
Frieren als Programm? Bayerns Gasspeicher vor dem Aus – und die Politik schaut tatenlos zu

Es ist ein Lehrstück deutscher Energiepolitik, wie es absurder kaum sein könnte: Während die Bundesregierung von einer „sicheren und bezahlbaren“ Energieversorgung schwadroniert, steht in Bayern still und leise die Abschaltung gleich zweier systemrelevanter Gasspeicher bevor. Wolfersberg und Breitbrunn – zwei tragende Säulen der süddeutschen Versorgungssicherheit – sollen zum 31. März beziehungsweise 1. April 2027 vom Netz genommen werden. Und während die Verantwortlichen markige Worte schwingen, geschieht in der Sache: nahezu nichts.
Vollmundige Versprechen, leere Speicher
„Ohne Breitbrunn keine sichere Energieversorgung“, ließ sich der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bei einem Besuch des Speichers am 7. Mai zitieren. Klingt entschlossen, klingt verantwortungsbewusst. Doch wer hinter die Kulissen blickt, erkennt die altbekannte Diskrepanz zwischen Sonntagsreden und Werktagshandeln. Denn auf eine Schriftliche Anfrage der AfD-Landtagsabgeordneten verweist Aiwangers Ministerium kühl auf die Zuständigkeit der Bundesnetzagentur. Der Freistaat, so heißt es, habe schlicht „keine rechtlichen Handlungsmöglichkeiten, die Stilllegung von Erdgasspeichern abschließend zu verhindern“.
Man stelle sich das einmal vor: Ein Staat, der seinen Bürgern bis ins Detail vorschreibt, welche Heizung sie einbauen dürfen, welches Auto sie fahren sollen und wie sie ihr Leben zu führen haben – dieser selbe Staat will plötzlich machtlos sein, wenn es um die elementarste aller Aufgaben geht: die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Wärme und Energie. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Wenn der Staat seine eigenen Speicher leerlaufen lässt
Die wahre Pikanterie liegt im Detail. Denn die bedrohten Speicher gehören längst dem Staat. Breitbrunn ist Teil des Uniper-Konzerns, der zu über 99 Prozent in Bundesbesitz steht. Wolfersberg gehört zum Bayerngas-Konzern, dessen Mehrheitseigner die Stadtwerke München sind. Es liegt also keineswegs eine private Heuschrecke vor, die hier kühl kalkulierend abschaltet, sondern Unternehmen, die der öffentlichen Hand gehören.
Und dennoch, so die zynische Begründung, seien diese Unternehmen „zur Gewinnorientierung verpflichtet, nicht dem Gemeinwohl“. Hier offenbart sich die ganze Schizophrenie der aktuellen Energiepolitik: Wo es um die Gängelung des Bürgers geht, ist der Staat allgegenwärtig. Wo es um seine Kernaufgabe geht, die Versorgungssicherheit, zieht er sich plötzlich auf die heilige Logik der Bilanz zurück.
Es könne nicht sein, „dass Betreiber Anlagen wegen mangelnder Rentabilität schließen und damit die Versorgungssicherheit gefährdet wird“ – so tönte Aiwanger noch im März. Geschehen ist seither: nichts Greifbares.
Das Kissengas – der Punkt ohne Wiederkehr
Besonders alarmierend sind die Manöver rund um das sogenannte Kissengas. Dieses Gas ist technisch unverzichtbar, um in den Speicherporen einen Mindestdruck aufrechtzuerhalten und das Eindringen von Grundwasser zu verhindern. In Breitbrunn liegt die Menge mit 996 Millionen Kubikmetern sogar über der maximalen Füllmenge an verwertbarem Arbeitsgas. Wird dieses Kissengas entnommen, wäre das der definitive Einstieg in die Abschaltung – und eine Wiederinbetriebnahme höchst fraglich.
Zwar lehnte das Bergamt Südbayern im März 2026 entsprechende Anträge des Betreibers Uniper ab – sowohl aus formalen als auch aus materiellen Gründen zur „Gewährleistung der dauerhaften Betriebssicherheit“. Doch der Betreiber hält stur an seinen Plänen fest. Eine gutachterliche Prüfung wurde im Mai angekündigt. Die Richtung scheint vorgezeichnet.
