
Großbritannien macht Ernst: Deutsche Reisende müssen jetzt für die Einreise zahlen
Was einst undenkbar schien, ist nun bittere Realität. Ab diesem Mittwoch müssen Reisende aus 85 Ländern – darunter sämtliche EU-Staaten und damit auch Deutschland – eine kostenpflichtige elektronische Einreisegenehmigung vorweisen, bevor sie britischen Boden betreten dürfen. Wer ohne die sogenannte Electronic Travel Authorisation (ETA) am Flughafen erscheint, wird schlicht nicht an Bord gelassen. So einfach, so konsequent.
Brexit-Folgen treffen nun auch den Normalreisenden
Die Gebühr von 16 Pfund – umgerechnet etwa 18 Euro – mag auf den ersten Blick bescheiden wirken. Doch sie ist weit mehr als ein bürokratischer Obolus. Sie ist das sichtbare Symbol einer tektonischen Verschiebung, die der Brexit im Jahr 2020 ausgelöst hat. Die Freizügigkeit zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union gehört der Vergangenheit an. Und während deutsche Politiker jahrelang den britischen EU-Austritt als historischen Fehler geißelten, zeigt sich nun: London meint es ernst mit der Kontrolle seiner Grenzen.
Migrationsminister Mike Tapp bezeichnete das ETA-System als „entscheidenden Teil" der Arbeit zur Stärkung der britischen Grenzsicherheit. Eine bemerkenswerte Aussage, die man sich in Berlin durchaus einmal auf der Zunge zergehen lassen sollte. Während Deutschland seit Jahren über eine wirksame Grenzkontrolle debattiert, ohne zu nennenswerten Ergebnissen zu kommen, handelt Großbritannien – pragmatisch, zügig und ohne ideologische Scheuklappen.
Die Übergangsphase ist vorbei
Formal trat die Vorschrift bereits im April 2025 in Kraft. Doch die britischen Behörden gewährten zunächst eine Schonfrist, um Reisenden ausreichend Zeit zur Anpassung zu geben. Diese Phase der Nachsicht endet nun abrupt. Wer die ETA nicht vorab online beantragt hat, dem werden die Fluggesellschaften die Beförderung schlichtweg verweigern. Britische und irische Staatsbürger sind von der Regelung ausgenommen – ein Detail, das die nationale Souveränität des Systems unterstreicht.
Auch die EU rüstet auf – mit gewohnter Verzögerung
Interessanterweise arbeitet auch die Europäische Union an einem vergleichbaren System. Das sogenannte Ein- und Ausreisesystem (EES) soll Grenzkontrollen digitalisieren und das manuelle Abstempeln von Pässen überflüssig machen. Doch wie so oft bei EU-Großprojekten hapert es an der Umsetzung. Bereits bei ersten Testläufen kam es zu erheblichen Verzögerungen an Flughäfen. Branchenvertreter warnten bereits vor weitreichenden Störungen im Reiseverkehr – ein Szenario, das angesichts der notorischen Ineffizienz europäischer Bürokratie alles andere als unwahrscheinlich erscheint.
Ein Lehrstück in Sachen Grenzsicherheit
Man mag zum Brexit stehen, wie man will. Doch eines muss man den Briten lassen: Sie setzen ihre Einwanderungs- und Grenzpolitik konsequent um. Während in Deutschland die Debatte um Grenzkontrollen, illegale Migration und innere Sicherheit seit Jahren im Kreis dreht, schafft London Fakten. 18 Euro für eine Einreisegenehmigung – das ist kein Schikane, sondern ein Mindestmaß an staatlicher Ordnung. Vielleicht sollte sich die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ein Beispiel daran nehmen, statt weiterhin auf halbherzige Kompromisse zu setzen, die weder die Grenzen sichern noch das Vertrauen der Bürger zurückgewinnen.
Für deutsche Urlauber bedeutet die neue Regelung vor allem eines: rechtzeitig planen. Wer einen Trip nach London, Edinburgh oder in die englische Countryside plant, sollte die ETA-Beantragung fest in seine Reisevorbereitung einplanen. Denn am Gate gibt es keine zweite Chance.
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