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23.02.2026
21:57 Uhr

Demokratieverdrossenheit auf Rekordniveau: Berliner verlieren den Glauben an das System

Demokratieverdrossenheit auf Rekordniveau: Berliner verlieren den Glauben an das System

Die Zahlen sind ernĂŒchternd, aber kaum ĂŒberraschend fĂŒr jeden, der die politische Entwicklung in Deutschland mit wachen Augen verfolgt hat. Der neue Berlin-Monitor 2025 offenbart, was viele BĂŒrger lĂ€ngst am eigenen Leib spĂŒren: Das Vertrauen in die praktische Umsetzung der Demokratie in Deutschland bröckelt – und zwar gewaltig.

Nur noch 62 Prozent zufrieden – ein Alarmsignal

Lediglich 62 Prozent der knapp 2.000 Befragten gaben an, mit der Demokratie, wie sie in der Bundesrepublik existiert, „alles in allem zufrieden" zu sein. Vor fĂŒnf Jahren waren es noch 70 Prozent. Ein RĂŒckgang von acht Prozentpunkten in nur einer halben Dekade – das ist kein statistisches Rauschen, das ist ein tektonischer Riss im Fundament des politischen Systems. Selbst die grundsĂ€tzliche Zustimmung zur Demokratie als bestgeeignetes System fĂŒr Deutschland erreichte mit 86 Prozent einen neuen Tiefstwert, nachdem 2021 noch 92 Prozent dieser Aussage beipflichteten.

Doch die eigentlich brisanten Zahlen verbergen sich hinter den Schlagzeilen. 57 Prozent der Berliner sind der Überzeugung, dass man Politikern schlicht nicht mehr vertrauen könne. Knapp die HĂ€lfte fĂŒhlt sich politisch ohnmĂ€chtig. Und ebenfalls 57 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Politiker lediglich auf WĂ€hlerstimmen aus seien, sich aber einen feuchten Kehricht um den tatsĂ€chlichen Willen der BĂŒrger scherten.

Die Ursachen liegen auf der Hand

Wer sich fragt, woher diese massive Entfremdung zwischen Volk und politischer Klasse rĂŒhrt, muss nicht lange suchen. Jahre der ideologiegetriebenen Politik, in denen die Sorgen der einfachen BĂŒrger systematisch als „populistisch" abgetan wurden, haben tiefe Spuren hinterlassen. Eine Energiepolitik, die IndustriearbeitsplĂ€tze vernichtet. Eine Migrationspolitik, die ganze Stadtviertel verĂ€ndert hat, ohne dass die Betroffenen je gefragt wurden. Und eine politische Klasse, die sich lieber mit Gendersternchen und Selbstbestimmungsgesetzen beschĂ€ftigt, als die drĂ€ngenden Probleme des Landes anzupacken.

Bezeichnend ist, dass selbst die Studienautoren einrĂ€umen mĂŒssen, die zurĂŒckgegangene Zufriedenheit hĂ€nge damit zusammen, dass Menschen das GefĂŒhl hĂ€tten, „nichts mehr bewirken zu können". Welch eine BankrotterklĂ€rung fĂŒr ein demokratisches System, das doch eigentlich vom Mitspracherecht seiner BĂŒrger lebt!

Wenn die Studie zur Ideologie wird

Besonders aufschlussreich ist freilich, wie der Berlin-Monitor selbst mit seinen eigenen Ergebnissen umgeht. Gefördert von der Landesstelle fĂŒr Gleichbehandlung und der Senatsverwaltung fĂŒr Arbeit und Soziales – also mit Steuergeldern finanziert – widmet sich die Studie ausfĂŒhrlich dem Thema „Geschlechterdemokratie". Die Ablehnung geschlechtlicher und sexueller Vielfalt beruhe „wesentlich auf einer wahrgenommenen Bedrohung der heteronormativen Lebensform", heißt es dort in bestem Soziologendeutsch. Diese Vorstellung werde von „rechtsextremen und rechtspopulistischen Akteur:innen gezielt aufgegriffen".

Man reibt sich die Augen. Da verlieren die BĂŒrger in Scharen das Vertrauen in ihre demokratischen Institutionen, und die Studienautoren finden nichts Besseres zu tun, als jene, die traditionelle Werte hochhalten, in die rechtsextreme Ecke zu stellen? Dabei widersprechen die eigenen Zahlen dieser Einordnung sogar: Die Zustimmung zur Aussage, Frauen sollten sich stĂ€rker auf die Mutterrolle konzentrieren, sank von ĂŒber 20 auf 15 Prozent. Auch die EinschĂ€tzung, Transgeschlechtlichkeit stelle eine Gefahr fĂŒr die Gesellschaft dar, nahm ab. Die Daten geben die ideologische Rahmung schlicht nicht her.

Antisemitismus – nicht nur von rechts

Immerhin findet sich in dem Bericht eine bemerkenswerte Erkenntnis, die man sonst selten in staatlich geförderten Studien liest: Antisemitismus komme zunehmend auch von links und aus dem islamistischen Umfeld. Er werde zu einer „BrĂŒcken-Ideologie", die verschiedene Gruppen miteinander verbinde. Selbst Klimabewegungen und queere oder feministische BĂŒndnisse seien „in den letzten Jahren offener fĂŒr antisemitische Motive geworden". Eine Feststellung, die angesichts der pro-palĂ€stinensischen Demonstrationen in deutschen GroßstĂ€dten, bei denen offen israelfeindliche Parolen skandiert werden, kaum jemanden ĂŒberraschen dĂŒrfte – außer vielleicht jene Politiker, die jahrelang Antisemitismus ausschließlich als Problem der politischen Rechten framen wollten.

Das eigentliche Problem wird ignoriert

Was der Berlin-Monitor letztlich offenbart, ist ein fundamentales Versagen der politischen Klasse. Die Menschen wenden sich nicht von der Demokratie als Idee ab – 86 Prozent halten sie nach wie vor fĂŒr das beste System. Sie wenden sich von einer Praxis ab, in der ihre Stimme nichts mehr zĂ€hlt. Von einer Politik, die ĂŒber ihre Köpfe hinweg entscheidet. Von Parteien, die Wahlversprechen brechen, kaum dass die Stimmen ausgezĂ€hlt sind.

Man denke nur an das jĂŒngste Beispiel: Friedrich Merz versprach im Wahlkampf, keine neuen Schulden zu machen. Wenige Wochen nach Amtsantritt wurde ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen beschlossen, das Generationen von Steuerzahlern belasten wird. Wer sich dann wundert, dass 57 Prozent der Berliner Politikern nicht mehr vertrauen, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen.

Die Demokratie stirbt nicht an ihren Feinden von außen. Sie stirbt an der GleichgĂŒltigkeit jener, die sie eigentlich verteidigen sollten – und an der Arroganz einer politischen Klasse, die den Kontakt zu den Menschen verloren hat, die sie zu vertreten vorgibt.

Deutschland braucht keine weiteren steuerfinanzierten Studien, die den BĂŒrgern erklĂ€ren, warum ihre Sorgen eigentlich unbegrĂŒndet oder gar „rechtsextrem" seien. Deutschland braucht Politiker, die zuhören. Die ihre Versprechen halten. Die das Wohl des eigenen Volkes wieder in den Mittelpunkt stellen, statt sich in ideologischen GrabenkĂ€mpfen zu verlieren. Solange das nicht geschieht, werden die Vertrauenswerte weiter sinken – und zwar nicht nur in Berlin.

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