Erbärmliche Füllstände – der nächste Winter wirft seine Schatten voraus
Wie dramatisch die Lage tatsächlich ist, offenbaren die aktuellen Zahlen. Am 29. Mai lag der Füllstand in Wolfersberg bei mageren 3,5 Prozent, in Breitbrunn bei kümmerlichen 8,6 Prozent. Praktisch unbefüllt. Aus dem Speicher Inzenham-West wurde im Mai sogar noch Gas entnommen. Bundesweit dümpeln die Speicher bei durchschnittlich 31,3 Prozent herum – und liegen damit deutlich unter dem EU-Mittel von 39 Prozent und sogar unter dem Vorjahreswert vom selben Stichtag.
Selbst Uniper-Chef Michael Lewis schlägt Alarm und erwartet „ein Problem im nächsten Winter“, sollte sich die Einspeicherung nicht bald signifikant erhöhen. Bemerkenswert dabei: Ein Volumenproblem gebe es trotz der angespannten Lage an der Straße von Hormus nicht. Gas wäre also verfügbar – nur eingelagert wird es nicht.
Die Konsequenzen einer ideologiegetriebenen Energiepolitik
Wer die Entwicklung der vergangenen Jahre verfolgt hat, erkennt ein Muster. Modernste Kernkraftwerke wurden gesprengt und unbrauchbar gemacht, obwohl sie sicher und CO2-arm Strom lieferten. Die heimische Kohle wird verteufelt. Und nun fallen auch noch die Gasspeicher dem Rotstift zum Opfer – ohne dass eine tragfähige Alternative bereitstünde. Ein Land, das einst zu den industriellen Schwergewichten der Welt zählte, demontiert systematisch seine eigene Versorgungsbasis.
Dass nach dem Ende der russischen Gasimporte die Befüllung der Speicher schwieriger geworden ist, mag stimmen. Doch die politische Antwort darauf wäre Vorsorge, Verstaatlichung der kritischen Infrastruktur unter Gemeinwohlauftrag und eine nationale Gasreserve – nicht das tatenlose Zusehen, wie systemrelevante Anlagen verfallen. Die immer wieder diskutierte nationale Reserve bleibt indes ein Phantom: Mögliche Standorte sind noch nicht einmal benannt.
Wer trägt die Verantwortung?
Es ist diese Mischung aus markigen Worten und folgenlosem Handeln, die das Vertrauen der Bürger in die politische Klasse weiter zersetzt. Der Bürger soll seine intakte Gasheizung herausreißen und durch teure Wärmepumpen ersetzen – während gleichzeitig die Frage offenbleibt, woher der Strom für diese Wärmepumpen im tiefsten Winter überhaupt kommen soll, wenn Wind und Sonne sich rar machen. Eine Rechnung, die nicht aufgeht, aufgestellt von Politikern, die offenbar mehr Energie in symbolische Auftritte als in die tatsächliche Daseinsvorsorge investieren.
Sollte tatsächlich ein kalter Winter kommen, könnten schon geringe Temperaturunterschiede genügen, um die Speicher flächendeckend zu leeren. Eine Reichweitenprognose ging Ende Februar davon aus, dass bei nur einem Grad niedrigerer Durchschnittstemperatur der bundesweite Füllstand auf rechnerisch 0,8 Prozent absinken würde. Mit der Aufgabe der bayerischen Speicherkapazitäten würde ein solches Mangelszenario noch wahrscheinlicher. Wer hier nicht handelt, gefährdet sehenden Auges die warme Stube von Millionen Haushalten.
Was bleibt: Vermögenssicherung in unsicheren Zeiten
Wenn die staatliche Daseinsvorsorge derart wankt und die Energieversorgung zum politischen Spielball degeneriert, dann tut der vorausschauende Bürger gut daran, sein Vermögen krisenfest aufzustellen. In Zeiten, in denen selbst die elementarsten Garantien des Staates ins Wanken geraten, haben sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber über Jahrhunderte hinweg als verlässlicher Anker bewährt. Sie kennen keine Bilanzlogik, keine ideologischen Abschaltpläne und keine politischen Versprechen, die am Ende doch gebrochen werden. Als sinnvolle Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio bieten sie genau jene Substanz, die in einer Welt voller papierner Versprechen zunehmend an Wert gewinnt.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig umfassend zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Im Zweifel sollte ein unabhängiger Berater hinzugezogen werden.
- Themen:
- #Energie
- #Blackout
- #AFD
- #Freie Wähler










