
Honig-Herkunft: Endlich Schluss mit der VerbrauchertÀuschung?
Die Zeiten der nebulösen Herkunftsangaben beim Honig neigen sich dem Ende zu. WĂ€hrend Supermarktkunden bisher mit nichtssagenden Bezeichnungen wie âMischung aus EU-LĂ€ndern und Nicht-EU-LĂ€ndern" abgespeist wurden, soll ab Mitte 2026 endlich Klarheit herrschen. Eine neue EU-Richtlinie verpflichtet Hersteller kĂŒnftig dazu, die genauen UrsprungslĂ€nder samt prozentualer Gewichtsanteile auf den GlĂ€sern anzugeben.
Planet Erde als Herkunftsangabe â ein schlechter Scherz?
Die bisherige Kennzeichnungspraxis grenzte an Verbraucherverhöhnung. Wenn auf einem Honigglas steht âaus EU-LĂ€ndern und Nicht-EU-LĂ€ndern", dann ist das ungefĂ€hr so aussagekrĂ€ftig wie die Angabe âHerkunft: Planet Erde". Die Verbraucherorganisation Foodwatch brachte es treffend auf den Punkt: Solche Angaben seien allenfalls fĂŒr AuĂerirdische von Interesse. Diese bewusste Intransparenz hatte System â und sie hatte einen Grund.
WĂ€hrend bei anderen Produkteigenschaften wie âzart-flieĂend" oder âcremig-streichzart" penibel auf prĂ€zise Beschreibungen geachtet wird, blieb die Herkunft bewusst im Dunkeln. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Doch warum diese GeheimniskrĂ€merei? Die Antwort liegt in den Importzahlen: Deutschland deckt gerade einmal 37 Prozent seines Honigbedarfs durch heimische Produktion. Der Rest kommt aus LĂ€ndern wie der Ukraine, Argentinien oder Mexiko.
Neue Regelung: Ein Fortschritt mit Schönheitsfehlern
Ab dem 14. Juni 2026 mĂŒssen Hersteller die UrsprungslĂ€nder in absteigender Reihenfolge ihres Anteils und mit dem jeweiligen Gewichtsanteil in Prozent angeben. Das klingt nach einem echten Fortschritt â und das ist es auch. BundesernĂ€hrungsminister Alois Rainer (CSU) spricht von der âTransparenz, die wir brauchen". Endlich können Verbraucher bewusste Kaufentscheidungen treffen und gezielt heimische Produkte unterstĂŒtzen.
Doch die neue Regelung hat einen entscheidenden Haken: Die groĂzĂŒgige Ăbergangsfrist von 24 Monaten bedeutet, dass noch jahrelang Honig mit den alten, nichtssagenden Etiketten in den Regalen stehen wird. Produkte, die bis zum Stichtag nach den bisherigen Vorgaben gekennzeichnet wurden, dĂŒrfen weiterhin verkauft werden. Das ist ein typisches Beispiel dafĂŒr, wie die Interessen der Industrie ĂŒber die der Verbraucher gestellt werden.
Honigpanscherei bleibt ein Problem
Die neue Kennzeichnungspflicht löst zudem nicht das grundlegende Problem der HonigqualitĂ€t. Foodwatch-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Chris Methmann fordert zu Recht konsequente Kontrollen gegen âHonigpanscherei" mit Zuckersirup. Denn was nĂŒtzt die genaueste Herkunftsangabe, wenn der vermeintliche Honig am Ende gar kein reiner Honig ist? Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Politik nur halbherzig handelt, wenn es um Verbraucherschutz geht.
ImportabhÀngigkeit als Achillesferse
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit einem Selbstversorgungsgrad von nur noch 37 Prozent ist Deutschland massiv von Honigimporten abhĂ€ngig. Im vergangenen Jahr wurden 72.600 Tonnen importiert â Tendenz steigend. Diese AbhĂ€ngigkeit macht uns verwundbar, nicht nur in Krisenzeiten. Wenn die Ukraine als wichtigstes Lieferland mit 22 Prozent der Importe aufgrund des andauernden Krieges ausfĂ€llt, könnte es eng werden.
Der Honig-Verband der Importeure und AbfĂŒller versucht die Situation schönzureden: SchlieĂlich produzierten immer Bienen den Honig â unabhĂ€ngig von Landesgrenzen. Diese Argumentation ist so naiv wie gefĂ€hrlich. NatĂŒrlich macht es einen Unterschied, ob der Honig aus einer intakten deutschen Kulturlandschaft stammt oder aus Regionen mit fragwĂŒrdigen Umwelt- und Produktionsstandards.
Ein Schritt in die richtige Richtung â aber es braucht mehr
Die neue Kennzeichnungspflicht ist zweifellos ein Fortschritt. Endlich können Verbraucher erkennen, woher ihr Honig wirklich stammt. Doch es bleibt bei einem zaghaften Schritt, wo ein mutiger Sprung nötig wĂ€re. Warum gilt die Kennzeichnungspflicht nur fĂŒr Honig? Foodwatch hat recht, wenn es eine verpflichtende Herkunftsangabe fĂŒr die Hauptzutaten aller Lebensmittel fordert.
Die deutsche Politik muss endlich verstehen, dass Transparenz kein Luxus, sondern ein Grundrecht der Verbraucher ist. Wer im Supermarkt steht, hat das Recht zu wissen, was er kauft und woher es kommt. Das gilt fĂŒr Honig genauso wie fĂŒr alle anderen Lebensmittel. Die neue Regelung ist ein Anfang â aber bei weitem nicht das Ende der notwendigen Reformen im Verbraucherschutz.
âMit der genauen Ursprungsangabe ist bei jedem Glas Honig klar, woher der Honig kommt. Das ist die Transparenz, die wir brauchen." - BundesernĂ€hrungsminister Alois Rainer
Bleibt zu hoffen, dass diese Worte nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben, sondern der Auftakt zu einer umfassenden Transparenzoffensive im Lebensmittelbereich sind. Die Verbraucher haben es verdient â und die heimischen Produzenten erst recht.
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