
DDR-Hymne bei AfD-Veranstaltung: Ein Fehltritt, der Fragen aufwirft
Sechs Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat sich in einem Dessauer Saal eine Szene abgespielt, die man in der politischen Kommunikationsberatung getrost unter âstrategischer Selbstsabotageâ verbuchen dĂŒrfte. Bei einer Diskussionsrunde der AfD unter dem Motto âKeen Getue, keen Gemache, fĂŒr den Frieden!â erklang neben der deutschen Nationalhymne auch die frĂŒhere Hymne der DDR â âAuferstanden aus Ruinenâ. Und die SpitzenkrĂ€fte der Partei sangen munter mit.
Wie es zu dem peinlichen Moment kam
Auf dem Podium saĂen der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla, der Landtags-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, der Kabarettist Uwe Steimle sowie die frĂŒhere GrĂŒnen-Politikerin und BĂŒrgerrechtlerin Antje Hermenau. Man debattierte ĂŒber den Frieden und ĂŒber die Zukunft der Partei â auch ĂŒber deren mögliche Regierungsverantwortung im Land.
Zum Abschluss trĂ€llerte Steimle zunĂ€chst ein eigenes Lied aus Corona-Zeiten, dessen Melodie sich an Pachelbels berĂŒhmten Kanon anlehnt. Chrupalla wollte dann noch, wie er betonte, âdie Nationalhymne zum Schluss singen. Das machen wir immer in Sachsen-Anhalt!â Doch als Steimle zum Mikrofon griff, stimmte er nicht das Deutschlandlied an, sondern jene Zeilen, die untrennbar mit dem SED-Staat verbunden sind: âAuferstanden aus Ruinen, und der Zukunft zugewandt.â
Zwischen Widerspruch und mitsingendem Enthusiasmus
ZunĂ€chst schien Chrupalla noch zu stutzen und rief: ânein, die andere!â Die BĂŒrgerrechtlerin Hermenau, die den Unrechtsstaat am eigenen Leib erlebt haben dĂŒrfte, seufzte vernehmlich: ânein, nein, nein, nein, nein!â Doch Steimle und Teile des Publikums lieĂen sich nicht beirren. Und spĂ€testens bei den Worten âDeutschland, einig Vaterlandâ stimmten auch Siegmund und Chrupalla ein â anfangs sichtlich unangenehm berĂŒhrt, gegen Ende der Strophe jedoch mit unverkennbarer Freude.
âMan mĂŒsse die westdeutsche auch singen, wir mĂŒssen beide singenâ â so soll Hermenau interveniert haben, ehe Chrupalla schlieĂlich die dritte Strophe des Liedes der Deutschen anstimmte.
Warum das kein harmloser Ausrutscher ist
Man mag ĂŒber die Melodie streiten, man mag den Text sogar sprachlich fĂŒr gefĂ€llig halten â doch das Ă€ndert nichts an der bitteren Wahrheit dahinter. Diese Hymne war das musikalische AushĂ€ngeschild eines Regimes, das ĂŒber tausend Menschen an der innerdeutschen Grenze in den Tod getrieben hat. Ein Staat der Mauer, der Bespitzelung und der UnterdrĂŒckung. Wer fĂŒr Freiheit eintreten will, sollte ausgerechnet dieses Lied nicht in einem festlichen Rahmen anstimmen.
Interessant ist dabei der historische Kontext: Der Text der DDR-Hymne durfte in den letzten beiden Jahrzehnten des SED-Regimes gar nicht mehr gesungen werden. Der Grund? Die Zeile âDeutschland, einig Vaterlandâ passte den kommunistischen Machthabern nicht mehr ins ideologische Konzept. Man wollte die Einheit nicht, man wollte die dauerhafte Spaltung. So gesehen ist es eine gewisse Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet dieser Text heute wieder aus voller Kehle geschmettert wird.
Ein Signal zur falschen Zeit
Bemerkenswert ist auch, dass Ulrich Siegmund, Jahrgang 1990, die Regierungszeit der SED nie selbst erlebt hat. Umso mehr stellt sich die Frage nach der politischen Klugheit einer solchen Inszenierung. Wenige Wochen vor einer wichtigen Wahl liefert man den politischen Gegnern eine Steilvorlage frei Haus â ganz ohne Not. Wer die berechtigte Kritik an der aktuellen Regierungspolitik in Berlin glaubwĂŒrdig vertreten will, sollte sich nicht durch nostalgische VerklĂ€rung eines Unrechtsstaates angreifbar machen.
Die Sehnsucht nach Heimat und IdentitĂ€t, gerade in Ostdeutschland, ist verstĂ€ndlich und legitim. Doch sie sollte sich nicht in der VerklĂ€rung eines Systems ausdrĂŒcken, das seinen eigenen BĂŒrgern die Freiheit genommen hat. Wahre konservative Werte bedeuten die Bewahrung der Freiheit â nicht deren Relativierung. Ein wachsamer Blick auf die eigene Geschichte gehört ebenso dazu wie die scharfe Kritik an den Fehlentwicklungen der Gegenwart.
Was bleibt
In stĂŒrmischen politischen Zeiten, in denen Vertrauen in die etablierte Politik schwindet und die Verunsicherung wĂ€chst, suchen viele Menschen nach StabilitĂ€t. Diese findet man nicht in ideologischen Symbolen vergangener Diktaturen, sondern in Werten, die Bestand haben. Gerade wer sein Vermögen und seine Zukunft absichern möchte, tut gut daran, auf BestĂ€ndiges zu setzen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte hinweg Krisen, Systemwechsel und WĂ€hrungsreformen ĂŒberdauert â als greifbare, wertbestĂ€ndige ErgĂ€nzung eines soliden und breit gestreuten Vermögensportfolios.










