
Drohnen-Hagel auf St. Petersburg: Flogen sie über NATO-Gebiet?

In der Nacht zum 18. Oktober haben ukrainische Drohnen St. Petersburg angegriffen, die zweitgrößte Stadt Russlands. Ölanlagen brannten, Wohnhäuser wurden beschädigt, ein Mensch kam laut russischen Behörden ums Leben. Seitdem dreht sich alles um eine heikle Frage: Welchen Weg haben die Drohnen genommen, und was wusste die NATO davon?
Eine Nacht in Flammen
Ukrainischen Beobachterkanälen zufolge begann der Angriff gegen 2:50 Uhr Ortszeit. Alexander Drosdenko, Gouverneur des Leningrader Gebiets, meldete 127 abgeschossene Drohnen allein über seiner Region. Sein Kollege in St. Petersburg, Alexander Beglow, bestätigte Brände am Ölterminal der Stadt, am Öllager Ruchyi und in Industriehallen im Bezirk Kolpino.
Nach seinen Angaben gab es einen Toten und fünf Verletzte, dazu 12 beschädigte Wohnhäuser und zwei Einfamilienhäuser. Russische Staatsmedien berichteten außerdem von Treffern auf ein Rechenzentrum des sozialen Netzwerks VKontakte. Der Flughafen Pulkowo stellte Medienberichten zufolge den Betrieb zeitweise ein. Der ukrainische Hersteller Fire Point gibt an, seine Drohne FP-1 habe das Ölterminal getroffen.
Unabhängig überprüfen lässt sich davon bislang kaum etwas. Fast alle Informationen stammen von den Kriegsparteien selbst.
Kein Ausrutscher, sondern ein Muster
Das Ölterminal wurde schon am 4. Juli beschädigt. Anfang Juni schlugen Drohnen in drei Stadtbezirken ein, kurz bevor das Wirtschaftsforum SPIEF begann. Der Hafen Ust-Luga, rund 110 Kilometer westlich der Stadt, brannte im März, im August und am 1. September. Der Moskauer Bürgermeister sprach sogar von mehr als 2600 Drohnen auf die Hauptstadt in nur einer Woche.
Ust-Luga ist dabei mehr als ein Hafen. Hier beginnt Nord Stream 2, hier steht die Verdichterstation Slawjanskaja. Brisant ist der zeitliche Zusammenhang: Reuters hatte am 8. Oktober berichtet, der US-Gesandte Jared Kushner und Putin-Berater Kirill Dmitrijew hätten über einen US-Investor für die Pipelines gesprochen. Bestätigt hat das keine Seite. Manche Beobachter lesen die Angriffe als Signal Kiews an Washington. Belegt ist das nicht.
Die Baltikum-Frage: Brandgefährlich und ungeklärt
Kritische Stimmen sehen den eigentlichen Sprengstoff in der Flugroute. Die Drohnen seien zunächst Richtung Moskau gestartet, dann nach Westen abgebogen und entlang der Grenze über baltisches Gebiet nach Norden geflogen. Dass die NATO keine einzige abgefangen habe, deuten sie als stille Duldung. Harte Beweise wie Radardaten oder Wrackteile hat bisher niemand öffentlich vorgelegt.
Moskau wirft Estland, Lettland und Litauen schon seit dem Frühjahr vor, ihren Luftraum für solche Angriffe zu öffnen. Die drei Hauptstädte nennen das Desinformation. Westliche Fachleute halten dagegen, dass Estland im Mai selbst eine ukrainische Drohne abschießen ließ. Frühere Zwischenfälle führen sie auf Fehlflüge aus russischem Luftraum zurück.
Am Sonntag kam ein neuer Vorfall hinzu: Im Norden Litauens stürzte eine Drohne ab, Trümmer verletzten einen Menschen. Litauens Verteidigungsminister Robertas Kaunas soll erklärt haben, sie sei wahrscheinlich aus Polen eingeflogen. Ob sie zum Angriff auf St. Petersburg gehörte, ist offen. Kiew soll sich entschuldigt und die Abweichung mit russischen Störsendern erklärt haben.
Europa spielt mit dem Feuer
Kremlsprecher Peskow gibt sich gelassen: Die Angriffe könnten am „Gang der Ereignisse“ nichts ändern. Zugleich stehen frühere Drohungen gegen das Baltikum weiter im Raum. Aus Washington, Berlin und Brüssel kam zu dieser Nacht zunächst nichts.
Gerade dieses Schweigen ist beunruhigend. Ein Vorwurf, den keiner beweisen und keiner sauber widerlegen kann, eignet sich bestens als Vorwand für eine russische „angemessene Antwort“. Ausbaden müssten das zuerst die Bürger an der NATO-Ostflanke und am Ende auch die deutschen Steuerzahler. Wer Klarheit über die Flugrouten schafft, nimmt solchen Vorwänden die Grundlage.
Für Sparer zeigt die Nacht vor allem eines: Geopolitische Risiken können sich in Stunden verschärfen. Physisches Gold und Silber haben sich in solchen Phasen über Generationen als Krisenschutz bewährt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie für Stabilität sorgen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.
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