Kettner Edelmetalle
03.03.2026
06:56 Uhr

Gaspreise explodieren: Hormus-Blockade und Katar-Produktionsstopp treffen Deutschlands verwundbare Energieversorgung

Gaspreise explodieren: Hormus-Blockade und Katar-Produktionsstopp treffen Deutschlands verwundbare Energieversorgung

Was sich seit Monaten als dĂŒsteres Szenario am geopolitischen Horizont abzeichnete, wird nun bittere RealitĂ€t. Der Krieg gegen den Iran entfaltet seine volle Wucht auf den globalen EnergiemĂ€rkten – und Deutschland steht einmal mehr mit heruntergelassenen Hosen da. Am Montag schossen die Gas- und Ölpreise regelrecht in die Höhe, angetrieben durch die faktische Blockade der Straße von Hormus und den abrupten Produktionsstopp von FlĂŒssigerdgas in Katar.

Ein Nadelöhr wird zur Falle

Die Zahlen sprechen eine unmissverstĂ€ndliche Sprache. Der niederlĂ€ndische TTF-Gaskontrakt, der als europĂ€ische Referenz gilt, kletterte am Montagabend zeitweise auf knapp 48 Euro pro Megawattstunde – ein Anstieg von rund 28 Prozent innerhalb eines einzigen Handelstages. Damit wurde selbst das Niveau vom Januar ĂŒbertroffen, als eine hartnĂ€ckige KĂ€lteperiode die Preise bereits nach oben getrieben hatte. Es war der höchste Stand seit Februar 2025. In Großbritannien explodierten die Erdgas-Futures um mehr als 40 Prozent, in Asien legten die LNG-Preise um fast 39 Prozent zu. Wer glaubte, die Energiekrise sei ĂŒberstanden, wird eines Besseren belehrt.

Auch die ÖlmĂ€rkte blieben nicht verschont. Der Brent-Rohölpreis stieg zwischenzeitlich um 13 Prozent auf ĂŒber 82 US-Dollar, die amerikanische WTI-Sorte legte um 9 Prozent zu und durchbrach die 72-Dollar-Marke. Der DAX reagierte prompt und verlor in den ersten Handelsminuten 2,3 Prozent – ein Verlust, der die NervositĂ€t der MĂ€rkte eindrucksvoll widerspiegelt.

Die Straße von Hormus: Achillesferse der Weltwirtschaft

Im Zentrum des Geschehens steht eine Meerenge, die kaum 34 Kilometer breit ist, aber ĂŒber das Schicksal ganzer Volkswirtschaften entscheiden kann. Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist die zentrale Lebensader fĂŒr die Ölausfuhren Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, des Irak und Katars. TĂ€glich passieren rund 20 Millionen Barrel Rohöl dieses Nadelöhr – ein FĂŒnftel des globalen Bedarfs. Ebenso werden etwa 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels ĂŒber diese Route abgewickelt.

Die iranischen Revolutionsgarden hatten am Montag verkĂŒndet, die Straße sei geschlossen, und drohten, auf jedes Schiff zu feuern, das die Passage erzwingen wolle. Trackingdaten zeigten einen massiven RĂŒckstau von Schiffen vor der Meerenge. Bereits am Sonntag sollen laut Berichten zwei Tanker in dem Gebiet beschossen worden sein. Große Reedereien – darunter die Hamburger Hapag-Lloyd – stellten daraufhin den Schiffsverkehr durch die Straße ein. Das US-MilitĂ€r dementierte zwar eine vollstĂ€ndige Sperrung, doch die RealitĂ€t auf dem Wasser erzĂ€hlt eine andere Geschichte: Die Durchfahrt ist mit enormen Risiken verbunden und faktisch massiv eingeschrĂ€nkt.

Katars LNG-Produktion liegt brach

Als wĂ€re die Hormus-Blockade nicht genug, traf ein zweiter Schlag die EnergiemĂ€rkte mit voller Wucht. Der staatliche katarische Energiekonzern QatarEnergy gab am Montag bekannt, die LNG-Produktion in der weltweit grĂ¶ĂŸten Exportanlage in Ras Laffan an der NordkĂŒste Katars einzustellen. Auch im Werk Mesaieed sĂŒdlich der Hauptstadt Doha wurde die Produktion gestoppt. Der Grund: Beide Anlagen waren zuvor Ziel iranischer Drohnenangriffe geworden. Ein Produktionsausfall dieser Dimension hat unmittelbare Auswirkungen auf den gesamten globalen LNG-Markt.

Deutschland: Verwundbar wie selten zuvor

Nun mag mancher einwenden, Deutschland beziehe nur einen begrenzten Teil seines Erdgases direkt aus Katar – der Löwenanteil der importierten LNG-Mengen stamme schließlich aus den USA. Doch diese Betrachtung greift viel zu kurz. Sollten asiatische Abnehmer ihre katarischen Lieferungen verlieren, werden sie sich zwangslĂ€ufig auf dem Weltmarkt um Alternativen bemĂŒhen mĂŒssen. Das verschĂ€rft den globalen Wettbewerb um FlĂŒssigerdgas dramatisch, heizt die Nachfrage nach US-LNG weiter an und treibt die Preise international in die Höhe. Auch fĂŒr Deutschland. Besonders auch fĂŒr Deutschland.

