkreisung â ein Netz aus Proxy-Kriegen, direkten und indirekten SchlĂ€gen gegen Teheran und dessen regionale VerbĂŒndete. Die jĂŒngsten Angriffe auf Hisbollah, Ansar Allah und irakische Milizen seien keine spontanen Reaktionen, sondern prĂ€zise Bausteine eines langfristigen Plans, der ein Ziel verfolge: die asymmetrische VerteidigungsfĂ€higkeit des Iran zu zertrĂŒmmern.
Man muss kein AnhĂ€nger des iranischen Regimes sein â und das sind wir gewiss nicht â, um die grundlegende Frage zu stellen, die sich hier aufdrĂ€ngt: Wie glaubwĂŒrdig ist eine Weltmacht, die am Verhandlungstisch VertrĂ€ge unterzeichnet und sie bei nĂ€chster Gelegenheit wieder in den ReiĂwolf wirft?
Ein Dokument, das die eigenen Karten offenlegt
Besonders pikant ist ein Beleg, den Berletic ins Feld fĂŒhrt: eine bereits im Jahr 2009 veröffentlichte Studie der RAND Corporation mit dem sprechenden Titel âDangerous But Not Omnipotentâ. Darin, so Berletic, hĂ€tten die amerikanischen Strategen selbst schwarz auf weiĂ festgehalten, dass Irans militĂ€rische Ausrichtung im Kern defensiv sei.
âIran verfĂŒgt ĂŒber eine schwache konventionelle Streitmacht. Die iranischen FĂŒhrer haben seit langem ihre Hinwendung zu einer asymmetrischen Strategie der Heimatverteidigung propagiert, die einem Eindringling unertrĂ€gliche Kosten zufĂŒgen wĂŒrde.â
Mit anderen Worten: Washington habe bereits vor eineinhalb Jahrzehnten gewusst, dass die iranischen BĂŒndnisse mit Gruppen wie Hisbollah und Hamas primĂ€r der eigenen Absicherung dienten â und eben nicht der globalen Aggression, wie es die westliche Ăffentlichkeit seit Jahren eingetrichtert bekomme. Die Studie beschreibe diese sogenannte âperiphere Strategieâ als Versuch, der Heimatverteidigung strategische Tiefe zu verleihen, indem ein möglicher Konflikt tief ins feindliche Lager getragen werde.
Ăl, Gas und die Deindustrialisierung der Konkurrenz
Doch es geht laut Berletic um weit mehr als um den Iran allein. Der eigentliche Preis, um den gepokert werde, sei die Energieversorgung ganz Asiens â allen voran Chinas. Durch die Kontrolle westasiatischer Ăl- und Gasströme und deren kĂŒnstliche Verknappung könnten KonkurrenzlĂ€nder gezielt in wirtschaftliche BedrĂ€ngnis gebracht und ihre Industrien geschwĂ€cht werden. Ein durchtriebenes Spiel, dessen KollateralschĂ€den am Ende auch auf einem Kontinent landen dĂŒrften, der ohnehin schon energiepolitisch am Boden liegt: Europa.
Und hier wird die Angelegenheit auch fĂŒr den deutschen BĂŒrger brandgefĂ€hrlich. Denn wĂ€hrend Berlin sich in ideologischen GrabenkĂ€mpfen ĂŒber WĂ€rmepumpen und Verbrennerverbote verzettelt, entscheidet sich anderswo, ob und zu welchem Preis ĂŒberhaupt noch Energie flieĂt. Ein Land, das seine sichere Kernkraft freiwillig abgeschaltet und sich in völlige AbhĂ€ngigkeit begeben hat, ist im geopolitischen Poker kaum mehr als ein zitternder Zuschauer am Spieltisch.
Die Grenzen der amerikanischen Allmacht
Trotz all dieser massiven Anstrengungen erkennt Berletic durchaus Grenzen der US-Vormachtstellung. Die Politik des âmaximum pressureâ bringe nicht die erhofften FrĂŒchte, der iranische Widerstand halte stand. Die Welt, so seine Diagnose, stehe an einem Scheideweg: Entweder ordne sie sich weiterhin der amerikanischen Dominanz mitsamt ihren destabilisierenden Folgen unter, oder sie entwickle kollektive Mechanismen, um derartige Aggressionen einzuhegen. Der aktuelle Konflikt sei kein isolierter Zwischenfall, sondern ein Testfall fĂŒr den Ăbergang in eine multipolare Weltordnung.
Was das fĂŒr den Anleger bedeutet
FĂŒr den vorausschauenden BĂŒrger ist die Lehre so alt wie eindeutig: In Zeiten geopolitischer Verwerfungen, gebrochener VertrĂ€ge und unkalkulierbarer Machtspiele hat sich physisches Edelmetall ĂŒber Jahrhunderte als das bewĂ€hrt, was Papierversprechen niemals sein können â ein greifbarer, krisenfester Wertspeicher. Gold und Silber fragen nicht nach Sanktionslisten, kennen keine Gegenparteirisiken und lassen sich von keinem PrĂ€sidenten per Federstrich entwerten. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen bieten sie jene StabilitĂ€t, die eine zunehmend zerrissene Welt so schmerzlich vermissen lĂ€sst.
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