Kettner Edelmetalle
11.08.2025
13:17 Uhr

Deutschlands Luftfahrt im Sturzflug: Wenn politische Gier die Wirtschaft erdrosselt

Die deutsche Luftverkehrswirtschaft schlĂ€gt Alarm – und diesmal sollte wirklich jeder zuhören. WĂ€hrend unsere europĂ€ischen Nachbarn ihre Flugverbindungen ausbauen und florieren, versinkt der Standort Deutschland immer tiefer im selbst geschaufelten Grab aus Steuern, Abgaben und bĂŒrokratischen Fesseln. Die nackten Zahlen sprechen eine vernichtende Sprache: Von einst 190 Flugzeugen im Jahr 2019 sind heute gerade noch 130 ĂŒbrig geblieben. Ein Exodus biblischen Ausmaßes, orchestriert von einer Politik, die offenbar nicht verstanden hat, dass man den Ast, auf dem man sitzt, besser nicht absĂ€gt.

Der große Kahlschlag: Wenn Airlines Deutschland den RĂŒcken kehren

Jens Bischof, PrĂ€sident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, bringt es auf den Punkt: Die Airlines machen einen großen Bogen um Deutschland. Wer kann es ihnen verdenken? Die staatlich veranlassten Kosten haben sich seit 2019 mehr als verdoppelt – ein Wahnsinn, der seinesgleichen sucht. WĂ€hrend andere LĂ€nder ihre Luftfahrtindustrie hegen und pflegen, presst der deutsche Staat die Branche aus wie eine Zitrone.

Die Folgen dieser verfehlten Politik sind dramatisch: Rund 10.000 ArbeitsplĂ€tze sind bereits verloren gegangen, mehr als vier Milliarden Euro Wertschöpfung jĂ€hrlich verpuffen im Nichts. Jedes einzelne Mittelstreckenflugzeug, das Deutschland verlĂ€sst, reißt 170 ArbeitsplĂ€tze und 70 Millionen Euro Wirtschaftsleistung mit sich. Das ist keine abstrakte Statistik – das sind reale Existenzen, die auf dem Altar politischer Kurzsichtigkeit geopfert werden.

Die Steuerlast erdrĂŒckt den Standort

Die Zahlen sind erschreckend: 4,4 Milliarden Euro mĂŒssen die Airlines in diesem Jahr an staatlichen Abgaben berappen – ein Anstieg um 1,1 Milliarden Euro. Flugsicherung, Sicherheitskontrollen, Luftverkehrssteuer – der Staat langt zu, als gĂ€be es kein Morgen. Und die Große Koalition? Die hatte im Koalitionsvertrag vollmundig eine Senkung der Luftverkehrssteuer versprochen. Was ist daraus geworden? Nichts als heiße Luft. Die Erhöhung vom Mai 2024 bleibt bestehen, die versprochene Entlastung wurde sang- und klanglos kassiert.

"Die Bundesregierung muss der Krise des Luftverkehrsstandortes Deutschland PrioritĂ€t einrĂ€umen", fordert Bischof. Doch in Berlin scheint man andere PrioritĂ€ten zu haben – vermutlich die nĂ€chste Steuererhöhung.

Deutschland als Schlusslicht Europas

WĂ€hrend der Rest Europas lĂ€ngst wieder auf Vorkrisenniveau fliegt, dĂŒmpelt Deutschland auf Platz 28 von 31 europĂ€ischen LĂ€ndern herum. Die Passagierzahlen stiegen im ersten Halbjahr mickrige drei Prozent – in anderen LĂ€ndern waren es zehn Prozent. Das Sitzplatzangebot liegt hierzulande bei mageren 87 Prozent des Niveaus von 2019, wĂ€hrend der europĂ€ische Durchschnitt bereits 104 Prozent erreicht hat.

Besonders bitter: Selbst im kommenden Winterflugplan wird Deutschland nur 90 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen, wÀhrend unsere Nachbarn bei satten 116 Prozent liegen werden. Das ist keine Erholung, das ist ein Dahinsiechen auf Raten.

Die paradoxe Lage des Tourismus

Interessanterweise boomt ausgerechnet der Tourismussektor. Ferienflieger bieten 34 Prozent mehr SitzplĂ€tze an als 2019. Die Deutschen reisen also durchaus – nur eben nicht mit deutschen Airlines von deutschen FlughĂ€fen. Sie weichen aus, nehmen lĂ€ngere Anfahrtswege in Kauf, fliegen von Amsterdam, ZĂŒrich oder Wien. Die Zeche zahlt der Standort Deutschland.

Der innerdeutsche Flugverkehr liegt derweil am Boden: Weniger als die HĂ€lfte der FlĂŒge von 2019 heben noch ab. GeschĂ€ftsreisende sind auf Videokonferenzen umgestiegen – nicht nur aus UmweltgrĂŒnden, sondern schlicht, weil Fliegen in Deutschland zu teuer und zu umstĂ€ndlich geworden ist.

Zeit fĂŒr einen Kurswechsel

Die deutsche Luftfahrt braucht keine weiteren Lippenbekenntnisse, sondern handfeste Entlastungen. Die Luftverkehrssteuer muss runter, die GebĂŒhren mĂŒssen sinken, die Rahmenbedingungen mĂŒssen wettbewerbsfĂ€hig werden. Andere LĂ€nder machen es vor: Sie verstehen ihre FlughĂ€fen als Tore zur Welt, als Wirtschaftsmotoren, als Jobmaschinen. In Deutschland hingegen sieht man sie offenbar nur als MelkkĂŒhe.

Es ist höchste Zeit, dass die Politik aufwacht. Jeder Tag des Zögerns kostet ArbeitsplĂ€tze, schwĂ€cht die Wirtschaft und isoliert Deutschland weiter. Die Luftfahrt ist keine Luxusbranche fĂŒr Besserverdiener, sondern ein essentieller Bestandteil einer modernen, vernetzten Volkswirtschaft. Wer das nicht begreift, verspielt Deutschlands Zukunft.

WĂ€hrend unsere Politiker ĂŒber KlimaneutralitĂ€t und Sondervermögen debattieren, wandern die Airlines ab. Die Rechnung werden wir alle bezahlen – in Form von schlechterer Anbindung, weniger WettbewerbsfĂ€higkeit und letztlich weniger Wohlstand. Es wĂ€re an der Zeit, dass in Berlin endlich jemand die Notbremse zieht. Doch die Hoffnung darauf schwindet mit jedem Flugzeug, das Deutschland verlĂ€sst.

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