
Gabriel und Altmaier im Kreuzfeuer: Die unbequeme Wahrheit ĂŒber Nord Stream 2
Die Aufarbeitung des Nord Stream 2-Debakels nimmt Fahrt auf. Nach Altkanzler Gerhard Schröder mussten sich nun auch die ehemaligen Bundesminister Sigmar Gabriel (SPD) und Peter Altmaier (CDU) den kritischen Fragen des Untersuchungsausschusses in Mecklenburg-Vorpommern stellen. Was dabei zutage tritt, wirft ein bezeichnendes Licht auf die verhÀngnisvolle deutsche Russlandpolitik der vergangenen Jahre.
Gabriels spÀte Einsicht kommt zu spÀt
Besonders bemerkenswert ist Gabriels EingestĂ€ndnis, Wladimir Putin und dessen Absichten falsch eingeschĂ€tzt zu haben. Diese spĂ€te Erkenntnis, die er als "einen der gröĂten Fehler der deutschen AuĂenpolitik" bezeichnet, an dem er beteiligt gewesen sei, kommt Jahre zu spĂ€t. WĂ€hrend seiner Amtszeit von 2013 bis 2017 wurden entscheidende Weichen fĂŒr Nord Stream 2 gestellt - trotz der russischen Annexion der Krim 2014.
Die Rechtfertigung des Ex-Ministers, man habe die Krim-Verhandlungen nicht durch einen Baustopp gefĂ€hrden wollen, offenbart die ganze NaivitĂ€t der damaligen Politik. Statt klare Kante gegen russische Aggression zu zeigen, setzte man weiter auf Appeasement und wirtschaftliche Verflechtung. Ein fataler Irrtum, wie sich spĂ€testens mit dem russischen Ăberfall auf die Ukraine im Februar 2022 zeigte.
Die dubiose Rolle der Klimastiftung MV
Im Zentrum der Untersuchungen steht die umstrittene Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern, die Anfang 2021 gegrĂŒndet wurde. Dass die zum russischen Staatskonzern Gazprom gehörende Nord Stream 2 AG satte 20 Millionen Euro einbrachte, wĂ€hrend das Land lediglich 200.000 Euro beisteuerte, spricht BĂ€nde. Kritiker sehen in der Stiftung zu Recht eine Tarnorganisation, die primĂ€r dazu diente, US-Sanktionen zu umgehen und die Pipeline fertigzustellen.
"Es sei darum gegangen, die deutsche Energieversorgung von Atom- und Kohleenergie unabhĂ€ngiger zu machen sowie Erdgas zu vernĂŒnftigen Preisen aus Russland zu bekommen"
Diese Aussage Schröders bei seiner Befragung vor drei Wochen zeigt, wie verblendet die deutsche Politik war. Statt auf heimische Energiequellen und verlĂ€ssliche Partner zu setzen, machte man sich von einem autoritĂ€ren Regime abhĂ€ngig. Die Quittung dafĂŒr zahlen nun die deutschen BĂŒrger mit explodierenden Energiepreisen und einer Wirtschaftskrise.
Die Verantwortung der GroĂen Koalition
Sowohl Gabriel als auch Altmaier, der ab MĂ€rz 2018 als Bundeswirtschaftsminister amtierte, tragen Mitverantwortung fĂŒr diese Fehlentscheidungen. Die GroĂe Koalition unter Angela Merkel hat trotz aller Warnungen - insbesondere aus Polen und den baltischen Staaten - stur an Nord Stream 2 festgehalten. Die Behauptung, es habe sich um eine rein "privatwirtschaftliche Sache" gehandelt, ist angesichts der geopolitischen Dimension des Projekts geradezu absurd.
Besonders pikant: WĂ€hrend Deutschland seine Atomkraftwerke abschaltete und sich in die AbhĂ€ngigkeit von russischem Gas begab, warnten osteuropĂ€ische Partner eindringlich vor dieser Politik. Sie behielten recht. Die Pipeline ging nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nie in Betrieb und wurde spĂ€ter durch SprengstoffanschlĂ€ge endgĂŒltig unbrauchbar gemacht.
Lehren fĂŒr die Zukunft
Die Aufarbeitung des Nord Stream 2-Desasters muss konsequent fortgesetzt werden. Es geht nicht nur um die KlĂ€rung möglicher russischer Einflussnahme, sondern um grundsĂ€tzliche Fragen der deutschen Energiepolitik. Die ideologisch getriebene Energiewende, die Deutschland in die AbhĂ€ngigkeit von autoritĂ€ren Regimen trieb, muss ĂŒberdacht werden.
Statt auf bewÀhrte Technologien wie Kernkraft zu verzichten, sollte Deutschland wieder eine vernunftbasierte Energiepolitik betreiben. Die Sicherheit der Energieversorgung muss Vorrang vor ideologischen Experimenten haben. Nur so lÀsst sich verhindern, dass sich ein solches Debakel wiederholt.
Die spĂ€ten Bekenntnisse von Gabriel und die Rechtfertigungsversuche der beteiligten Politiker können nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen: Nord Stream 2 war von Anfang an ein Fehler, der Deutschland teuer zu stehen kommt. Es bleibt zu hoffen, dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz die richtigen Lehren daraus zieht und Deutschland wieder zu einer souverĂ€nen Energiepolitik zurĂŒckfĂŒhrt.










