Kettner Edelmetalle
27.11.2025
11:03 Uhr

Goldman Sachs sieht Gold bei 4.900 Dollar – Zentralbanken treiben die Rallye

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs zeigt sich fĂŒr die Goldpreisentwicklung außerordentlich optimistisch. Bis Ende 2026 könnte das Edelmetall auf 4.900 US-Dollar je Unze steigen, prognostizieren die Analysten. Das entsprĂ€che einem weiteren Anstieg von knapp 20 Prozent gegenĂŒber dem aktuellen Niveau. WĂ€hrend Gold in diesem Jahr bereits zeitweise um fast 60 Prozent zulegen konnte, erwarte man nun ein moderateres, aber dennoch robustes Wachstum.

Zentralbanken als Haupttreiber der Goldnachfrage

Die Experten von Goldman Sachs identifizieren vor allem die anhaltenden GoldkĂ€ufe der Zentralbanken als entscheidenden Faktor fĂŒr die positive Preisentwicklung. Seit dem Einfrieren russischer Devisenreserven im Jahr 2022 habe sich die Wahrnehmung von WĂ€hrungsreserven fundamental gewandelt. Insbesondere Notenbanken aus SchwellenlĂ€ndern wĂŒrden verstĂ€rkt auf Gold setzen, da es als einziges Reserve-Asset gelte, das – sofern es im eigenen Land gelagert werde – nicht von Sanktionen oder dem Wohlwollen Dritter abhĂ€ngig sei.

FĂŒr 2025 prognostiziert die Bank durchschnittliche NettokĂ€ufe von etwa 80 Tonnen Gold pro Quartal durch Zentralbanken, fĂŒr 2026 immerhin noch 70 Tonnen. Diese strukturell höhere Nachfrage stelle einen Paradigmenwechsel dar: Gold werde nicht mehr nur als Krisenabsicherung, sondern als dauerhafter strategischer Baustein im Reserve-Mix verstanden.

Die schleichende Entdollarisierung nimmt Fahrt auf

Was sich hier abzeichnet, ist nichts Geringeres als eine schleichende Abkehr vom US-Dollar als dominierender ReservewĂ€hrung. WĂ€hrend westliche Politiker noch von der "regelbasierten internationalen Ordnung" schwadronieren, schaffen Zentralbanken weltweit Fakten. Sie diversifizieren ihre Reserven weg vom Dollar – eine direkte Reaktion auf die zunehmende Weaponisierung des Finanzsystems durch Washington.

ETF-Markt bietet enormes Potenzial

Goldman Sachs weist auf einen bemerkenswerten Umstand hin: Der globale Gold-ETF-Markt sei etwa 70-mal kleiner als der US-Treasury-Markt. Diese GrĂ¶ĂŸenrelation sorge fĂŒr einen potenziell starken Hebeleffekt. Bereits vergleichsweise kleine Umschichtungen aus dem gigantischen Anleihenmarkt könnten die Goldnachfrage spĂŒrbar erhöhen und damit deutliche Preisauswirkungen haben.

Die Bank erwartet, dass die ETF-BestĂ€nde im Westen zunehmen werden, sobald die Federal Reserve ihre Leitzinsen senkt. Die Ökonomen gehen davon aus, dass die US-Notenbank ihre Zinsen bis Mitte 2026 um 75 bis 100 Basispunkte reduzieren könnte. Dies wĂŒrde Gold als zinsloses Asset im Vergleich zu Anleihen attraktiver machen.

Private Anleger könnten den nÀchsten Schub liefern

Bisher werde das Diversifikationsthema hauptsĂ€chlich von Zentralbanken vorangetrieben, so die Analysten. Sollte sich dieses Verhalten auf den privaten Sektor ausweiten – etwa auf institutionelle Investoren, Family Offices oder vermögende Privatanleger –, könnte dies zusĂ€tzlichen Auftrieb bedeuten. Angesichts der ausufernden Staatsverschuldung und der zunehmenden Zweifel an der UnabhĂ€ngigkeit der Notenbanken könnte Gold als Absicherungsinstrument verstĂ€rkt in den Fokus rĂŒcken.

"Wir sind fĂŒr Gold so optimistisch wie eh und je", betonte Goldman Sachs gegenĂŒber Bloomberg TV. Die Risiken fĂŒr die eigene Goldprognose seien insgesamt eher zur Oberseite hin verzerrt.

Die wahren GrĂŒnde hinter dem Goldboom

Was Goldman Sachs in seiner Analyse nur zwischen den Zeilen andeutet, liegt auf der Hand: Das Vertrauen in das westliche Finanzsystem bröckelt. Die hemmungslose Gelddruckerei der Zentralbanken, die explodierenden Staatsschulden und die zunehmende Politisierung der FinanzmĂ€rkte treiben immer mehr Akteure in die Arme des einzigen wahren Wertspeichers – Gold.

Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz plant bereits ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur. Trotz vollmundiger Versprechen, keine neuen Schulden zu machen, wird diese Schuldenlast Generationen belasten und die Inflation weiter anheizen. In diesem Umfeld erscheint Gold als eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, sein Vermögen vor der schleichenden Enteignung durch Inflation zu schĂŒtzen.

WĂ€hrend Aktien, ETFs und andere Papieranlagen den Launen der Politik und den Manipulationen der Zentralbanken ausgeliefert sind, bleibt Gold der ultimative Wertspeicher. Es kann nicht beliebig vermehrt werden, es kennt kein Gegenparteirisiko und es hat ĂŒber Jahrtausende seinen Wert behalten.

Fazit: Gold als unverzichtbarer Portfolio-Baustein

Die Prognose von Goldman Sachs mag ambitioniert erscheinen, doch die fundamentalen Treiber sprechen eine deutliche Sprache. In einer Welt zunehmender geopolitischer Spannungen, ausufernder Verschuldung und schwindenden Vertrauens in PapierwÀhrungen bleibt Gold der Fels in der Brandung. Anleger, die ihr Vermögen langfristig sichern wollen, kommen an einer substantiellen Beimischung physischer Edelmetalle nicht vorbei.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss seine Investitionsentscheidungen selbst treffen und trĂ€gt die volle Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen. Wir empfehlen, vor jeder Anlageentscheidung ausreichend zu recherchieren und gegebenenfalls professionellen Rat einzuholen.

Wissenswertes zum Thema