
Krawall-Samstag in Paris: Rentnerpaar (80) bis auf Unterwäsche beraubt?

Plünderungen, Feuer, Straßenschlachten – und mittendrin zwei wehrlose Senioren. Bei den schweren Ausschreitungen in Paris am Samstag soll ein etwa 80 Jahre altes Ehepaar an der Place de la République von Randalierern überfallen worden sein. Wie die französische Zeitung Le Parisien unter Berufung auf eine Polizeiquelle berichtet, hätten die beiden danach nur noch in Unterwäsche auf der Straße gestanden.
Was über den Überfall bekannt ist
Auch beim Nachrichtensender BFMTV war der Fall am Samstagabend Thema. Der Polizei- und Justizexperte Dominique Rizet erklärte dort, Polizisten hätten ihm Nachrichten geschickt. Demnach sei das Paar angegriffen und seiner Wertsachen beraubt worden. Hinterher hätten die beiden fast nackt auf dem Platz gestanden.
Wichtig ist allerdings: Offiziell bestätigt ist der Vorfall bislang nicht. Am Sonntag tauchten auf X angebliche Fotos auf. Nutzer wiesen jedoch darauf hin, dass es sich um ältere Bilder von früheren Demonstrationen handeln soll. Ob die Senioren verletzt wurden und ob es Festnahmen gab, ist nicht bekannt.
Doch selbst wenn sich Einzelheiten noch ändern sollten: Schon dass solche Berichte aus Polizeikreisen kommen, zeigt, wie sehr die Lage am Samstag außer Kontrolle geraten war.
Ein Land im Ausnahmezustand
Eigentlich hatten Gelbwesten, Gewerkschaften, Schüler und Studenten zu einem landesweiten Protesttag gegen die hohen Lebenshaltungskosten aufgerufen. Laut Innenministerium gingen rund 550.000 Menschen auf die Straße, die Gewerkschaft CGT spricht von 800.000. Viele von ihnen demonstrierten friedlich. In Paris, Lyon und Marseille aber versanken ganze Viertel im Chaos.
Die Bilanz ist verheerend. Allein im Großraum Paris nahm die Polizei nach Angaben der Präfektur 855 Menschen fest. Landesweit sollen es nach jüngsten Regierungsangaben rund 1.800 Festnahmen sein. Etwa 500 Polizisten und Feuerwehrleute sollen verletzt worden sein. Im zentralfranzösischen Limoges ging das historische Rathaus in Flammen auf. Medienberichten zufolge gab es auch unter den Demonstranten Verletzte.
Ein Premier spricht von einem Wendepunkt
Premierminister Sébastien Lecornu beklagte ein „entsetzliches Ausmaß an Gewalt“. Seiner Darstellung nach habe die Polizei einer gut organisierten, besonders gewalttätigen Ultralinken gegenübergestanden, die gezielt Élysée-Palast, Regierungssitz und Nationalversammlung ins Visier genommen habe. Laut Le Figaro wurde er sehr deutlich:
„Es ist an der Zeit, Partei zu ergreifen. Entweder für die Republik oder für die Randalierer.“
Justizminister Gérald Darmanin forderte die Staatsanwälte auf, „äußerst entschieden“ vorzugehen. Wer Polizisten oder Feuerwehrleute angegriffen oder öffentliche Gebäude und Geschäfte attackiert habe, solle nach seinem Willen in Untersuchungshaft kommen.
Der Staat und seine Schwächsten
Es sind große Worte. Aber kommen sie nicht reichlich spät? Frankreich kennt solche Bilder seit Jahren: die Gelbwesten-Krawalle ab 2018, die Unruhen in den Vorstädten im Sommer 2023. Und jedes Mal versprach Paris danach, hart durchzugreifen.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das Bild der beiden Senioren ein bitteres Sinnbild. Ein Rechtsstaat muss sich daran messen lassen, ob er die Schwächsten schützen kann. Wenn sich ein 80-jähriges Paar mitten in der Hauptstadt nicht mehr sicher über einen Platz bewegen kann, hat der Staat dort sein wichtigstes Versprechen gebrochen.
Das betrifft längst nicht nur Frankreich. Proteste gab es am Wochenende auch in Belgien, Portugal und Italien. Und in Deutschland wachsen ebenfalls der Frust über steigende Preise und die Sorge um die innere Sicherheit. Viele Bürger dürften sich fragen, ob die Politik hierzulande aus den Pariser Bildern lernt – oder erst dann reagiert, wenn es auch bei uns brennt.
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