Kettner Edelmetalle
15.04.2026
05:02 Uhr

Blitzermarathon 2026: Wenn der Staat seine BĂŒrger wieder einmal zur Kasse bittet

Blitzermarathon 2026: Wenn der Staat seine BĂŒrger wieder einmal zur Kasse bittet

Es ist wieder soweit. Die sogenannte „Speedweek" rollt durch die Republik, und mit ihr eine Armada von Radarfallen, die sich wie ein engmaschiges Netz ĂŒber Autobahnen, Bundesstraßen und Innenstadtbereiche legt. Seit Wochenbeginn kontrolliert die Polizei in nahezu allen BundeslĂ€ndern verstĂ€rkt die Geschwindigkeit – der Mittwoch gilt dabei als Schwerpunkttag des bundesweiten Blitzermarathons. Nur das Saarland habe sich der Aktion nicht angeschlossen, wie der ADAC mitteilte.

Sicherheit oder Abkassiererei?

Offiziell geht es natĂŒrlich um die Verkehrssicherheit. Die Polizei wolle die Risiken ĂŒberhöhter Geschwindigkeit ins öffentliche Bewusstsein rĂŒcken, heißt es. Und ja, niemand bestreitet, dass unangepasste Geschwindigkeit zu den hĂ€ufigsten Unfallursachen gehört – insbesondere bei tödlichen VerkehrsunfĂ€llen. Doch die Frage drĂ€ngt sich auf: Braucht es wirklich eine medienwirksam inszenierte Kontrollwoche, um Autofahrer an etwas zu erinnern, das eigentlich selbstverstĂ€ndlich sein sollte?

Der ADAC bewertet die Aktion grundsĂ€tzlich positiv. Die intensive Medienberichterstattung sensibilisiere nicht nur jene, die tatsĂ€chlich geblitzt wĂŒrden, sondern wirke auch prĂ€ventiv auf die breite Masse der Verkehrsteilnehmer. Eine durchaus nachvollziehbare Argumentation – wenn man denn an die reine Absicht der PrĂ€vention glaubt.

Deutliche Kritik vom Deutschen Anwaltverein

Wesentlich nĂŒchterner fĂ€llt das Urteil des Deutschen Anwaltvereins aus. Dessen HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Sylvia Ruge habe zu Beginn der Aktion erklĂ€rt, wer am Straßenverkehr teilnehme, solle seine Geschwindigkeit jederzeit und nicht nur in zwei Wochen im Jahr an den Verkehr, die Umgebung und die Wetterlage anpassen. Ein Satz, der sitzt. Denn er entlarvt das eigentliche Problem: Wenn der Staat es nur zweimal jĂ€hrlich fĂŒr nötig hĂ€lt, konsequent zu kontrollieren, dann ist das kein Sicherheitskonzept – dann ist das ein Spektakel.

Kontrolliert wird laut ADAC auf unfalltrĂ€chtigen Strecken sowie in sensiblen Bereichen wie vor Schulen, Baustellen und KrankenhĂ€usern. Dagegen ist selbstverstĂ€ndlich nichts einzuwenden. Doch warum geschieht dies nicht das ganze Jahr ĂŒber mit derselben Konsequenz? Die Antwort liegt auf der Hand: Weil permanente Kontrollen Personal kosten, das die chronisch unterbesetzten Polizeibehörden schlicht nicht haben. Ein Zustand, der weniger den Beamten vor Ort als vielmehr der politischen FĂŒhrung anzulasten ist, die seit Jahren bei der inneren Sicherheit spart, wo es nur geht.

Was droht TemposĂŒndern konkret?

Die verstĂ€rkten Radarkontrollen dauern in der Regel bis zum kommenden Sonntag an. Wer in eine Radarfalle gerĂ€t, muss mit den ĂŒblichen Sanktionen rechnen: Bußgelder, Punkte in Flensburg und gegebenenfalls ein Fahrverbot. Die nĂ€chste „Speedweek" sei bereits fĂŒr den 3. bis 9. August geplant – man darf also davon ausgehen, dass die Kassen der Kommunen auch im Sommer wieder krĂ€ftig klingeln werden.

Besonders pikant: WĂ€hrend der Staat den Autofahrer mit immer neuen Auflagen, Tempolimit-Debatten und nun auch medienwirksamen Blitzermarathons gĂ€ngelt, verfallen gleichzeitig Straßen und BrĂŒcken in einem Tempo, das seinesgleichen sucht. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur, das die Große Koalition unter Friedrich Merz auf den Weg gebracht hat, wird zu einem erheblichen Teil durch Schulden finanziert – Schulden, die kommende Generationen ĂŒber Steuern und Abgaben werden tilgen mĂŒssen. Man fragt sich unwillkĂŒrlich, ob es nicht sinnvoller wĂ€re, zunĂ€chst die maroden Straßen zu sanieren, bevor man den BĂŒrgern vorschreibt, wie schnell sie auf ebendiesen fahren dĂŒrfen.

Ein Symptom tieferliegender Probleme

Der Blitzermarathon ist letztlich nur ein Symptom. Ein Symptom einer Politik, die lieber symbolisch handelt als strukturell. Die lieber einmal im Quartal medienwirksam durchgreift, anstatt dauerhaft fĂŒr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen. Und die den fleißigen Autofahrer – der in diesem Land nach wie vor das RĂŒckgrat der MobilitĂ€t bildet – zunehmend als Melkkuh betrachtet, wĂ€hrend gleichzeitig die Deutsche Bahn von einer Panne zur nĂ€chsten taumelt. Erst am vergangenen Wochenende mussten FahrgĂ€ste einer S-Bahn evakuiert werden, nachdem diese in eine Oberleitung gefahren war.

Wer wirklich etwas fĂŒr die Verkehrssicherheit tun will, der investiert in bessere Straßen, in mehr PolizeiprĂ€senz – und zwar das ganze Jahr ĂŒber – und in eine Infrastruktur, die diesen Namen verdient. Alles andere ist Symbolpolitik. Und davon hat dieses Land wahrlich genug.

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