Kettner Edelmetalle
06.09.2025
09:40 Uhr

Israel forciert Gaza-Offensive: Hunderttausende vor erneuter Vertreibung

Die israelische Armee hat am Samstag alle Bewohner von Gaza-Stadt aufgefordert, ihre HĂ€user zu verlassen und in den SĂŒden zu fliehen. Diese Anordnung erfolgt, wĂ€hrend israelische StreitkrĂ€fte immer tiefer in das grĂ¶ĂŸte urbane Zentrum des Gazastreifens vordringen. Was als "humanitĂ€re Evakuierung" verkauft wird, entpuppt sich als weitere Eskalation eines Konflikts, der bereits zehntausende Menschenleben gefordert hat.

Netanjahus umstrittener Befehl

Premierminister Benjamin Netanjahu hatte die Eroberung von Gaza-Stadt befohlen - und das gegen den ausdrĂŒcklichen Rat der israelischen MilitĂ€rfĂŒhrung, wie israelische Offizielle bestĂ€tigen. Der rechtsgerichtete Regierungschef, gestĂŒtzt von seinen Koalitionspartnern, sieht in der Stadt eine Hamas-Hochburg, deren Einnahme fĂŒr die Niederschlagung der palĂ€stinensischen Islamisten unerlĂ€sslich sei.

Die MilitĂ€rfĂŒhrung zeigte sich skeptisch, fĂŒgte sich aber dem politischen Druck. Zehntausende Reservisten wurden einberufen, um die Operation zu unterstĂŒtzen. Nach eigenen Angaben kontrolliert Israel mittlerweile etwa 75 Prozent des gesamten Gazastreifens und fast die HĂ€lfte von Gaza-Stadt.

Massenvertreibung als Kriegsstrategie?

Vor dem Krieg lebten rund eine Million Menschen in Gaza-Stadt - fast die HĂ€lfte der Gesamtbevölkerung des Gazastreifens. Viele der jetzigen Bewohner wurden bereits frĂŒher im Krieg vertrieben und kehrten spĂ€ter zurĂŒck. Nun sollen sie erneut fliehen - in eine sogenannte "humanitĂ€re Zone" an der KĂŒste von Khan Younis im SĂŒden.

"Die Bewohner wĂŒrden dort Nahrung, medizinische Versorgung und UnterkĂŒnfte erhalten", versicherte MilitĂ€rsprecher Avichay Adraee ĂŒber die Plattform X.

Doch viele PalĂ€stinenser weigern sich, ein weiteres Mal vertrieben zu werden. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass "sichere Zonen" oft alles andere als sicher sind. Die schweren Luftangriffe der vergangenen Wochen, bei denen israelische StreitkrĂ€fte bis auf wenige Kilometer an das Stadtzentrum heranrĂŒckten, sprechen eine deutliche Sprache.

Diplomatische Isolation und innenpolitischer Druck

Der Krieg hat Israel zunehmend in die diplomatische Isolation getrieben. Selbst engste VerbĂŒndete verurteilen mittlerweile die Kampagne, die das kleine Territorium verwĂŒstet und eine humanitĂ€re Katastrophe ausgelöst hat. Die Zahlen sind erschĂŒtternd: Mehr als 64.000 PalĂ€stinenser wurden nach Angaben lokaler Gesundheitsbehörden getötet, weite Teile des Gazastreifens liegen in TrĂŒmmern.

Gleichzeitig wĂ€chst der Druck innerhalb Israels. Familien der verbliebenen 48 Geiseln - von denen vermutlich nur 20 noch am Leben sind - fordern ein diplomatisches Abkommen zur Freilassung ihrer Angehörigen. Netanjahu beharrt jedoch auf einer Alles-oder-Nichts-Lösung: Alle Geiseln mĂŒssten auf einmal freigelassen werden, und die Hamas mĂŒsse sich ergeben.

Gescheiterte Verhandlungen

Die Hamas hat angeboten, einige Geiseln gegen einen temporÀren Waffenstillstand freizulassen - Àhnliche Bedingungen wurden bereits im Juli diskutiert, bevor die von den USA und arabischen Staaten vermittelten Verhandlungen scheiterten. US-PrÀsident Donald Trump erklÀrte am Freitag, Washington befinde sich in "sehr tiefen" Verhandlungen mit den palÀstinensischen Militanten.

Die Hamas, die Gaza fast zwei Jahrzehnte lang regierte, kontrolliert heute nur noch Teile des Gebiets. Sie hat wiederholt erklĂ€rt, alle Geiseln freizulassen, wenn Israel dem Krieg ein Ende setze und alle Truppen aus Gaza abziehe. Doch Verteidigungsminister Israel Katz stellte am Freitag klar: Die MilitĂ€roperationen wĂŒrden sich intensivieren, bis die Hamas Israels Bedingungen akzeptiere - die Freilassung der Geiseln und die Entwaffnung. Andernfalls werde die Gruppe zerstört.

Ein Krieg ohne Sieger

Fast zwei Jahre nach dem verheerenden Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1.200 Menschen getötet und 251 als Geiseln verschleppt wurden, scheint eine Lösung ferner denn je. Die israelische MilitĂ€rfĂŒhrung gibt an, viele Hamas-FĂŒhrer und tausende KĂ€mpfer getötet zu haben, wodurch die Gruppe auf eine Guerillatruppe reduziert worden sei.

Doch was als militĂ€rischer Erfolg verkauft wird, offenbart sich als humanitĂ€re Katastrophe epischen Ausmaßes. Die erneute Vertreibung hunderttausender Menschen aus Gaza-Stadt wirft die Frage auf, ob hier nicht systematisch Fakten geschaffen werden sollen, die weit ĂŒber die proklamierten Sicherheitsziele hinausgehen.

Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, wie sie auf diese Eskalation reagieren soll. WĂ€hrend die einen von notwendiger Selbstverteidigung sprechen, sehen andere eine unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸige Kollektivbestrafung der palĂ€stinensischen Zivilbevölkerung. In dieser verfahrenen Situation scheint nur eines sicher: Ohne einen grundlegenden Kurswechsel wird das Leiden auf beiden Seiten weitergehen - mit unabsehbaren Folgen fĂŒr die gesamte Region.

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