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08.10.2026
15:05 Uhr
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Hybridkrieg-Alarm: Wie viel Beweis steckt hinter der Russland-Angst?

Hybridkrieg-Alarm: Wie viel Beweis steckt hinter der Russland-Angst?
Symbolbild: KI-generiert

Drohnen ĂŒber FlughĂ€fen, BrĂ€nde, KabelschĂ€den: Fast tĂ€glich verbinden Politiker und Medien in Europa neue VorfĂ€lle mit einem angeblichen russischen „Hybridkrieg“. Am 7. Oktober 2026 hat der italienische Publizist Thomas Fazi die Belege dafĂŒr ausfĂŒhrlich geprĂŒft. Er kommt zu einem unbequemen Ergebnis: Viele Alarme hielten einer genaueren PrĂŒfung nicht stand.

Fazi bestreitet nicht, dass Moskau Geheimdienste, Cyberoperationen und bezahlte MittelsmÀnner einsetzt. Er fragt aber, ob die öffentlich bekannten Beweise das Bild eines umfassenden Angriffs auf Europa wirklich tragen.

ZĂ€hlungen zwischen 52 und ĂŒber 500 VorfĂ€llen

Schon die Zahlen gehen weit auseinander. Je nach Bericht soll Russland seit Februar 2022 zwischen 52 und 255 hybride Angriffe in Europa verĂŒbt haben. Das ist ein Unterschied um das FĂŒnffache, obwohl es um dieselbe Kampagne gehen soll. Ein Tracker aus Kiew kommt sogar auf mehr als 500 VorfĂ€lle, die Russland „zugeschrieben“ werden oder einem bestimmten „Muster“ entsprechen.

Der Grund liegt in den Definitionen. Selbst das Londoner Institut IISS nennt Hybridkrieg einen „amorphen Begriff“. Laut Fazi stĂŒtzen sich viele Datenbanken vor allem auf Presseberichte. Darin heißt es oft nur, Behörden hielten eine russische Beteiligung fĂŒr „möglich“ oder „wahrscheinlich“.

Wenn die Schlagzeile lauter ist als die Korrektur

Fazi nennt mehrere FÀlle, in denen ein schwerer Verdacht spÀter kaum Bestand hatte:

  • Von der Leyens Flug (September 2025): Berichten zufolge soll das GPS ihrer Maschine ĂŒber Bulgarien gezielt gestört worden sein. Die Daten von Flightradar24 zeigten jedoch keine Störung, und die Maschine landete nur neun Minuten zu spĂ€t. Bulgariens Verkehrsminister erklĂ€rte, es gebe „nicht eine einzige Tatsache“, die eine gezielte Störung belege.
  • Ostsee-Kabel (November 2024): Schnell war von Sabotage die Rede. SpĂ€ter gerieten Schiffe unter chinesischer und Hongkonger Flagge in den Fokus. Schweden fand keinen Beweis fĂŒr Absicht.
  • DHL-Absturz in Vilnius: Die damalige Außenministerin Annalena Baerbock brachte öffentlich einen möglichen Hybridangriff ins GesprĂ€ch. Die litauischen Ermittler nannten spĂ€ter einen Pilotenfehler als Ursache.
  • Heathrow-Blackout (MĂ€rz 2025): Untersuchungen fĂŒhrten den Brand eines Umspannwerks spĂ€ter auf mangelnde Wartung zurĂŒck.

Das Muster ist laut Fazi immer Ă€hnlich: Die erste Meldung verbreitet sich enorm, die Korrektur erreicht nur einen Bruchteil davon. FĂŒr das Vertrauen der BĂŒrger in Politik und Medien ist das ein ernstes Problem.

Leipzig/Halle: Klare Worte, wenig öffentlich prĂŒfbare Belege

Am politisch wichtigsten ist der Fall Leipzig/Halle. Am 4. August 2026 wurde dort eine mit Sprengstoff prĂ€parierte Drohne zwischen ukrainischen Frachtflugzeugen gefunden. Die Bundesregierung macht Russland dafĂŒr verantwortlich. Innenminister Alexander Dobrindt erklĂ€rte, Sprengstoff und Bauweise der Drohne seien aus anderen russischen Operationen bekannt. AusgefĂŒhrt hĂ€tten den Anschlag demnach sogenannte „Low-Level-Agenten“.

Berlin reagierte mit Sanktionen und schloss das russische Generalkonsulat in Bonn. Außenminister Johann Wadephul sagte, Deutschland sei zwar nicht im Krieg, aber ein „Kriegsziel“. Fazi kritisiert, dass bislang keine Belege vorliegen, die die Öffentlichkeit selbst prĂŒfen kann. Moskau weist jede Verantwortung zurĂŒck.

Was vor Gericht ĂŒbrig bleibt

Echte Sabotage gibt es durchaus. In Polen wurden zum Beispiel 14 Mitglieder eines Netzwerks verurteilt, das HilfszĂŒge fĂŒr die Ukraine entgleisen lassen wollte. Fazi betont jedoch: In keinem dieser Verfahren wurde ein russischer AmtstrĂ€ger identifiziert. Meist ging es um bezahlte Handlanger mit anonymen Auftraggebern.

Auch innerhalb der NATO klingen manche Stimmen vorsichtiger. GeneralsekretĂ€r Mark Rutte sagte Medienberichten zufolge Anfang Oktober, es gebe keine unmittelbare Bedrohung fĂŒr NATO-Gebiet. Fazi selbst spitzt seine Kritik deutlich zu: Er spricht von einer „Strategie der Spannung“, mit der AufrĂŒstung und Sonderbefugnisse gerechtfertigt wĂŒrden. Diese These ist umstritten.

Der BĂŒrger bezahlt die Rechnung

UnabhĂ€ngig davon, wie man Fazis Thesen bewertet, bleibt eine Frage: Wer Milliarden fĂŒr AufrĂŒstung ausgibt, Grundrechte einschrĂ€nkt und das Land als „Kriegsziel“ bezeichnet, sollte dafĂŒr gute Beweise vorlegen. Die BĂŒrger dĂŒrfen erwarten, dass Politik und Behörden klar unterscheiden: zwischen Verdacht und Beweis, zwischen Alarm und Gerichtsurteil.

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