
Clinton vor dem Kongress: „Ich kann mich nicht erinnern, Epstein je begegnet zu sein"
Es gibt Sätze, die sich ins kollektive Gedächtnis einer Nation einbrennen – nicht wegen ihrer Eloquenz, sondern wegen ihrer schieren Dreistigkeit. Hillary Clintons Aussage vor dem Aufsichtsausschuss des US-Repräsentantenhauses am 26. Februar dürfte in diese Kategorie fallen. Die ehemalige Außenministerin und First Lady erklärte unter Eid, sie habe keinerlei Kenntnis von den Verbrechen des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein und seiner Komplizin Ghislaine Maxwell gehabt.
Gedächtnislücken von beeindruckender Präzision
„Ich hatte keine Ahnung von ihren kriminellen Aktivitäten. Ich kann mich nicht erinnern, Herrn Epstein jemals begegnet zu sein. Ich bin nie in seinem Flugzeug geflogen und habe weder seine Insel noch seine Häuser oder Büros besucht", so Clinton in ihrer Eröffnungserklärung. Man muss diese Worte einen Moment auf sich wirken lassen. Eine der mächtigsten Frauen der westlichen Welt, deren Ehemann nachweislich in den Jahren 2002 und 2003 mit Epsteins Privatjet flog, will von alledem nichts mitbekommen haben. Flugprotokolle und Fotografien belegen die Reisen Bill Clintons. Gerichtsdokumente legen nahe, dass der ehemalige Präsident sogar Epsteins berüchtigte Insel besuchte – jenen Ort, an dem Minderjährige systematisch missbraucht worden sein sollen.
Pikantes Detail am Rande: Epstein selbst soll einst gesagt haben, Hillary Clinton sei „persönlich viel hübscher". Keine Erinnerung daran, versteht sich.
Die Clintons unter Druck – erst nach Androhung von Konsequenzen
Dass die Clintons überhaupt vor dem Ausschuss erschienen, war keineswegs selbstverständlich. Beide hatten zunächst abgelehnt, Fragen zu beantworten. Erst als das Repräsentantenhaus drohte, sie wegen Missachtung des Kongresses zu belangen, lenkten sie ein. Ein Verhalten, das bei einem gewöhnlichen Bürger wohl kaum auf solche Nachsicht gestoßen wäre. Doch die Clintons sind bekanntlich keine gewöhnlichen Bürger – sie bewegen sich seit Jahrzehnten in jenen Sphären der Macht, in denen andere Regeln zu gelten scheinen.
Der Vorsitzende des Aufsichtsausschusses, der republikanische Abgeordnete James Comer aus Kentucky, brachte es auf den Punkt: „Das amerikanische Volk hat viele Fragen. Nach meinem Kenntnisstand haben die Clintons bisher kaum, wenn überhaupt, Fragen zu ihrem Wissen oder ihrer Verbindung zu Epstein und Maxwell beantwortet." Comer betonte zwar, dass den Clintons derzeit kein Fehlverhalten vorgeworfen werde, doch der Ausschuss versuche herauszufinden, wie Epstein seinen enormen Reichtum angehäuft habe und ob er möglicherweise für Regierungsstellen gearbeitet habe.
Ein Netz aus Verbindungen, das sich nicht leugnen lässt
Die Faktenlage ist erdrückend. Epstein besuchte mehrfach das Weiße Haus, als Bill Clinton Präsident war. Ghislaine Maxwell war 2010 Gast bei der Hochzeit von Chelsea Clinton, der einzigen Tochter des Ehepaars. Ein Sprecher Bill Clintons hatte Epstein im Jahr 2002 noch als „äußerst erfolgreichen Finanzier und engagierten Philanthropen" gepriesen – eine Einschätzung, die im Licht der späteren Enthüllungen geradezu zynisch anmutet.
Maxwell selbst erklärte 2025 gegenüber dem stellvertretenden Generalstaatsanwalt Todd Blanche, sie sei mit Bill Clinton befreundet gewesen, dieser habe die Insel jedoch nie besucht. Eine bemerkenswerte Aussage von einer Frau, die zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, weil sie gemeinsam mit Epstein junge Mädchen sexuell missbraucht hatte.
Das Muster der Vertuschung
Der Fall Epstein ist weit mehr als eine Kriminalgeschichte. Er ist ein Spiegel der moralischen Verkommenheit einer politischen Elite, die sich über Jahrzehnte für unangreifbar hielt. Epstein starb 2019 unter höchst fragwürdigen Umständen in seiner Gefängniszelle – offiziell durch Suizid. Die Umstände seines Todes werfen bis heute Fragen auf, die nie zufriedenstellend beantwortet wurden. Dass er 2008 für die Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution lediglich 13 Monate Haft erhielt, ist ein Skandal für sich.
Hillary Clinton zeigte sich in ihrer Aussage „entsetzt" über diese milde Strafe. Doch die Frage drängt sich auf: Wie kann eine Frau, deren Familie derart eng mit Epstein und Maxwell verflochten war, von all dem nichts gewusst haben? Wie kann jemand, der als Außenministerin Zugang zu den sensibelsten Geheimdienstinformationen der Welt hatte, ausgerechnet bei diesem Thema völlige Ahnungslosigkeit beanspruchen?
Wenn die Mächtigen sich nicht erinnern können
Die Anhörung der Clintons reiht sich ein in ein Muster, das den Glauben vieler Bürger an die Integrität ihrer politischen Führung nachhaltig erschüttert hat. Es ist jenes Muster, bei dem Mächtige sich hinter juristisch geschliffenen Formulierungen verschanzen, bei dem „Ich kann mich nicht erinnern" zur universellen Verteidigungsstrategie wird und bei dem die Wahrheit irgendwo zwischen Flugprotokollen und Gedächtnislücken verloren geht.
Für das amerikanische Volk – und letztlich für alle, die an rechtsstaatliche Prinzipien glauben – bleibt die bittere Erkenntnis: Die vollständige Aufklärung des Epstein-Skandals scheint auch Jahre nach seinem Tod in weiter Ferne. Solange die politische Klasse ihre schützende Hand über die eigenen Reihen hält, werden die Opfer dieses monströsen Verbrechensrings weiter auf Gerechtigkeit warten müssen. Und die Clintons? Die können sich an nichts erinnern.
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