
Koks-Alarm in NRW: KlinikfÀlle steigen, Straftaten verdreifacht

In Nordrhein-Westfalen landen immer mehr Menschen nach Kokainkonsum im Krankenhaus. Parallel dazu hat sich die Zahl der erfassten Straftaten rund um Kokain und Crack binnen zehn Jahren verdreifacht. Das geht aus einer Datenauswertung eines öffentlich-rechtlichen Radiosenders hervor, ĂŒber die am 31. August 2026 berichtet wurde.
Die Zahlen zeichnen das Bild eines Landes, in dem eine der hĂ€rtesten Drogen lĂ€ngst im Alltag angekommen ist â von der Kleinstadt bis zur Metropole.
Duisburg, Krefeld, Leverkusen: Die Kurven kennen nur eine Richtung
Die meisten kokainbedingten Klinikaufenthalte je 100.000 Einwohner verzeichnen dem Bericht zufolge Hagen, Köln und Dortmund. Besonders drastisch fÀllt die Entwicklung anderswo aus: In Duisburg verachtfachten sich die FÀlle binnen zehn Jahren, in Krefeld und Leverkusen versiebenfachten sie sich.
Nur eine einzige Kommune schert aus dem Trend aus â in Herford gehen die Zahlen zurĂŒck. Ein AusreiĂer, der die Wucht des Gesamtbildes eher unterstreicht als relativiert.
Bei den Straftaten registrierte die Polizei laut der im April 2026 veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik fĂŒr das Jahr 2025 rund 7.500 Delikte im Zusammenhang mit Kokain und Crack â dreimal so viele wie zehn Jahre zuvor. Erfasst werden dabei Besitz ebenso wie Handel, Herstellung und Schmuggel.
Warum die Statistik mit Vorsicht zu lesen ist
Wichtig fĂŒr die Einordnung: Die Statistik bildet nur bekannt gewordene FĂ€lle ab. Ob es spĂ€ter zu Verurteilungen kommt, geht daraus nicht hervor â die Unschuldsvermutung gilt. Auch intensivere Kontrollen können die Zahlen nach oben treiben.
Genau das fĂŒhrt das Landeskriminalamt NRW als einen Grund an: Die Polizei kontrolliere verstĂ€rkt. Zugleich sei Kokain schlicht leichter verfĂŒgbar. Den gröĂten Sprung gab es demnach von 2022 auf 2023, als die Delikte binnen eines Jahres um 25 Prozent zulegten.
Von der Luxusdroge zur Alltagsdroge
FĂŒr Barbara Schneider, ChefĂ€rztin fĂŒr AbhĂ€ngigkeitserkrankungen an der LVR-Klinik in Köln, ist die VerfĂŒgbarkeit der SchlĂŒssel. Die Substanz mĂŒsse stĂ€ndig greifbar sein, sonst könne man von ihr gar nicht abhĂ€ngig werden, so ihre EinschĂ€tzung.
Felix Strobach von der Jugendsuchtberatung der Drogenhilfe Köln beschreibt einen Kulturwandel:
âDas ist mittlerweile eine ganz normale Partydroge oder auch in vielen FĂ€llen eine ganz normale Alltagsdroge.â
Viele Konsumenten gingen nach seiner Wahrnehmung erstaunlich unbedarft an die Substanz heran und schĂ€tzten sie anders ein als andere Drogen. Es gehe um HochgefĂŒhle â und um einen Ausgleich zu Frust und Stress. In den BeratungsgesprĂ€chen falle ein hoher Leistungsdruck auf.
Europas HĂ€fen als Einfallstor â und die Politik schaut zu
Der NRW-Befund ist kein Sonderfall. Die EU-Drogenagentur EUDA meldete fĂŒr 2023 das siebte Rekordjahr in Folge bei Kokain-Sicherstellungen: rund 419 Tonnen europaweit, davon 43 Tonnen in Deutschland. Allein im Hamburger Hafen wurden in jenem Jahr 25 Tonnen aus dem Verkehr gezogen â doppelt so viel wie 2022.
Kokain ist laut EUDA inzwischen die am hĂ€ufigsten gemeldete Substanz bei akuten VergiftungsfĂ€llen in Notaufnahmen. Aus Sicht unserer Redaktion offenbart das ein politisches Versagen mit Ansage: Wer ContainerhĂ€fen, Grenzen und Lieferketten nicht wirksam kontrolliert, ĂŒberlĂ€sst organisierten Banden ein MilliardengeschĂ€ft â und der Gesellschaft die Rechnung in Form von Klinikbetten, PolizeieinsĂ€tzen und zerstörten Biografien.
Kritiker der deutschen Drogenpolitik fragen deshalb zu Recht, warum bei PrĂ€vention, Grenzschutz und Strafverfolgung seit Jahren mehr angekĂŒndigt als geliefert wird. Die Zahlen aus Nordrhein-Westfalen sind ein Alarmsignal â kein Detail fĂŒr Fachdebatten.
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