
Georgiens Justiz startet GroĂangriff auf Opposition: Droht dem Land eine russische Diktatur?
Die georgische Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag eine beispiellose Angriffswelle gegen die politische Opposition des Landes eingeleitet. Generalstaatsanwalt Giorgi Gwarakidse kĂŒndigte neue Strafverfahren gegen den bereits inhaftierten Ex-PrĂ€sidenten Micheil Saakaschwili sowie eine Vielzahl fĂŒhrender Oppositionspolitiker an. Die VorwĂŒrfe lesen sich wie aus dem Drehbuch eines autoritĂ€ren Regimes: Sabotage, Verschwörung zum Regierungssturz und â besonders perfide â die âUnterstĂŒtzung auslĂ€ndischer KrĂ€fte bei feindlichen AktivitĂ€ten".
Drakonische Strafen fĂŒr demokratischen Widerstand
Was hier als Rechtsprechung verkauft wird, erinnert fatal an die dunkelsten Zeiten sowjetischer Schauprozesse. Bei einer Verurteilung wegen der schwersten Anklage drohen den Oppositionellen bis zu 15 Jahre Haft. Der Vorwurf? Sie hĂ€tten westlichen Regierungen Informationen ĂŒber Energie und Verteidigung zur VerfĂŒgung gestellt, die zu Sanktionen gegen georgische Beamte gefĂŒhrt hĂ€tten. Mit anderen Worten: Wer die MissstĂ€nde im Land international anprangert, wird zum Staatsfeind erklĂ€rt.
Die Opposition reagierte prompt und bezeichnete das Vorgehen als âVersuch, eine Diktatur nach russischem Vorbild zu errichten". Diese EinschĂ€tzung dĂŒrfte den Nagel auf den Kopf treffen. Was wir hier beobachten, ist nichts anderes als der systematische Versuch, jede Form von politischem Widerstand zu kriminalisieren und mundtot zu machen.
EU attestiert âernsthaften demokratischen RĂŒckschritt"
Dass die EuropĂ€ische Union Georgien nur zwei Tage zuvor einen âernsthaften demokratischen RĂŒckschritt" bescheinigt und das Land nur noch âdem Namen nach" als Beitrittskandidat betrachtet, spricht BĂ€nde. Die Regierungspartei âGeorgischer Traum" â ein Name, der angesichts der aktuellen Entwicklungen wie blanker Hohn wirkt â hat sich nach der umstrittenen Parlamentswahl im Oktober offenbar endgĂŒltig von westlichen Werten verabschiedet.
âDie Opposition hat Energie, aber keine Architektur" â so beschrieb ein Beobachter die Lage in Tiflis. Doch was nĂŒtzt die beste Architektur, wenn das Fundament der Demokratie systematisch zerstört wird?
Der lange Arm Moskaus
Die Parallelen zu Putins Russland sind unĂŒbersehbar. Erst werden kritische Stimmen als âauslĂ€ndische Agenten" diffamiert, dann folgen Verhaftungen und schlieĂlich droht das Verbot ganzer Oppositionsparteien. TatsĂ€chlich hatte die Regierungspartei bereits im vergangenen Monat das Verfassungsgericht aufgefordert, die drei wichtigsten Oppositionsparteien zu verbieten. Kritiker warnten zu Recht, dies wĂ€re der âletzte Schritt" hin zu einer autoritĂ€ren Herrschaft.
Seit einem Jahr befindet sich Georgien in einer tiefen politischen Krise. Zehntausende Regierungsgegner protestierten monatelang gegen die als russlandfreundlich geltende Regierung. Viele Oppositionelle wurden bereits inhaftiert. Die Regierung in Tiflis weist zwar den Vorwurf zurĂŒck, sich Russland anzunĂ€hern und von der EU abzuwenden, doch ihre Taten sprechen eine andere Sprache.
Was bedeutet das fĂŒr Europa?
Die Entwicklungen in Georgien sollten uns alle alarmieren. Hier wird vor unseren Augen ein Land, das einst fest auf dem Weg nach Europa schien, in die Arme Moskaus getrieben. Die georgische Bevölkerung, die sich mehrheitlich eine europĂ€ische Zukunft wĂŒnscht, wird von einer Regierung verraten, die offenbar andere PlĂ€ne hat.
Es ist höchste Zeit, dass die EU und der Westen klare Kante zeigen. Sanktionen gegen die Verantwortlichen sind ein erster Schritt, doch sie reichen nicht aus. Die demokratische Opposition in Georgien braucht unsere UnterstĂŒtzung â nicht nur moralisch, sondern auch praktisch. Denn was in Tiflis geschieht, ist kein isoliertes PhĂ€nomen, sondern Teil eines gröĂeren Kampfes zwischen Demokratie und Autoritarismus, der die Zukunft Europas mitbestimmen wird.
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