Kettner Edelmetalle
12.07.2024
08:54 Uhr

Fast jedem dritten Krankenhaus droht Insolvenz in diesem Jahr

Große Befragung von KlinikfĂŒhrungskrĂ€ften in Deutschland

Eine alarmierende Erhebung unter KlinikfĂŒhrungskrĂ€ften in Deutschland zeigt, dass mehr als die HĂ€lfte der befragten FĂŒhrungskrĂ€fte die LiquiditĂ€t der Kliniken als gefĂ€hrdet ansieht. Der Report bemĂ€ngelt ausbleibende Ausgleichszahlungen bei gleichzeitig gestiegenen Preisen. Auch die Fallzahlen sinken, was zu leeren Betten und einer prekĂ€ren Situation der Kliniken fĂŒhrt.

Finanzielle Notlage verschÀrft sich

Die finanzielle Not der KrankenhĂ€user verschĂ€rft sich laut einer Branchenerhebung weiter. Mehr als die HĂ€lfte von 650 befragten KlinikfĂŒhrungskrĂ€ften sah im zweiten Quartal die LiquiditĂ€t des eigenen Hauses „gefĂ€hrdet“ oder sogar „stark gefĂ€hrdet“. Im Schnitt könnte nach dieser SelbsteinschĂ€tzung 28 Prozent der Kliniken bis Jahresende die Insolvenz drohen.

70 Prozent der KrankenhÀuser machen Verlust

„Es sind nicht nur die kleinen KrankenhĂ€user, sondern auch viele große KrankenhĂ€user, Maximalversorger und UniversitĂ€tskliniken betroffen“, sagte Peter Magunia, Krankenhausfachmann und Partner des MĂŒnchner Beratungsunternehmens Roland Berger. Insbesondere öffentliche KrankenhĂ€user stehen stark unter Druck. Im vergangenen Jahr schrieben 70 Prozent der KrankenhĂ€user rote Zahlen.

StÀdtische KrankenhÀuser besonders betroffen

Anders als oft angenommen, geraten nicht nur kleine KrankenhĂ€user auf dem Land in Not. Janes GrotelĂŒschen, Co-Autor und Partner bei Roland Berger, betonte, dass die Herausforderung in den StĂ€dten teilweise noch grĂ¶ĂŸer sei. „Was die Bettendichte angeht, sind wir in den StĂ€dten meistens besser ausgestattet als lĂ€ndlich. Daher gibt es in den StĂ€dten teilweise noch grĂ¶ĂŸere Auslastungsprobleme.“

Personalnot und hohe Lebenshaltungskosten

Ein weiteres großes Problem ist fehlendes Personal. PflegekrĂ€fte und andere Klinikangestellte verdienen oft nicht genug, um die hohen Lebenshaltungskosten in den StĂ€dten zu decken. „In den StĂ€dten ist es teilweise noch schwieriger fĂŒr die KrankenhĂ€user, Personal zu finden“, sagte GrotelĂŒschen.

Neuer Pleiterekord möglich

Die pessimistischen EinschĂ€tzungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) decken sich mit den Ergebnissen der Umfrage. 2023 hatten bundesweit 40 HĂ€user Insolvenz angemeldet. FĂŒr 2024 könnte ein neuer Negativrekord drohen. Die Bundesregierung hat zwar versprochen, die Krankenhausfinanzierung zu reformieren, doch die Unsicherheit bleibt bestehen.

ZusammenschlĂŒsse als Ausweg?

Mittel- und lĂ€ngerfristig werden viele KrankenhĂ€user nach EinschĂ€tzung der Experten auf ZusammenschlĂŒsse angewiesen sein. „50 Prozent aller GeschĂ€ftsfĂŒhrer denken ĂŒber Fusionen nach“, sagte Magunia. Viele KrankenhĂ€user könnten nicht solitĂ€r ĂŒberleben, sondern nur im Verbund.

KrankenhĂ€user verlieren KreditwĂŒrdigkeit

Gesunkene Fallzahlen und ausbleibende Ausgleichszahlungen fĂŒr die inflationsbedingt stark gestiegenen Preise der letzten Jahre belasten die KrankenhĂ€user zusĂ€tzlich. Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, betonte, dass die um 13 Prozent gestiegenen Kosten nur knapp zur HĂ€lfte durch Preisanpassungen ausgeglichen wurden.

Prognose fĂŒr die Zukunft

Der Krankenhaus Rating Report prognostiziert, dass 70 Prozent der Kliniken in diesem Jahr ein negatives Jahresergebnis erwarten. 2025 könnten es sogar 80 Prozent werden. Selbst bei einer schnellen Umsetzung der ReformplÀne des Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) sei keine Entwarnung in Sicht.

VersorgungseinschrÀnkungen drohen

„Auf die Menschen in Deutschland werden also noch einige Jahre der VersorgungseinschrĂ€nkungen zukommen, sofern die Gesundheitspolitik dem kalten Strukturwandel der unkontrollierten wirtschaftlich bedingten Krankenhausschließungen weiter zuschaut“, resĂŒmierte Dr. Gerald Gaß.

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