
Der digitale Rotstift des Staates: Wie Landesmedienanstalten tausendfach zur Löschung im Netz aufriefen

Es klingt nach einem Kapitel aus einem dystopischen Roman, doch es ist bittere deutsche Wirklichkeit im Jahr 2025: Fast viertausend Mal haben die Landesmedienanstalten dieser Republik im vergangenen Jahr Plattformen aufgefordert, InternetbeitrĂ€ge zu entfernen. 3.938 Aufforderungen zur Löschung â und obendrein 2.508 BeitrĂ€ge, die man kurzerhand an die Ermittlungsbehörden weiterreichte. Diese Zahlen, die die Medienanstalten auf Anfrage des Portals âNiusâ offenlegten, lesen sich wie das Sittenbild eines Staates, der das Vertrauen in seine eigenen BĂŒrger lĂ€ngst verloren hat.
Bayern und Nordrhein-Westfalen: Die Hochburgen des Löschbefehls
Besonders eifrig zeigten sich die Behörden im Freistaat Bayern, wo sage und schreibe 1.663 Aufforderungen zur Löschung ergingen. Dicht dahinter Nordrhein-Westfalen mit 1.308 FĂ€llen. Als offizielle BegrĂŒndung dienten â wie könnte es anders sein â VorwĂŒrfe wie Volksverhetzung, das Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen und Beleidigungen von Politikern. Man beachte die pikante Reihenfolge: Wenn es um die Ehre der politischen Klasse geht, ist der behördliche Diensteifer offenbar besonders geweckt.
Wer sich fragt, ob hier tatsĂ€chlich nur echte Straftaten verfolgt werden oder ob eine ganz bestimmte politische Handschrift den Rotstift fĂŒhrt, dem sei ein besonders drastischer Fall ans Herz gelegt.
Der Fall Ben Berndt: Wenn ein Interview zur StaatsaffÀre wird
Der Podcaster Ben Berndt, dessen Format âungeskriptetâ inzwischen Millionen erreicht, geriet ins Visier der Landesanstalt fĂŒr Medien Nordrhein-Westfalen. Sein Vergehen? Er hatte den ThĂŒringer AfD-Chef Björn Höcke interviewt â und die entsprechende Folge wurde seit Ende April ĂŒber sechs Millionen Mal aufgerufen. Ein publizistischer Erfolg, der offenbar den falschen Leuten Bauchschmerzen bereitete.
Der Vorwurf der Behörde: Berndt habe eine Passage, in der Höcke seine eigene Sicht auf seine Verurteilungen wegen der Parole âAlles fĂŒr Deutschlandâ schildert, nicht nachtrĂ€glich âeingeordnetâ oder âkorrigiertâ. Man lieĂ dem Betreiber der ungeskriptet media GmbH ĂŒber die Rechtsabteilung ein Schreiben zukommen mit der Aufforderung, bis zum 30. Juni Nachbesserungen vorzunehmen.
âDer Staat will mich zensieren. Da habt ihr euch den falschen ausgesucht.â â Ben Berndt auf X
Die Ironie könnte kaum bitterer sein: Ausgerechnet jene Landesanstalt, die mit dem Slogan âDer Meinungsfreiheit verpflichtetâ wirbt, verlangt von einem Journalisten, die Aussagen seines Interviewpartners nach staatlichem Gusto zu âkorrigierenâ. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Interview soll nicht mehr wiedergeben, was gesagt wurde, sondern was der Behörde genehm ist.
Nicht nur löschen â auch lenken
Doch die Ambitionen unserer MedienwĂ€chter gehen weit ĂŒber das bloĂe Streichen missliebiger Inhalte hinaus. Aus einem internen Papier der Landesmedienbehörden von Bayern und Nordrhein-Westfalen, aus dem âApollo Newsâ zitierte, geht hervor, dass kĂŒnftig bestimmte BeitrĂ€ge auf Plattformen wie Facebook und X bevorzugt angezeigt werden sollen. Man nennt das euphemistisch âPublic-Value-Verfahrenâ.
Konkret bedeutet dies: Der Staat will âverlĂ€sslicheâ Anbieter identifizieren, deren Inhalte dann eine höhere Reichweite erhalten sollen. Wer als âverlĂ€sslichâ gilt und wer nicht, entscheidet natĂŒrlich die Behörde. Es ist die perfide Umkehrung der freien MeinungsĂ€uĂerung: Nicht mehr der BĂŒrger entscheidet, was ihn interessiert, sondern eine staatlich gesteuerte Instanz bestimmt, welche Stimmen laut und welche leise klingen dĂŒrfen.
Man rechtfertigt dies mit dem Kampf gegen âdesinformierende, polarisierende oder lediglich aufmerksamkeitsstarke Inhalteâ. Ăbersetzt in Klartext: Alles, was der herrschenden Meinung widerspricht, könnte kĂŒnftig algorithmisch unter den Tisch fallen. Sogar eine gesetzliche Quote fĂŒr solche âPublic-Value-Inhalteâ wird ernsthaft ins Spiel gebracht.
Ein Angriff auf das Fundament unserer Demokratie
Artikel 5 des Grundgesetzes ist unmissverstĂ€ndlich: âEine Zensur findet nicht statt.â Diese vier Worte gehören zu den kostbarsten Errungenschaften unserer Rechtsordnung, mĂŒhsam erkĂ€mpft nach den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte. Und ausgerechnet Behörden, die sich ihrer angeblichen Freiheitsliebe rĂŒhmen, scheinen dieses Grundprinzip zunehmend als lĂ€stiges Hindernis zu betrachten.
Wenn der Staat sich anmaĂt, journalistische Inhalte nachtrĂ€glich âeinordnenâ zu lassen, wenn er tausendfach die Löschung von BeitrĂ€gen fordert und wenn er kĂŒnftig sogar bestimmen will, welche Meinungen mehr Sichtbarkeit verdienen â dann bewegen wir uns mit hohem Tempo in Richtung eines Gesinnungsstaates, in dem die freie Rede nur noch auf dem Papier existiert.
Es ist kein Zufall, dass diese Entwicklungen mit einer politischen Landschaft einhergehen, in der abweichende Meinungen immer hĂ€ufiger diffamiert, ausgegrenzt und nun eben auch technisch marginalisiert werden. Wer glaubt, dies betreffe nur die politischen RĂ€nder, der irrt gewaltig. Denn ein Staat, der einmal gelernt hat, den Rotstift zu fĂŒhren, wird ihn nur ungern wieder aus der Hand legen.
BestÀndige Werte in unbestÀndigen Zeiten
Was hat all dies mit Edelmetallen zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Wenn der Staat beginnt, in immer mehr Lebensbereiche einzugreifen â sei es in die freie Rede, sei es in das Vermögen seiner BĂŒrger â, dann wĂ€chst das BedĂŒrfnis nach UnabhĂ€ngigkeit. Gold und Silber sind seit Jahrtausenden genau das: ein Bollwerk gegen staatliche WillkĂŒr, ein Wert, den keine Behörde per Schreiben löschen und kein Algorithmus unsichtbar machen kann. In Zeiten, in denen selbst das gesprochene Wort unter staatlicher Aufsicht steht, gewinnt echte materielle UnabhĂ€ngigkeit an Bedeutung.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Rechts- oder Anlageberatung dar. FĂŒr Anlageentscheidungen ist jeder Leser selbst verantwortlich und sollte eigenstĂ€ndig recherchieren beziehungsweise fachkundigen Rat einholen. Physische Edelmetalle können eine sinnvolle ErgĂ€nzung zur Vermögenssicherung und zur Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio darstellen.










