Kettner Edelmetalle
24.02.2026
10:54 Uhr

Gold durchbricht 5.200-Dollar-Marke: Zollchaos und Iran-Krise treiben Anleger in den sicheren Hafen

Was für ein Paukenschlag an den internationalen Edelmetallmärkten: Der Goldpreis hat am Montag erstmals seit fast einem Monat die magische Schwelle von 5.200 US-Dollar je Feinunze überschritten. Ein Anstieg von knapp zwei Prozent auf 5.205,06 Dollar – und ein unmissverständliches Signal dafür, dass das Vertrauen in die globale Wirtschaftsordnung weiter erodiert. Silber zog mit einem beeindruckenden Plus von drei Prozent auf über 88 Dollar je Unze nach. Wer in den vergangenen Jahren auf physische Edelmetalle gesetzt hat, dürfte sich einmal mehr bestätigt fühlen.

Trumps Zollpolitik als Brandbeschleuniger

Der unmittelbare Auslöser für den jüngsten Preissprung ist einmal mehr die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Nachdem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten seine Nutzung von Notstandsbefugnissen zur Erhebung von Zöllen für rechtswidrig erklärt hatte, kündigte Trump am Wochenende kurzerhand einen globalen Zoll von 15 Prozent an. Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um zu verstehen, was solche Ankündigungen mit den Märkten machen: Unsicherheit, Nervosität und eine Flucht in sichere Häfen.

Bereits seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 hat Trump die Weltwirtschaft mit immer neuen Zollrunden in Atem gehalten – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf chinesische Waren, 25 Prozent auf Produkte aus Mexiko und Kanada. Die Folgen sind verheerend: gestörte Lieferketten, steigende Verbraucherpreise und ein tiefes Misstrauen gegenüber der Stabilität des Welthandels. Dass Gold in einem solchen Umfeld von Rekord zu Rekord eilt, ist keine Überraschung – es ist die logische Konsequenz einer Politik, die Berechenbarkeit zum Fremdwort erklärt hat.

Nahost-Pulverfass: Iran-Verhandlungen am Scheideweg

Als wäre die Zollunsicherheit nicht genug, richtet sich der Blick der Märkte auch auf den Nahen Osten. Die Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran treten in dieser Woche in eine entscheidende Phase ein. Eine weitere Eskalation – einschließlich einer möglichen US-Militäroperation – würde den Goldpreis mit hoher Wahrscheinlichkeit noch weiter in die Höhe treiben. Die Erinnerungen an die dramatischen Ereignisse vom Juni 2025, als Israel iranische Atomanlagen angriff und Teheran mit Raketenbeschuss antwortete, sind noch frisch. Die geopolitische Großwetterlage bleibt explosiv, und Gold profitiert davon wie kaum ein anderes Asset.

Vasu Menon, Stratege bei der Oversea-Chinese Banking Corp., brachte es auf den Punkt: Es gebe genügend strukturelle Faktoren, die mittelfristig für Gold sprächen. Kurzfristig sei allerdings mit Volatilität zu rechnen, da sich die Entwicklungen rund um die US-Handelspolitik weiterhin entfalteten. Eine diplomatische Formulierung für das, was viele Anleger längst wissen: Die Welt steht auf wackligen Beinen.

Strukturelle Treiber: Mehr als nur kurzfristige Panik

Was den aktuellen Goldpreisanstieg von früheren Rallyes unterscheidet, ist die Tiefe der zugrunde liegenden Faktoren. Es handelt sich nicht um eine kurzlebige Spekulation, sondern um eine fundamentale Neubewertung. Geopolitische Spannungen, die wachsende Skepsis gegenüber Staatsanleihen und Währungen sowie die galoppierende Verschuldung westlicher Staaten bilden ein Fundament, auf dem der Goldpreis seit Monaten aufbaut.

Auch in Deutschland sollte man diese Entwicklung mit wachen Augen verfolgen. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg gebracht – finanziert auf Pump, versteht sich. Die Inflation wird dadurch weiter angeheizt, und Generationen von Steuerzahlern werden die Zeche begleichen müssen. Wer sein Vermögen in einer solchen Zeit ausschließlich in Euro-denominierten Anlagen hält, betreibt im Grunde genommen kontrollierte Selbstenteignung.

Gold als Bollwerk gegen den Vertrauensverlust

Die jüngste Erholung des Goldpreises nach dem kurzen Rücksetzer zum Jahreswechsel zeigt eindrucksvoll, wie robust die Nachfrage nach dem Edelmetall ist. Drei Wochen in Folge verzeichnete Gold Zugewinne – ein klares Zeichen dafür, dass institutionelle wie private Anleger gleichermaßen auf den bewährtesten Wertspeicher der Menschheitsgeschichte setzen. Während Aktienmärkte nervös zucken und Anleiherenditen die reale Inflation kaum kompensieren, bleibt Gold das, was es seit Jahrtausenden ist: ein Anker in stürmischen Zeiten.

Wer angesichts dieser Entwicklungen noch immer zögert, physische Edelmetalle als festen Bestandteil seines Portfolios zu betrachten, dem sei gesagt: Die Geschichte gibt dem Gold recht – immer wieder. In einer Welt, in der Zentralbanken die Druckerpressen nicht mehr abstellen können und Politiker Schulden als Investitionen verkaufen, ist das gelbe Metall nicht bloß eine Anlage. Es ist eine Versicherung gegen den kollektiven Wahnsinn der Geldpolitik.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir empfehlen, vor Investitionsentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Informationen entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung.

Wissenswertes zum Thema