Kettner Edelmetalle
14.10.2024
06:12 Uhr

KI-Revolution im Bankensektor: Bedrohung oder Chance?

Die fortschreitende Digitalisierung und der Einsatz von kĂŒnstlicher Intelligenz (KI) haben den Bankensektor fest im Griff. Immer mehr europĂ€ische Kreditinstitute setzen auf KI-Tools, um Prozesse zu automatisieren und die ProduktivitĂ€t zu steigern. Doch dieser technologische Fortschritt hat auch seine Schattenseiten: Zigtausende ArbeitsplĂ€tze sind bedroht.

Italienische BPER Banca reduziert massiv Personal

Ein prominentes Beispiel fĂŒr diesen Wandel ist die italienische BPER Banca. Das Institut plant, bis 2027 rund 2.000 Stellen abzubauen – etwa zehn Prozent der Belegschaft. Ermöglicht wird dies durch „KI/GenAI-basierte Prozessoptimierung und -automatisierung“. Der Personalabbau soll durch freiwillige Austritte und natĂŒrliche Fluktuation erfolgen. Zudem wird der Filialvertrieb zunehmend auf digitale KanĂ€le verlagert.

Citigroup sieht Bankensektor am stÀrksten betroffen

Auch die US-Bank Citigroup treibt den Einsatz von KI voran und erwartet, dass der Bankensektor stÀrker betroffen sein wird als andere Branchen. Laut einer Citi-Studie haben 54 Prozent der ArbeitsplÀtze im Bankensektor ein hohes Automatisierungspotenzial durch KI. David Griffiths, Technologiechef der Citigroup, betont, dass generative KI das Potenzial habe, den Bankensektor zu revolutionieren und die RentabilitÀt zu verbessern.

VielfÀltige Einsatzmöglichkeiten von KI

Die Einsatzmöglichkeiten von KI in Banken sind vielfĂ€ltig. Ein Schwerpunkt liegt im Kundenservice. Das Fintech Revolut nutzt KI, um mehr als 30 Prozent aller Kundenchats zu erfassen. Francesca Carlesi von Revolut geht davon aus, dass in ein paar Jahren vielleicht 80 Prozent der Kundeninteraktionen ĂŒber KI abgewickelt werden könnten.

Auch im Investmentbanking findet KI Anwendung. Die Schweizer UBS hat ein Tool entwickelt, das potenziellen Kunden M&A-Deals vorschlĂ€gt, indem es in Sekundenschnelle eine Datenbank mit mehr als 300.000 Unternehmen analysiert. Die Deutsche Bank nutzt KI zur Analyse der Portfolios vermögender Kunden, wĂ€hrend die niederlĂ€ndische ING KI zur FrĂŒherkennung von ZahlungsausfĂ€llen einsetzt.

Enorme ProduktivitÀtssteigerungen erwartet

Die Banken versprechen sich von KI enorme ProduktivitĂ€tssteigerungen. Laut der Citigroup-Studie könnte die Technologie bis 2028 bis zu 170 Milliarden US-Dollar zusĂ€tzlich in die Kassen des Bankensektors spĂŒlen. JPMorgan-Chef Jamie Dimon geht sogar davon aus, dass KI die Wochenarbeitszeit auf nur noch 3,5 Tage reduzieren könnte.

Neue Herausforderungen bei der Rekrutierung

Der KI-getriebene Wandel stellt Banken auch bei der Rekrutierung vor neue Herausforderungen. Der Einsatz von KI erfordert FĂ€higkeiten, die bei den bestehenden Mitarbeitern oft nicht vorhanden sind. Die niederlĂ€ndische ING hat daher einen Experten mit einem Doktortitel in maschinellem Lernen eingestellt, um KI fĂŒr den Devisenhandel zu entwickeln. Die spanische CaixaBank plant sogar den Aufbau eines Teams aus Hunderten von KI- und IT-Experten.

Obwohl KI ArbeitsplĂ€tze kosten wird, rechnet die Citigroup nicht mit einem kompletten Stellenabbau. Banken werden eine Schar von KI-Managern und auf KI spezialisierte Compliance-Beauftragte einstellen mĂŒssen, die den regelkonformen Einsatz der Technologie ĂŒberwachen. Die italienische BPER Banca plant, bis 2027 1.100 neue Mitarbeiter in strategischen Bereichen wie IT einzustellen, wĂ€hrend 3.100 Stellen abgebaut werden.

Der Arbeitsmarkt im Bankensektor wird sich radikal verÀndern, aber nicht gÀnzlich verschwinden. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Wandel auf die Gesellschaft und die Wirtschaft auswirken wird.

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