Denn die Ausgangslage könnte kaum ungĂŒnstiger sein. Die europĂ€ischen Gasspeicher sind derzeit zu weniger als 30 Prozent gefĂŒllt – im Vorjahr lag der Wert zum gleichen Zeitpunkt noch bei rund 40 Prozent. In Deutschland sieht es noch dramatischer aus: Mitte Februar waren die Speicher nach Angaben der Betreiber nur noch zu etwa 23 Prozent gefĂŒllt. Ein derart niedriger FĂŒllstand trat zuletzt vor fast acht Jahren auf. Nicht einmal wĂ€hrend der Energiekrise ab 2022, als das Land fieberhaft nach Alternativen zum russischen Gas suchte, waren die Reserven so erschreckend niedrig.

Die Quittung jahrelanger Energiepolitik-VersÀumnisse

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass sich hier die Konsequenzen einer ĂŒber Jahre hinweg ideologisch getriebenen Energiepolitik manifestieren. Der ĂŒberstĂŒrzte Ausstieg aus der Kernenergie, die naive AbhĂ€ngigkeit von russischem Gas, die anschließende hektische Suche nach LNG-Alternativen – all das hat Deutschland in eine Position manövriert, in der jede geopolitische ErschĂŒtterung unmittelbar auf die Energieversorgung und damit auf den Geldbeutel der BĂŒrger durchschlĂ€gt. Statt auf einen robusten Energiemix mit heimischer GrundlastfĂ€higkeit zu setzen, hat man sich sehenden Auges in die nĂ€chste AbhĂ€ngigkeit begeben.

Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht nun vor der Herausforderung, die Fehler der Vergangenheit zumindest abzumildern. Doch das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das ohnehin schon die Inflation befeuern dĂŒrfte, wird durch explodierende Energiekosten zusĂ€tzlich unter Druck geraten. Die deutschen BĂŒrger werden die Zeche zahlen – bei der nĂ€chsten Heizkostenabrechnung, an der Tankstelle und durch weiter steigende Verbraucherpreise.

Gold als Krisengewinner – einmal mehr

WĂ€hrend Aktien einbrachen und Energiepreise explodierten, bewies ein altbekannter Krisenprofiteur einmal mehr seine Daseinsberechtigung: Gold. Der Goldpreis stieg am Montag zeitweise um rund zwei Prozent und notierte bei etwa 4.600 Euro beziehungsweise 5.400 US-Dollar. Damit nĂ€herte sich das Edelmetall seinem Höchststand vom 29. Januar 2026 deutlich an, bevor es im weiteren Verlauf leicht korrigierte – nicht zuletzt aufgrund des psychologischen Widerstands an der Rekordmarke.

Es ist ein Muster, das sich in jeder geopolitischen Krise wiederholt: Wenn die Welt brennt, flĂŒchten Anleger in den sicheren Hafen der physischen Edelmetalle. Und wer angesichts der aktuellen Weltlage – Krieg im Nahen Osten, fragile Energieversorgung, aufgeblĂ€hte Staatshaushalte und galoppierende Schulden – noch immer kein Gold oder Silber im Portfolio hat, der sollte sich ernsthaft fragen, worauf er eigentlich wartet.

Auch der US-Dollar profitierte von der Flucht in vermeintlich sichere Anlagen. GegenĂŒber Euro, Yen und Schweizer Franken legte er deutlich zu. Der US-Dollar-Index stieg um 0,74 Prozent auf 98,37 Punkte. Eine Devisenexpertin der Commerzbank erklĂ€rte dazu, der Dollar profitiere in Kriegssituationen typischerweise von seinem Status als WeltleitwĂ€hrung.

Ein Weckruf, der nicht verhallen darf

Die aktuelle Eskalation im Nahen Osten ist mehr als nur eine vorĂŒbergehende Marktverwerfung. Sie ist ein schonungsloser Stresstest fĂŒr die europĂ€ische und insbesondere die deutsche Energieversorgung – und die Ergebnisse sind alarmierend. Mit SpeicherfĂŒllstĂ€nden auf historischen TiefststĂ€nden, einer weiterhin ungelösten Grundlastproblematik und einer Weltwirtschaft, die zunehmend von geopolitischen Schocks durchgeschĂŒttelt wird, steht Deutschland vor einer Situation, die an die dunkelsten Tage der Energiekrise 2022 erinnert.

Die Frage ist nicht mehr, ob die steigenden Energiepreise den deutschen Verbraucher treffen werden. Die Frage ist nur noch, wie hart. Und ob die politisch Verantwortlichen diesmal den Mut aufbringen, die richtigen SchlĂŒsse zu ziehen – oder ob sie erneut mit Subventionen und Schulden die Symptome bekĂ€mpfen, statt die Ursachen anzugehen.

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