Kettner Edelmetalle
06.08.2026
05:16 Uhr
KI-generiert

Halb leere Gasspeicher, doppelt so teures Gas: Deutschland stolpert erneut blind in den Winter

Halb leere Gasspeicher, doppelt so teures Gas: Deutschland stolpert erneut blind in den Winter
Symbolbild: KI-generiert

Es ist eine dieser Zahlen, die man zweimal lesen muss, um ihre volle Wucht zu begreifen: Rund 47 Prozent. So voll – oder besser gesagt: so leer – waren die deutschen Gasspeicher Anfang August. Vor einem Jahr standen zum gleichen Zeitpunkt noch 62 Prozent auf der Anzeige. Ein Minus von 15 Prozentpunkten, gut ein Viertel weniger. Und wĂ€hrend die Speicher gĂ€hnen, kostet die Megawattstunde Gas derzeit rund 57 Euro – annĂ€hernd das Doppelte dessen, was in normalen Jahren mit 28 bis 30 Euro ĂŒblich war. Wer nun rechnen kann, ahnt bereits, wer diese Rechnung am Ende begleichen wird. Es ist nicht der Staat. Es ist der BĂŒrger.

Die Behörde beruhigt – wie immer

Die Bundesnetzagentur teilt auf ihrer Webseite mit, die Gasversorgung in Deutschland sei stabil, die Versorgungssicherheit gewĂ€hrleistet, die Gefahr einer angespannten Lage schĂ€tze man gegenwĂ€rtig als gering ein. Man kennt diesen Tonfall. Es ist derselbe beruhigende Singsang, mit dem uns seit Jahren erklĂ€rt wird, alles sei im Griff – bis es plötzlich nicht mehr im Griff ist.

Auch aus dem Bundeswirtschaftsministerium kommt eine bemerkenswert entspannte Ansage. Eine Sprecherin rĂ€umte ein, die SpeicherstĂ€nde seien tatsĂ€chlich niedriger als in den vergangenen Jahren, der Winter sei mit vergleichsweise leeren Speichern beendet worden. Die Wintervorsorge laufe aber, und sie mĂŒsse vom Markt auch weiterlaufen. Es sei Aufgabe der Unternehmen und HĂ€ndler, die Speicher zu fĂŒllen; man gehe davon aus, dass die privaten Akteure das im aktuellen Marktumfeld leisten könnten.

Übersetzt in Klartext: Wir hoffen, dass es schon irgendwie klappt. ZustĂ€ndig ist jedenfalls jemand anderes.

Vom Staatsversagen zum Marktvertrauen – je nachdem, was gerade passt

Interessant ist die Rollenverteilung. Als es darum ging, die deutsche Energieversorgung umzubauen, Kernkraftwerke abzuschalten, Kohlemeiler stillzulegen und die Republik mit WindrĂ€dern zu pflastern, war der Staat allgegenwĂ€rtig. Da wurde geplant, verordnet, subventioniert und moralisch belehrt. Jetzt, wo es ums Bezahlen und ums BefĂŒllen geht, entdeckt die Politik plötzlich ihre Liebe zur Marktwirtschaft.

Man erinnere sich: Es war eine bewusste politische Entscheidung, die letzten sicheren und bezahlbaren Grundlastkraftwerke vom Netz zu nehmen. Es war eine politische Entscheidung, sich in eine AbhĂ€ngigkeit von FlĂŒssiggasimporten zu begeben, deren Preis von geopolitischen ZufĂ€llen am anderen Ende der Welt bestimmt wird. Und es ist die Konsequenz dieser Entscheidungen, dass ein Konflikt am Persischen Golf heute direkt auf die Heizkostenabrechnung in Gelsenkirchen durchschlĂ€gt.

Zwei Milliarden – mindestens

Allein durch die erhöhten Gaspreise dĂŒrften bei stabilem Preisniveau Zusatzkosten von rund 2,3 Milliarden Euro entstehen. Sollte die Lage rund um die Straße von Hormus erneut eskalieren, könnten diese Mehrkosten regelrecht explodieren. Zur Erinnerung: Durch diese Meerenge fließt ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und LNG-Handels. Ein einziger militĂ€rischer Zwischenfall genĂŒgt, und die Preisspirale dreht sich weiter.

Diese Milliarden verschwinden nicht im Nirgendwo. Sie landen in den Gasrechnungen der Haushalte, in den Energiekosten der MittelstÀndler, in den Kalkulationen jener Industriebetriebe, die ohnehin bereits mit gepackten Koffern in Richtung USA oder Asien schielen. Energie ist keine Nebensache. Energie ist das Blut einer Volkswirtschaft. Wer sie verteuert, verteuert alles.

Und die neue Regierung?

Die Große Koalition unter Friedrich Merz hat den Kurs im Kern nicht korrigiert. Die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 steht im Grundgesetz, 500 Milliarden Euro Sondervermögen sollen es richten – finanziert auf Pump, zu Lasten kommender Generationen. Von jenem Versprechen, keine neuen Schulden aufzunehmen, ist wenig ĂŒbriggeblieben. Stattdessen: mehr Ausgaben, mehr Umverteilung, mehr Inflationsdruck. Die Speicher fĂŒllt das nicht.

Was der BĂŒrger daraus lernen sollte

Wer sich fragt, warum Sachwerte in unsicheren Zeiten Konjunktur haben, findet hier eine Antwort. Wenn Energiepreise schwanken wie ein Fieberthermometer, wenn Staatsschulden ins Unermessliche wachsen und die Kaufkraft des Euro Jahr fĂŒr Jahr schrumpft, dann suchen Menschen nach BestĂ€ndigkeit. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber sind seit Jahrtausenden genau das: ein Wertspeicher, der weder von der FĂŒlle eines Gasspeichers noch von der Laune einer Bundesbehörde abhĂ€ngt. Als solide Beimischung eines breit gestreuten Vermögens haben sie sich in jeder Krise bewĂ€hrt.

Der kommende Winter wird zeigen, ob das Vertrauen der Politik in „den Markt“ gerechtfertigt war. Sollte es kalt werden – im doppelten Sinne –, wird niemand aus dem Ministerium fĂŒr die Heizkostenabrechnung geradestehen. Diese Erfahrung haben die Deutschen bereits gemacht. Und viele haben daraus ihre SchlĂŒsse gezogen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfĂ€ltige Recherche und liegt allein in der Verantwortung des Anlegers. FĂŒr Vermögensentscheidungen empfehlen wir die Konsultation eines qualifizierten, unabhĂ€ngigen Fachberaters. Eine Haftung fĂŒr VermögensschĂ€den ist ausgeschlossen.

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