
Frankreichs Justiz-Posse: Sarkozy nach drei Wochen Knast wieder auf freiem FuĂ
Was fĂŒr ein Schauspiel liefert uns die französische Justiz! Nach gerade einmal drei Wochen hinter Gittern darf Nicolas Sarkozy (70) das Pariser GefĂ€ngnis La SantĂ© wieder verlassen. Der ehemalige PrĂ€sident, der wegen angeblicher libyscher Wahlkampfgelder zu fĂŒnf Jahren Haft verurteilt wurde, kommt unter Auflagen frei â ein Justiztheater, das seinesgleichen sucht.
Ein PrĂ€sident hinter Gittern â aber nur kurz
Es war ein historischer Moment, als ein ehemaliges französisches Staatsoberhaupt tatsĂ€chlich eine GefĂ€ngniszelle von innen sah. Doch die Sensation wĂ€hrte nur kurz. Das Pariser Berufungsgericht entschied nun, dass Sarkozy den Prozess in zweiter Instanz als freier Mann abwarten darf â wenn auch mit erheblichen EinschrĂ€nkungen.
Die Auflagen lesen sich wie aus einem Spionageroman: Der Ex-PrĂ€sident darf Frankreich nicht verlassen, keinen Kontakt zu Prozessbeteiligten aufnehmen und muss sich sogar von seinem ehemaligen Parteifreund, dem amtierenden Justizminister GĂ©rald Darmanin, fernhalten. Letzterer hatte es gewagt, Sarkozy im GefĂ€ngnis zu besuchen â ein Akt der SolidaritĂ€t, der ihm heftige Kritik einbrachte.
Die Libyen-Connection: Viel Rauch, wenig Feuer?
Im Zentrum der AffĂ€re steht der Vorwurf, Sarkozys PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2007 sei mit Millionen aus den Kassen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi finanziert worden. Pikant dabei: Das Gericht konnte keine direkten Beweise fĂŒr diese Zahlungen finden. Stattdessen verurteilte man Sarkozy wegen "Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung" â seine Vertrauten hĂ€tten versucht, an libysche Gelder zu kommen.
"Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug kÀmpfen, um meine Unschuld zu beweisen"
So tönt es nun wieder aus dem Munde des streitbaren Ex-PrĂ€sidenten, der von einer "unertrĂ€glichen Ungerechtigkeit" spricht. Man mag von Sarkozy halten, was man will â aber ein Urteil ohne direkte Beweise wirft durchaus Fragen auf.
Vom ĂlysĂ©e-Palast in die GefĂ€ngniszelle
Der Absturz des einst mĂ€chtigen Mannes könnte dramatischer kaum sein. Schon wĂ€hrend seiner Amtszeit von 2007 bis 2012 war Sarkozy fĂŒr seine NĂ€he zu reichen Gönnern und dubiosen Spendern bekannt. Nach seiner Wahlniederlage gegen den Sozialisten François Hollande versuchte er mehrfach ein politisches Comeback â vergeblich.
Die aktuelle Verurteilung ist nicht Sarkozys erste juristische Niederlage. Bereits zuvor wurde er wegen Bestechung und unerlaubter Einflussnahme verurteilt und musste drei Monate lang eine elektronische FuĂfessel tragen. Ein wĂŒrdeloser Anblick fĂŒr einen Mann, der einst die Grande Nation fĂŒhrte.
Ein LehrstĂŒck ĂŒber Macht und Fall
Was lehrt uns diese AffĂ€re? ZunĂ€chst einmal, dass auch in etablierten Demokratien die Justiz durchaus fragwĂŒrdige Entscheidungen treffen kann. Ein Urteil ohne direkte Beweise, eine sofortige Inhaftierung trotz Berufung â das alles hinterlĂ€sst einen schalen Beigeschmack.
Andererseits zeigt der Fall auch, dass niemand ĂŒber dem Gesetz steht â nicht einmal ein ehemaliger PrĂ€sident. In Zeiten, in denen die politische Elite sich oft genug ĂŒber die Belange der BĂŒrger hinwegsetzt, mag das durchaus eine beruhigende Botschaft sein.
Der Prozess in zweiter Instanz wird im FrĂŒhjahr erwartet. Bis dahin bleibt Sarkozy ein freier Mann â wenn auch einer mit sehr begrenztem Bewegungsradius. Ob die französische Justiz dann endlich handfeste Beweise vorlegen kann oder ob sich das Ganze als juristisches Luftschloss entpuppt, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Die politische Karriere des Nicolas Sarkozy dĂŒrfte endgĂŒltig beendet sein.
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