Kettner Edelmetalle
14.04.2026
06:24 Uhr

Blitzermarathon als Alibi-Aktion: Polizeigewerkschaft entlarvt das Versagen der Innenpolitik

Blitzermarathon als Alibi-Aktion: Polizeigewerkschaft entlarvt das Versagen der Innenpolitik

Es ist wieder soweit: Die alljĂ€hrliche „Speedweek" rollt ĂŒber Deutschlands Straßen, und mit ihr die ĂŒblichen Sonntagsreden ĂŒber Verkehrssicherheit. Doch hinter der medienwirksamen Inszenierung des Blitzermarathons verbirgt sich ein EingestĂ€ndnis, das die politisch Verantwortlichen nur ungern laut aussprechen – die deutsche Polizei ist chronisch unterbesetzt, technisch veraltet und finanziell ausgeblutet.

GdP-Chef schlÀgt Alarm: Personal fehlt an allen Ecken

Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, findet deutliche Worte. Der personelle und technische Mehraufwand einer solchen Schwerpunktaktion sei „zweifellos betrĂ€chtlich", erklĂ€rte er gegenĂŒber der Presse – und das „gerade in Zeiten angespannter Personallage". Was fĂŒr ein Euphemismus. Die Personallage ist nicht angespannt, sie ist desaströs. Seit Jahren warnen Polizeigewerkschaften vor dem schleichenden Kollaps der inneren Sicherheit, und seit Jahren passiert: nichts. Oder zumindest nichts Substanzielles.

Kopelke rĂ€umte zwar ein, dass sich der Aufwand lohne, weil derartige Aktionen „ein deutliches Zeichen" setzten. Doch er schob sogleich die entscheidende EinschrĂ€nkung hinterher: Eine Speedweek dĂŒrfe kein isoliertes Ereignis bleiben. Langfristige Wirkung entstehe nur dann, wenn Verkehrskontrollen regelmĂ€ĂŸig, flĂ€chendeckend und technisch modern durchgefĂŒhrt wĂŒrden. Viele Fahrer passten ihr Verhalten eben nur kurzfristig an – sobald die Blitzer wieder abgebaut seien, werde der Gasfuß wieder schwerer.

Symbolpolitik statt struktureller Lösungen

Man kennt das Muster. Eine Woche lang wird geblitzt, was das Zeug hĂ€lt, die Lokalpresse berichtet pflichtschuldig, Politiker lassen sich mit RadargerĂ€ten fotografieren – und danach? Danach kehrt der Alltag zurĂŒck. Ein Alltag, in dem ganze Landstriche ohne nennenswerte VerkehrsĂŒberwachung auskommen mĂŒssen, weil die Beamten schlicht fehlen. Kopelke brachte es auf den Punkt: Die Polizei mĂŒsse „personell, finanziell und technisch so ausgestattet werden, dass kontinuierliche VerkehrsĂŒberwachung möglich bleibt". Aktionen wie die Speedweek seien ein wichtiger Baustein, aber kein Ersatz fĂŒr dauerhafte Struktur.

Und genau hier liegt das Problem. Struktur kostet Geld. Struktur erfordert politischen Willen. Beides scheint in Deutschland Mangelware zu sein – zumindest wenn es um die innere Sicherheit geht. FĂŒr ideologische Prestigeprojekte, GenderlehrstĂŒhle und fragwĂŒrdige Subventionsprogramme finden sich stets Mittel. FĂŒr Polizisten auf der Straße? Fehlanzeige.

Kommunen zwischen Pflichtbewusstsein und Ohnmacht

Auch der Deutsche StĂ€dte- und Gemeindebund stĂ¶ĂŸt ins gleiche Horn, wenngleich diplomatischer formuliert. Timm Fuchs, Beigeordneter des DStGB, betonte, der Blitzermarathon bedeute fĂŒr die Kommunen zwar einen Mehraufwand, könne sich aber lohnen, weil er die Aufmerksamkeit fĂŒr ĂŒberhöhte Geschwindigkeit erhöhe. Gleichzeitig stellte er klar, dass es den Kommunen nicht um Bußgeldeinnahmen gehe, sondern um Verkehrssicherheit. Die Einnahmen wĂŒrden im besten Fall sogar sinken, weil sich mehr Menschen an die Regeln hielten.

Eine noble Aussage – die allerdings an der RealitĂ€t vorbeigeht. Denn natĂŒrlich sind viele klamme Kommunen lĂ€ngst auf Blitzereinnahmen angewiesen, um ihre maroden Haushalte zu flicken. Das ist kein Geheimnis, sondern bittere Wahrheit. Und es ist ein Armutszeugnis fĂŒr ein Land, das sich als wirtschaftliche Lokomotive Europas versteht – oder besser: verstanden hat.

Das eigentliche Problem sitzt tiefer

Der Blitzermarathon ist letztlich nur ein Symptom einer viel tiefgreifenderen Malaise. Deutschland leistet sich eine aufgeblĂ€hte BĂŒrokratie, eine ideologiegetriebene Energiepolitik und ein Sozialsystem, das aus allen NĂ€hten platzt – aber bei den Kernaufgaben des Staates, bei Sicherheit, Infrastruktur und Ordnung, wird gespart. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat mit ihrem 500-Milliarden-Sondervermögen zwar große PlĂ€ne fĂŒr die Infrastruktur angekĂŒndigt, doch ob davon auch nur ein Cent bei den Polizeidienststellen ankommt, darf bezweifelt werden.

Solange die Politik nicht bereit ist, die innere Sicherheit als das zu behandeln, was sie ist – nĂ€mlich die fundamentale Grundlage eines funktionierenden Gemeinwesens –, werden Blitzermarathons das bleiben, was sie schon immer waren: gut gemeinte Alibi-Veranstaltungen, die am strukturellen Versagen nichts Ă€ndern. Deutschland braucht keine Aktionswochen. Deutschland braucht eine Polizei, die jeden Tag ihren Job machen kann. Ohne Wenn und Aber.

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