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27.02.2026
07:23 Uhr

Clinton vor dem Kongress: „Ich kann mich nicht erinnern, Epstein je begegnet zu sein"

Es gibt SĂ€tze, die sich ins kollektive GedĂ€chtnis einer Nation einbrennen – nicht wegen ihrer Eloquenz, sondern wegen ihrer schieren Dreistigkeit. Hillary Clintons Aussage vor dem Aufsichtsausschuss des US-ReprĂ€sentantenhauses am 26. Februar dĂŒrfte in diese Kategorie fallen. Die ehemalige Außenministerin und First Lady erklĂ€rte unter Eid, sie habe keinerlei Kenntnis von den Verbrechen des verstorbenen SexualstraftĂ€ters Jeffrey Epstein und seiner Komplizin Ghislaine Maxwell gehabt.

GedĂ€chtnislĂŒcken von beeindruckender PrĂ€zision

„Ich hatte keine Ahnung von ihren kriminellen AktivitĂ€ten. Ich kann mich nicht erinnern, Herrn Epstein jemals begegnet zu sein. Ich bin nie in seinem Flugzeug geflogen und habe weder seine Insel noch seine HĂ€user oder BĂŒros besucht", so Clinton in ihrer EröffnungserklĂ€rung. Man muss diese Worte einen Moment auf sich wirken lassen. Eine der mĂ€chtigsten Frauen der westlichen Welt, deren Ehemann nachweislich in den Jahren 2002 und 2003 mit Epsteins Privatjet flog, will von alledem nichts mitbekommen haben. Flugprotokolle und Fotografien belegen die Reisen Bill Clintons. Gerichtsdokumente legen nahe, dass der ehemalige PrĂ€sident sogar Epsteins berĂŒchtigte Insel besuchte – jenen Ort, an dem MinderjĂ€hrige systematisch missbraucht worden sein sollen.

Pikantes Detail am Rande: Epstein selbst soll einst gesagt haben, Hillary Clinton sei „persönlich viel hĂŒbscher". Keine Erinnerung daran, versteht sich.

Die Clintons unter Druck – erst nach Androhung von Konsequenzen

Dass die Clintons ĂŒberhaupt vor dem Ausschuss erschienen, war keineswegs selbstverstĂ€ndlich. Beide hatten zunĂ€chst abgelehnt, Fragen zu beantworten. Erst als das ReprĂ€sentantenhaus drohte, sie wegen Missachtung des Kongresses zu belangen, lenkten sie ein. Ein Verhalten, das bei einem gewöhnlichen BĂŒrger wohl kaum auf solche Nachsicht gestoßen wĂ€re. Doch die Clintons sind bekanntlich keine gewöhnlichen BĂŒrger – sie bewegen sich seit Jahrzehnten in jenen SphĂ€ren der Macht, in denen andere Regeln zu gelten scheinen.

Der Vorsitzende des Aufsichtsausschusses, der republikanische Abgeordnete James Comer aus Kentucky, brachte es auf den Punkt: „Das amerikanische Volk hat viele Fragen. Nach meinem Kenntnisstand haben die Clintons bisher kaum, wenn ĂŒberhaupt, Fragen zu ihrem Wissen oder ihrer Verbindung zu Epstein und Maxwell beantwortet." Comer betonte zwar, dass den Clintons derzeit kein Fehlverhalten vorgeworfen werde, doch der Ausschuss versuche herauszufinden, wie Epstein seinen enormen Reichtum angehĂ€uft habe und ob er möglicherweise fĂŒr Regierungsstellen gearbeitet habe.

Ein Netz aus Verbindungen, das sich nicht leugnen lÀsst

Die Faktenlage ist erdrĂŒckend. Epstein besuchte mehrfach das Weiße Haus, als Bill Clinton PrĂ€sident war. Ghislaine Maxwell war 2010 Gast bei der Hochzeit von Chelsea Clinton, der einzigen Tochter des Ehepaars. Ein Sprecher Bill Clintons hatte Epstein im Jahr 2002 noch als „Àußerst erfolgreichen Finanzier und engagierten Philanthropen" gepriesen – eine EinschĂ€tzung, die im Licht der spĂ€teren EnthĂŒllungen geradezu zynisch anmutet.

Maxwell selbst erklĂ€rte 2025 gegenĂŒber dem stellvertretenden Generalstaatsanwalt Todd Blanche, sie sei mit Bill Clinton befreundet gewesen, dieser habe die Insel jedoch nie besucht. Eine bemerkenswerte Aussage von einer Frau, die zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, weil sie gemeinsam mit Epstein junge MĂ€dchen sexuell missbraucht hatte.

Das Muster der Vertuschung

Der Fall Epstein ist weit mehr als eine Kriminalgeschichte. Er ist ein Spiegel der moralischen Verkommenheit einer politischen Elite, die sich ĂŒber Jahrzehnte fĂŒr unangreifbar hielt. Epstein starb 2019 unter höchst fragwĂŒrdigen UmstĂ€nden in seiner GefĂ€ngniszelle – offiziell durch Suizid. Die UmstĂ€nde seines Todes werfen bis heute Fragen auf, die nie zufriedenstellend beantwortet wurden. Dass er 2008 fĂŒr die Anstiftung einer MinderjĂ€hrigen zur Prostitution lediglich 13 Monate Haft erhielt, ist ein Skandal fĂŒr sich.

Hillary Clinton zeigte sich in ihrer Aussage „entsetzt" ĂŒber diese milde Strafe. Doch die Frage drĂ€ngt sich auf: Wie kann eine Frau, deren Familie derart eng mit Epstein und Maxwell verflochten war, von all dem nichts gewusst haben? Wie kann jemand, der als Außenministerin Zugang zu den sensibelsten Geheimdienstinformationen der Welt hatte, ausgerechnet bei diesem Thema völlige Ahnungslosigkeit beanspruchen?

Wenn die MÀchtigen sich nicht erinnern können

Die Anhörung der Clintons reiht sich ein in ein Muster, das den Glauben vieler BĂŒrger an die IntegritĂ€t ihrer politischen FĂŒhrung nachhaltig erschĂŒttert hat. Es ist jenes Muster, bei dem MĂ€chtige sich hinter juristisch geschliffenen Formulierungen verschanzen, bei dem „Ich kann mich nicht erinnern" zur universellen Verteidigungsstrategie wird und bei dem die Wahrheit irgendwo zwischen Flugprotokollen und GedĂ€chtnislĂŒcken verloren geht.

FĂŒr das amerikanische Volk – und letztlich fĂŒr alle, die an rechtsstaatliche Prinzipien glauben – bleibt die bittere Erkenntnis: Die vollstĂ€ndige AufklĂ€rung des Epstein-Skandals scheint auch Jahre nach seinem Tod in weiter Ferne. Solange die politische Klasse ihre schĂŒtzende Hand ĂŒber die eigenen Reihen hĂ€lt, werden die Opfer dieses monströsen Verbrechensrings weiter auf Gerechtigkeit warten mĂŒssen. Und die Clintons? Die können sich an nichts erinnern.

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